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Abenteuer & Reisen

Der Beginn einer Öffi-Reise in Richtung Kaukasus

Abenteuer Kaukasus mit Bus, Bahn und Rad

05.03.2026
Niko Brandt
Los geht's. Malte und Niko machen sich auf den Weg von Innsbruck in Richtung Kaukasus. Womit? Mit den Öffis! Ob das geht und wie viel Ski auf dem Weg gefahren wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Eins steht fest; die Motivation ist hoch. In den letzten Wochen wurde mit viel Vorfreude dem Projekt entgegengefiebert.

Wie aus einem Insta-Reel ein Winter Abenteuer wurde

Es ist wieder einer dieser Tage. Ich sollte eigentlich weiter an meiner Masterarbeit sitzen, doch die Gedanken schweifen ab. Wieder versuche ich, zwei halbwegs gerade Sätze aneinanderzureihen, doch ein kurzer Blick aus dem Fenster der SOWI in Innsbruck in Richtung Kalkkögel reicht, um mich in eine andere Welt zu versetzen. Es ist Mitte Dezember – der Schnee vom Anfang der Saison ist kaum noch zu erkennen. Die kleinen „Sharks“, die vor zwei Wochen noch das größte Problem waren, sind inzwischen durch die anhaltende Wärmeperiode zu riesigen Megalodons angewachsen. Da oben jetzt Skifahren – unvorstellbar. Dann bekomme ich eine WhatsApp von Malte …

Malte hat seinen Master ein bisschen schneller als ich durchgezogen und sitzt jetzt in einem Bürokomplex im Zentrum der Stadt und schaut nicht auf die Kalkkögel, sondern auf die Nordkette. Auch bei ihm ist bis weit über die Seegrube hinaus kein Schnee in Sicht. Trotzdem kommen ihm die Gedanken an unsere Skitour quer durchs Karwendel vom letzten Jahr wieder hoch – und mit ihnen die Sehnsucht, diesen Winter erneut ähnliche Abenteuer zu erleben. Vielleicht ja sogar nicht im Innsbrucker „Backyard“, sondern etwas „exotischer“.

Letztendlich ist es sein Instagram-Algorithmus, der mit einem 30‑Sekunden‑Zusammenschnitt aus Skitouren in der Türkei den richtigen Nerv trifft. Bis dahin war die Türkei bei ihm eher mit „Haarverlängerungen“ oder „All‑Inclusive‑Urlaub“ abgespeichert – nicht mit Powderhängen und steilen Rinnen.

Und so sendet er mir eine Nachricht mit ein paar Links zu verschiedenen Regionen. Ich öffne einen neuen Tab am Laptop, checke die historischen Wetterdaten und merke: Da könnte was gehen. Schon länger überlegen wir, ob wir diesen Winter ein Abenteuer wagen sollen. Neben Optionen wie Japan oder einer Alpendurchquerung steht nun wohl auch die Türkei auf der Kandidatenliste. Ich vertiefe mich immer mehr in diese Alternative und merke zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass die fünf Zeilen Code, die ich eben noch für die Masterarbeit geschrieben habe, einen RUNTIME‑ERROR verursachen.

Wir ziehen durch

Tatsächlich machen wir ein paar Tage später Nägel mit Köpfen – beziehungsweise: Wir buchen für 60 Euro pro Person einen Flixbus nach Istanbul. Sonst steht noch nicht viel fest, außer einigen neuen Pins auf der Google‑Maps‑Karte, der Tatsache, dass Malte spontan gekündigt hat, und dass ich mich wohl jetzt doch mal ein bisschen mehr ins Zeug legen muss, was meine Thesis betrifft. Fest steht außerdem, dass wir versuchen werden, so gut es geht mit Öffis unterwegs zu sein. Durch ein Auslandssemester in Istanbul weiß ich, dass Reisen mit Bus und Bahn in der Türkei wirklich problemlos machbar ist. Das zu nutzen, um gleichzeitig mehr oder weniger klimaneutral in abgelegene Gebirge zu kommen und die Reise dadurch bewusst zu verlangsamen, fanden wir beide sehr charmant.

Zu den beiden gehören einerseits ich, Niko, der hier gerade seine Masterarbeit verdrängt. Wie viele andere hat es mich wegen der Berge und des Skifahrens vor ein paar Wintern nach Innsbruck gezogen. Der Master in VWL, den ich gerade zu Ende bringen will, war dabei eher Mittel zum Zweck.

Unzählige Vorlesungen und Übungen wurden ausgelassen, um mit viel zu breiten Ski auf viel zu eisigen Pisten herumzurutschen. An Powdertagen wurde ohnehin kein Gedanke an die Uni verschwendet. Im Sommer – oder bei mauen Schneeverhältnissen im Dezember – tausche ich aber auch gerne die Skischuhe gegen Kletterschuhe, um im KI oder an der Martinswand meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Oder gegen Trailschuhe, um im Winter nicht komplett von der Innsbrucker Dynafit‑/Backland‑65‑Szene abgehängt zu werden.

Selbiges gilt ziemlich genau auch für die zweite Hälfte des „Teams“ – Malte – nur, dass er eben schon seit einem Jahr in der Baubranche arbeitet (bzw. gearbeitet hat). Das hat ihn zum klassischen Weekend‑Warrior werden lassen. Durch eine Vier‑Tage‑Woche hatte Malte aber trotzdem genug Flexibilität, um die Winterwochenenden in Winterräumen zu verbringen oder im Sommer auf dem Renn‑ bzw. Gravelrad oder in Trailschuhen die Alpen zu erkunden. Kennen tun wir uns seit meinem ersten Tag in Innsbruck. Ich bin glücklicherweise in Maltes WG eingezogen. So wurde nicht nur abends häufig gemeinsam gekocht, sondern auch Touren geplant, über Material philosophiert, die Wetter‑Apps mit der höchsten Neuschneeprognose gesucht oder diverse Skimovies geschaut – um die Vorfreude auf die nächsten Abenteuer nur noch mehr zu steigern.

Und so stehen wir jetzt hier vor unseren Rucksäcken und diskutieren, was wir wegrationalisieren können. Für das Abenteuer werden wir uns etwa zwei Monate Zeit nehmen. Die Reise mit Bus und Bahn schränkt unser Gepäck natürlich zusätzlich ein. Das ganze Equipment in unsere Rucksäcke zu stopfen, ist dementsprechend einerseits eine Herausforderung, andererseits aber auch ein Gefühl von Freiheit – in den nächsten Wochen keinen Gedanken mehr daran verschwenden zu müssen, was man anzieht und was nicht. Die Skisachen nehmen allerdings so viel Platz ein, dass für den Rest bei jedem von uns nur ein bis anderthalb Outfits bleiben, die an Off‑Days getragen werden können.

Planung der Route

Grundsätzlich wollen wir die Skitage in der Türkei maximieren. Geplant sind Stopps an der Schwarzmeerküste – im Kaçkar‑Gebirge –, am Vansee in Blickweite des heiligen Bergs Ararat sowie in Zentralanatolien mit seinen Vulkanen Erciyes, Hasan und Co. sowie der vielversprechend aussehenden Aladağlar‑Bergkette. Geplant und vor allem gebucht ist bisher allerdings noch wenig. Wir spielen zum Beispiel mit dem Gedanken, die erste Busreise etwas zu verkürzen, um in Bulgarien nach 24 Stunden Busfahrt wieder ein bisschen Blut in die Fußspitzen zu bekommen und im Schatten der höchsten Berge des Balkans ein paar erste Schwünge zu ziehen, bevor es in die wildere Türkei geht. Auch Abstecher nach Georgien und Armenien – für den kleinen und großen Kaukasus – stehen auf der Bucket List, wenn man schon einmal in der Ecke ist. Letztendlich wird sich ein großer Teil unserer Reiseroute durch die Bedingungen vor Ort, unsere Laune, das Wetter und unser Bauchgefühl ergeben.

Wir wollen uns nicht einfach nur ohne Pause von Skitag zu Skitag jagen, sondern auch mit Menschen in Kontakt kommen, spannende Geschichte kennenlernen und uns vor allem kulinarisch verwöhnen lassen. Dass man währenddessen noch auf seinen zwei Brettern stehen darf, ist für uns purer Luxus, den wir jetzt schon kaum erwarten können. Egal wo – wir werden versuchen, bestmöglich von den Touren und den jeweiligen Bedingungen zu berichten, auch wenn der Laptop nach der Abgabe meiner Masterarbeit jetzt wohl erst einmal in der Ecke verstauben wird und aus Platzgründen nicht mit auf die Reise darf.

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