Nachdem wir die vergangenen Tage fleißig auf Ski unterwegs waren, ist es Zeit für einen Badetag. Ausgestattet mit feschen Badehosen (unsere Boardshorts sind in Frankreichs Badehäusern nicht zulässig), lassen wir es uns im Les Grands Bains du Monêtier gut gehen: Römische Bäder und ein Außenbecken mit Sonne und Bergblick. Wer da nicht vollkommen entspannt wieder rauskommt, ist selbst schuld.
Frisch poliert sind wir bereit für unser Galadinner und lassen uns im Auberge Edelweiss vortrefflich verwöhnen. Da die Wirtin aus Holland stammt und gut Deutsch spricht, erfahren wir das ein oder andere aus La Grave. Knapp 50 Nationen wohnen in dem etwa 500 Einwohner*innen zählendem Bergdorf, der Großteil angelockt durch die anspruchsvollen Berge und unendlichen Tourenmöglichkeiten. Es gebe eine lebendige und freundliche Gemeinschaft, was wir nach dem anschließenden Besuch im Le Bois des Fées bestätigen können. Zwei Jungs animieren die Gäste mit Keyboard und Gitarre, die Gefahr hier Hängen zu bleiben ist groß. Doch wir wollen am nächsten Tag wieder auf die Bretter und lassen uns auch von Sergio, dem wir auf dem Heimweg begegnen, nicht davon abbringen.
Verlassenes La Grave
La Grave frz. „der Friedhof“, heute wollen wir dich bezwingen. Da die Gondelbahn nicht läuft, ist die Höhenmeter freundliche Variante eine große Runde über Les Deux Alpes. Wir steigen morgens in La Grave in den Shuttle und drehen noch ein paar Runden auf der Piste von Les Deux Alpes. An der Bergstation der Jandri Gondel hat es am Morgen auf 3.150 hm -20° C bei über 50 km/h Wind. Zum Mittag soll es wärmer, weniger windig, einfach freundlicher werden. Das stimmt auch. Als wir an der Bergstation des Dôme Express auf 3.400 hm unsere Ski auffellen hat es schon kuschelige -15 °C, allerdings ist es am Berg noch einmal windiger geworden.
Wir müssen knappe 400 hm aufsteigen, die sich über entspannte zwei Kilometer strecken. Der Aufstieg führt entlang des Schlepplifts einen Rücken hinauf und je ausgesetzter es wird, umso stärker wird der Wind. Beim Queeren der Liftspur bläst es so heftig, dass ich mehrfach fast das Gleichgewicht verliere. Es kommen zweifelnde Gedanken auf: Was treiben wir hier überhaupt? Sich bei diesen Bedingungen im hochalpinen Gelände von jeglicher Infrastruktur zu entfernen, scheint plötzlich ziemlich bescheuert. Wenn irgendwas schiefläuft, werden wir, trotz unserer ganzen Ausrüstung, ein echtes Problem bekommen. Trotzdem gehen wir weiter, Schritt für Schritt.