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Materialtests

Materialtest | Nidecker - The Gun & Supermatic Carbon

Carven wie auf Schienen, Surffeelings und keine Zeitverluste

11.03.2026
Timo Macvan
174 Zentimeter mattes Schwarz. Keine Spielerei, sondern eine klare Ansage: The Gun! Darauf montiert die Supermatic Carbon. Reinsteigen, einrasten, Gas geben. Zusammen wirkt dieses Setup wie aus einem Guss. Es ist steif, direkt und verdammt entschlossen. Ein Board, das nicht nur Geschwindigkeit verträgt, sondern aktiv fordert. Und eine Bindung, die dafür sorgt, dass jede Bewegung genau dort ankommt, wo sie soll.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck, den auch mein PowderGuide-Kollege Till bestätigt: Der Name ist Programm - „The Gun“. Ein komplett matt schwarzes Board, sehr geradlinig und langgezogen. Rundum sieht das Longboard mit seinen stattlichen 174 cm Länge aus wie eine Waffe der gewaltfreien Art.

Das Board kommt in einem Quiver daher, wie man es von echten Surfboards kennt. Auffällig sind die sehr breite und lange Nase sowie das kurze Heck. Es wirkt, als wollten die Designer die klassischen Eigenschaften eines Surfbretts auf ein Schneebrett übertragen.

Auch die Form und vor allem die Schaufel des „Gun“ erinnern ein wenig an ein klassisches Longboard: breite Nase, kaum Taille und zum Tail hin etwas schmaler zulaufend. Die Aufschrift „SnowSurf” weckt die Neugier, wie sich ein solches Board wohl im Pulverschnee fahren lässt.

In Kombination mit der Carbon Supermatic von Nidecker matcht es sich nicht nur äußerlich exzellent, sondern auch innerlich ergänzt sich das Paar aus Board und Bindung. Charaktereigenschaften wie die hohe Steifigkeit des Paares sind sofort spürbar und sorgen für ein sehr direktes Fahrerlebnis.

Die Bindung wird in Größe XL (für Schuhgrößen ab 44,5) gefahren und wirkt auf dem langgezogenen Sidecut zunächst etwas klobig. Mit einem Gesamtgewicht von etwa 3.100 g ist die „Supermatic Carbon“ in Größe XL kein Leichtgewicht. Vor allem im Vergleich zu den beiden anderen Supermatic-Varianten (OG und LT) ist die Teilkarbon Variante 400-600g schwerer, was mich bei dem deutlich höherem Preis und auch dem fetten Karbon Label erstmal verwundert hat.

Auf den zweiten Blick lassen sich aber durchaus Gründe erkennen, warum das Gewicht trotz Karbon höher ist und der Preis um 30–40 % höher ausfällt. Die Steifigkeit der Karbonteile, die Stabilität der Bindung und die Verarbeitung aller Einzelteile sehen in Verbindung mit der matten Farbkombination sowie dem minimalistischen Zusammenspiel aus Design, hochwertigen Materialien und Verarbeitung einfach stark aus!

Tester und Testbedingungen

Aktuell stehe ich im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche auf dem Snowboard. Am liebsten bin ich dabei natürlich im Pulverschnee unterwegs, wenn Ullr es uns vergönnt. Ich bin 1,86 m groß, wiege aktuell 95 kg und bin somit eher ein „kräftiger Skifahrer“. Mein Ziel war es, „The Gun“ x „Supermatic Carbon“ auf Alltagstauglichkeit bei möglichst vielen verschiedenen Schneeverhältnissen zu testen. Leider fielen die Powdertage in den nördlichen Alpen bisher recht spärlich aus, weshalb die meisten der etwa 15 Tage auf dem Brett auf der Piste und in deren unmittelbarer Nähe gesammelt wurden. Die Verhältnisse wechselten zwischen soliden und eisigen Pisten, ein paar waghalsigen Ausflügen in haifischartigen Hängen sowie maximal einer Handvoll Powdertagen, an denen aufgrund der Lawinensituation aber defensives Fahren das Motto war.

Testbericht: Piste

“The Gun” Fahreigenschaften - Laufruhe und Stabilität auf höchstem Niveau

„The Gun“ ist klar auf maximale Stabilität und Performance bei hohen Geschwindigkeiten ausgelegt. Dafür verantwortlich sind insbesondere die lange Bauform, der ausgeprägte Sidecut sowie der lange Camber zwischen der etwas breiteren und längeren Nase und dem kurzen Tail. Das Resultat ist ein ausgeprägtes Fahrgefühl mit außergewöhnlicher Laufruhe. Selbst bei hohem Tempo bleibt das Board jederzeit stabil und souverän und pflügt auch über mittelgroße Unebenheiten hinweg, ohne dass dies spürbar wird.

Auffällig ist jedoch, dass das Board eine gewisse Grundgeschwindigkeit benötigt, um sein volles Potenzial zu entfalten. Aufgrund der Länge und der hohen Steifigkeit erfordert der Kantenwechsel einen aktiven und kraftvollen Fahrstil. Sobald das Board jedoch auf der Kante liegt, überzeugt es mit enormer Spurtreue, Kantengrip und Präzision. Auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten bleibt das Fahrverhalten ruhig und kontrolliert.

„The Gun“ spielt seine klare Stärke beim Carven langer Radien mit hohen Geschwindigkeiten auf breiten, am besten leeren Pisten aus. Hier fühlt sich das Board am wohlsten und vermittelt ein äußerst sicheres Fahrgefühl, selbst auf härteren Pistenbedingungen. Bei kurzen, schnellen Schwüngen oder häufig wechselnden Radien ist es dagegen weniger komfortabel. In diesen Situationen wirkt das Board anspruchsvoller und weniger agil. Inwiefern es seine Stärken auch in sehr steilen und eisigen Passagen vollständig ausspielen kann, hängt stark vom fahrerischen Niveau und dem verfügbaren Platz für längere Schwünge ab (mehr dazu im Powder-Teil).

Supermatic Carbon - Direkte Kraftübertragung und hoher Komfort

Die Carbon Supermatic erweist sich als perfekte Ergänzung zum sportlichen Charakter des Boards. Ihre hohe Steifigkeit ermöglicht eine direkte und verlustarme Kraftübertragung, sodass Steuerimpulse präzise umgesetzt werden können.

Besonders positiv fällt die Kraftübertragung auf der Backside auf. Durch die Einstellmöglichkeiten des Highbacks wird der Druck gleichmäßig und unmittelbar auf das Board übertragen. Das sorgt für ein stabiles und kontrolliertes Fahrgefühl. Die klassischen 2-Punkte-Straps umschließen den Schuh sicher, sorgen für festen Halt und stabilisieren den Fuß effektiv.

Step-In-System – funktional und alltagstauglich

Ein zentrales Merkmal der Supermatic ist ihr Step-In-Mechanismus, der vor allem beim Liftbetrieb für einen deutlichen Komfortgewinn sorgt. Im Gegensatz zu reinen Step-On-Systemen arbeitet die Supermatic weiterhin mit klassischen Straps, die beim Ein- und Ausstieg jedoch geschlossen bleiben können.

Nach einmaliger Einstellung lässt sich die Bindung bequem über einen Hebel am Highback öffnen. Der Einstieg erfolgt von hinten, wobei das Highback beim Belasten automatisch einrastet. Nach einer kurzen Eingewöhnungs- und Übungsphase funktioniert dieses System zuverlässig und intuitiv. Dadurch sorgt es an den „wichtigen Tagen“ für schnellere Einstiege und reduziert Wartezeiten, insbesondere im Vergleich zu klassischen Strap-Bindungen.

Testbericht: Powder

Board: SnowSurf mit eingebautem Auftrieb

Schon die Form des „The Gun“ lässt wenig Zweifel daran, wofür dieses Board gebaut wurde. Die extrem lange und breite Nose, das deutlich kürzere Tail und die insgesamt gestreckte Outline übertragen klassische Surfboard-Gene konsequent auf den Schnee. Im Tiefschnee zeigt sich schnell, dass diese Form nicht nur Design ist, sondern funktionaler Kern des Konzepts.

Aufschwimmen geschieht mühelos und konstant

Der wohl prägendste Eindruck im Powder ist das außergewöhnlich frühe und stabile Aufschwimmen. Die lange Nose generiert enorm viel Auftrieb, wodurch das Board selbst in tieferem Schnee kaum dazu neigt, einzusinken. Auffällig ist dabei, wie wenig Gewichtsverlagerung auf den hinteren Fuß notwendig ist. Während man bei vielen Freeride-Boards aktiv Druck auf das Tail geben muss, um die Nose oben zu halten, bleibt „The Gun“ auch bei neutraler, zentraler Position stabil im Schnee.

Das reduziert die Belastung auf den hinteren Oberschenkel deutlich und ermöglicht längere Abfahrten ohne frühzeitige Ermüdung. Besonders in flacheren Powder-Passagen oder bei nachlassender Geschwindigkeit bleibt das Board erstaunlich effizient im Gleiten und verliert kaum an Auftrieb.

Jedoch ist das Board auch genauso gebaut, dass es von dir am liebsten erwartet, dich etwas nach hinten zu lehnen und den Schnee so zu riden wie ein Surfboard. So lassen sich auch am besten Kurven einleiten im Tiefschnee, indem man die Nose in den Kantenwechsel herumreisst.

Fahrverhalten – gebaut für Flow und Linie

„The Gun“ vermittelt im offenen Gelände ein sehr ruhiges und souveränes Fahrgefühl. Die Länge des Boards sorgt für viel Stabilität, während die breite Schaufel Unebenheiten und unterschiedliche Schneeschichten effektiv ausgleicht. Das Board fährt sich weniger verspielt, sondern vielmehr fließend und zielgerichtet. Enges Huschen durch den Wald konnte ich zwar nicht ausprobieren, dafür ist meiner Meinung nach aber vorausschauendes Fahren und ein sehr gutes Gefühl für das Board erforderlich.

Seine Stärke liegt eindeutig darin, natürliche Linien im Gelände auszunutzen, anstatt spontane, enge Richtungswechsel zu provozieren. Es fühlt sich am wohlsten, wenn es Raum bekommt und mit Geschwindigkeit gefahren wird. Dabei entsteht ein sehr surfartiges Fahrgefühl, bei dem das Board mehr über den Schnee gleitet, als dass es durch ihn hindurch pflügt.

Turns – surfartig, fließend und präzise

Besonders beeindruckend ist das Verhalten in längeren Powder-Turns. Die breite Nose bleibt stabil über der Schneeoberfläche und ermöglicht saubere, gleichmäßige Schwünge mit viel Kontrolle. Der Übergang von einem Turn in den nächsten erfolgt harmonisch und ohne abruptes Verkanten, benötigt aber einerseits eine sauber Snowboardabfahrtechnik durch eine solide Hoch-Tief-Verlagerung. Auf der anderen Seite auch, gegen alle Lehrbücher, eine leichte Verlagerung auf den hinteren Fuß und ein leichtes herumreißen der Nose. Aufgrund der Länge und der Steifigkeit benötigt das Board einfach etwas mehr Input.

In offenem Gelände belohnt es diesen Einsatz jedoch mit einem einzigartigen Flow-Gefühl, das stark an klassisches Wellenreiten erinnert.

Bindung: Speed Entry trifft Freeride-Performance

Die Supermatic Carbon ergänzt den Freeride-Charakter des Boards konsequent und bringt dabei sowohl Komfort als auch Performance mit.

Ein- und Ausstieg im Powder – komfortabel mit kleinen Einschränkungen

Der Step-In-Mechanismus funktioniert grundsätzlich auch im Tiefschnee zuverlässig, erfordert jedoch etwas Aufmerksamkeit bei sehr tiefen Bedingungen. Besonders beim Einstieg ist es hilfreich, den Bereich unter der Bindung kurz vom Schnee zu befreien, damit das Highback sauber einrasten kann.

Auch sollten die Boots unter der Sohle bestmöglich vom Schnee befreit sein damit, die unter schneefreien Bedingungen eingestellten Straps, noch optimal sitzen. Mit etwas Routine lässt sich der Einstieg dennoch deutlich schneller und komfortabler gestalten als mit klassischen Strap-Bindungen – vor allem in Situationen, in denen man ansonsten im tiefen Schnee balancieren oder sitzen müsste.

Der Ausstieg funktioniert hingegen auch im Powder sehr unkompliziert über den Hebel am Highback. Gerade bei häufigen kurzen Abfahrten mit wiederholtem Anschnallen entsteht hier ein spürbarer Komfortgewinn.

Kraftübertragung – direkt und präzise

Die hohe Steifigkeit der Carbon-Komponenten macht sich besonders im Tiefschnee positiv bemerkbar. Steuerimpulse werden unmittelbar auf das Board übertragen, was eine sehr präzise Kontrolle ermöglicht.

Vor allem bei schnelleren Powder-Lines oder in wechselnden Schneebedingungen vermittelt die Bindung ein stabiles und zuverlässiges Fahrgefühl. Die wahrgenommene direkte Verbindung zwischen Fahrer und Board unterstützt den surfartigen Charakter des „Gun“, ohne dabei an Kontrolle einzubüßen.

Gewicht – spürbar, aber funktional

Mit rund 3100 g in Größe XL gehört die Supermatic Carbon nicht zu den leichtesten Bindungen ihrer Klasse. Das zusätzliche Gewicht ist beim Tragen des Boards oder bei längeren Aufstiegen spürbar. Teilweise macht sich das Gewicht der Bindung, auch beim surfartigen herumreißen der Nose, auf Dauer bemerkbar.

Über einen Tag gesehen und vor allem während den Abfahrten relativiert sich dieser Eindruck jedoch. Hier überwiegen die Vorteile der stabilen Konstruktion und der hohen Steifigkeit, die dem Setup insgesamt ein sehr solides Fahrgefühl verleihen.

Stabilität und Materialqualität – gebaut für Belastung

Die Straps überzeugen durch sehr guten Halt und umschließen den Boot gleichmäßig und sicher. Auch bei intensiver Belastung im Tiefschnee bleibt der Fuß stabil in Position.

Die gesamte Bindung vermittelt einen hochwertigen und robusten Eindruck. Materialien und Verarbeitung wirken auf Langlebigkeit und Belastbarkeit ausgelegt – passend zum kompromisslosen Charakter des Boards.

Fazit

Mit dem The Gun in Kombination mit der Supermatic Carbon liefert Nidecker ein kompromissloses Setup für erfahrene Rider, die Hochgeschwindigkeit Carving und SurfFlow im Powder suchen. Auf der Piste überzeugt das Board vor allem beim schnellen Carven mit extremer Laufruhe und Präzision, während es im Tiefschnee mit enormem Auftrieb und einem einzigartig surfartigen Fahrgefühl glänzt. Seine wahre Stärke spielt es immer dann aus, wenn es Raum und Tempo bekommt egal ob auf breiten Carving-Autobahnen oder offenen Powder-Faces.

Die Supermatic Carbon ergänzt diesen Charakter perfekt: direkte Kraftübertragung, hoher Halt und der komfortable Speed-Entry-Mechanismus machen sie zu einem funktionalen Upgrade für den Tag am Berg. Das höhere Gewicht tritt während der Fahrt in den Hintergrund und wird durch Stabilität und Kontrolle mehr als kompensiert.

Insgesamt ist dieses Setup kein Allrounder, sondern ein Spezialist für große Lines, hohe Geschwindigkeiten und stilvolles SnowSurfing. Wer genau das sucht, bekommt ein außergewöhnlich starkes und charaktervolles Gesamtpaket.

Vor- und Nachteile

Board

+ Extrem hohe Laufruhe bei Geschwindigkeit

+ Herausragende Carving-Performance

+ Enormer Auftrieb im Tiefschnee

+ Kraftsparendes Fahren im Powder

+ Einzigartiges, surfartiges Fahrgefühl

+ Hochwertige Verarbeitung und minimalistisches Design

- Weniger agil bei kurzen und engen Turns

- Benötigt Geschwindigkeit, um sein volles Potenzial zu entfalten

- Anspruchsvoll in sehr engen, technischen Passagen

- Klarer Spezialist, kein vielseitiger Allrounder

Bindung

+ Sehr direkte und präzise Kraftübertragung

+ Hohe Stabilität und hervorragender Halt

+ Komfortabler und schneller Ein- und Ausstieg

+ Klassisches, zuverlässiges Two-Strap-Fahrgefühl trotz Speed-Entry

+ Hochwertige Materialien und sehr robuste Konstruktion

- Relativ hohes Gewicht

- Einstieg im sehr tiefen Powder manchmal etwas umständlicher als auf harter Unterlage

- Hoher Preis

Hier geht es zur Website von Nidecker mit weiteren Informationen zur Attack Hybrid.

Die Bindung wurden PowderGuide vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wie wir testen, erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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