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Safety

Jump-and-Run: Lawinen sind kein Videospiel

Über den wichtigen Unterschied zwischen Lawinenrisikomanagement und dem Management eines Lawinenabgangs

04.04.2018

PowderGuide ist aus dem Bestreben heraus entstanden, den Spaß am Abseitsfahren mit einem informierten und professionellen Risikomanagement zu verbinden, um so idealerweise ein ganzes Leben "abseits der Piste" unterwegs sein zu können. Jeremy Jones hat dieses Prinzip vor einigen Jahren in die einleuchtenden Worte “live to ride another day“ gepackt.

Jump and Run oder Stop or Go? add_circle
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Jump and Run oder Stop or Go?

PowderGuide ist aus dem Bestreben heraus entstanden, den Spaß am Abseitsfahren mit einem informierten und professionellen Risikomanagement zu verbinden, um so idealerweise ein ganzes Leben "abseits der Piste" unterwegs sein zu können. Jeremy Jones hat dieses Prinzip vor einigen Jahren in die einleuchtenden Worte “live to ride another day“ gepackt.

Kern dieses Gedankens und das Bestreben aller relevanten Ausbildungen zum Thema Risikomanagement im winterlichen Gelände ist die Tatsache, dass Lawinen eine verdammt gefährliche Angelegenheit sind und man sein ganzes Handeln darauf ausrichten sollte, sie zu vermeiden.

Nur zur Erinnerung: Das Risiko bei einem Lawinenabgang zu sterben, das sogenannte Mortalitätsrisiko beträgt ohne Lawinenairbag ungefähr 1:5, mit Airbag 1:10. Ein Drittel aller Lawinentoten sind nach dem Stillstand der Lawine schon durch mechanische Umstände ums Leben gekommen.

Leider wird dieses didaktische Bestreben immer wieder durch die visuelle Verharmlosung von Lawinen in Videos der großen Skiproduktionen vernachlässigt. Die professionellen Athleten schaffen es scheinbar immer wieder, dem Schneebrett zu entkommen. Man sollte sich bewusst sein, dass dieses Szenario die Ausnahme und nicht die Regel darstellt.

Aktueller Anlass für diese Wiederholung des Altbekannten – stating the obvious – ist eine Folge einer Webvideoserie mit Xavier de le Rue in der Hauptrolle. In seiner Reihe, die unter den Namen „Shred Hacks“ (für Red Bull) bzw. „How to XV“ (für Deeluxe) vermarktet wird, gibt de le Rue in mehreren Videos seine Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich Berge und Splitboarden weiter. Dabei werden Thematiken wie „how to ride with ice axes“, „how to splitboard “ oder „how to choose your line“ behandelt.

In seinem Video, welches bei Red Bull unter dem misslichen Titel “How to avoid avalanche danger“ firmiert, zeigt Xavier de le Rue, wie er mit der Lawinengefahr in seinen Lines umgeht. Nachfolgender Untertitel ist „How to manage avalanche risks“. Es geht also, könnte man meinen, um klassisches Risikomanagement, wie es seit 20 Jahren Standard ist.

Von der richtigen Aussage, dass es keine null Prozent Risiko (also 100 Prozent Sicherheit) gibt, führt ein Schnitt direkt zur Empfehlung, immer so zu fahren, als ob eine potentielle Lawine abgehen würde. Die Intention, sich Safespots in einer Abfahrt zu suchen, ist durchaus sinnvoll. Im Prinzip greift das die Standardmaßnahmen von gängigen Strategien wie beispielsweise „Stop or Go“ auf.

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Wenn man es nicht mit einem kleinräumigen Triebschneeproblem zu tun hat, ist es unter Umständen gar nicht so einfach, einen guten Safespot zu finden. add_circle
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Wenn man es nicht mit einem kleinräumigen Triebschneeproblem zu tun hat, ist es unter Umständen gar nicht so einfach, einen guten Safespot zu finden.

Allerdings geht es bei „Stop or Go“ dabei darum, dass im Falle einer Lawinenauslösung nur eine Person (zumeist jene, die die Lawine ausgelöst hat) betroffen ist und die anderen Personen an einem sicheren Platz sind. In de le Rues Video dagegen verschiebt sich der Fokus von der der Vermeidung des Worst-Case Szenarios einer Mehrfachverschüttung hin zum standardmäßigen Einkalkulieren eines Lawinenabgangs. Das Video suggeriert: Ein Lawine kann schon mal vorkommen, aber man kann das ganz gut managen, wenn man weiß wie.

Diese thematische Verschiebung des Fokus und die dargestellte Relativierung von Schneebrettlawinen - man muss nur auf der Hut sein, dann passt es schon - ist höchst problematisch.

Ein weiterer Tipp von de le Rue aus dem Video: „carry speed going through below pockets that are loaded!“ Quert man unter eingeblasenen Bereichen, sollte man schnell fahren.

Damit vermittelt er den Eindruck, genau abschätzen zu können, welche Zonen möglicherweise abgehen und welche nicht. Manchmal sind Tiebschneepakte zwar gut zu sehen, aber das ist weder verlässlich immer der Fall, noch sind Triebschneepakete die einzig mögliche Art von Lawinenproblem.

De le Rues Herangehensweise wirkt wie ein „Jump and Run“ Videospiel. Einfach immer von einer „island of safety“ zur nächsten hüpfen, dann schafft man das Level. Tatsächlich ist das ein halbwegs adäquater Vergleich: Wer es nicht schafft, der stirbt. Nur, dass es im echten Leben keine unzähligen Versuche gibt, das Level zu schaffen.

Diese Darstellung von Risikomanagement ist äußerst unangemessen angesichts der Bekanntheit von de le Rue und dem Red-Bull Zielpublikum, welches zu großen Teilen eher aus allgemein Actionsport Interessierten besteht und nicht aus Personen, die viel Erfahrung mit Lawinenrisikomanagement haben und sich routiniert in exponiertem Gelände bewegen.

Zudem werden einige Dinge behauptet, die in der im Video formulierten Pauschalität nicht der Realität entsprechen. De le Rue demonstriert seine Best-Practice Vorgehensweise an einer Couloir-Befahrung. Zu Beginn seines Runs versucht er, mittels eines ski/slope cuts einen Lawinenabgang zu provozieren. Das ist im ausgesetzten Gelände eines Couloir-Systems eher ungünstig. Couloirs sind aufgrund der vielen möglichen Felskontakte bei einem Lawinenabgang als Gelände mit hohen Konsequenzen einzuschätzen, weshalb man hier noch einmal höhere Vorsicht walten lassen sollte. Die Darstellung, eine gewisse Form von slope cut oder ski cut am Anfang eines „high-consequence“ Geländes zu machen, um Lawinen abzutreten ist das Gegenteil dessen, wofür die so oder so eher umstritteten slope cuts vorgesehen sind.

Auf Avalanche.org findet sich folgende Definition und Anwendungshinweise zu slope cuts:

"A stability test where a skier or rider rapidly crosses an avalanche starting zoe to see if an avalanche initiates. Slope cuts can be dangerous and should only be performed by experienced people on small avalanche paths or test slopes with relatively shallow and soft slabs. Do not use slope cus on big slopes, slopes with serious consequences, deep slabs, or hard slabs.“

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Also: Ski-cuts können interessante Hinweise liefern, allerdings sollte man sie nicht in exponiertem Gelände ausführen, sondern am besten nur als „Böschungstest“ an genügend harmlosen Geländeformationen. Zudem ist diese Testmethode bei einer heimtückischen Altschneesituation und harten Schneebrettern nicht zu gebrauchen, da harte Schneebretter nicht beim Skifahrer brechen, sondern eher oberhalb, was die Chancen erfolgreich herauszufahren erheblich mindert.

Wenn ein nachweislich sehr erfahrener Profi wie de le Rue sich bei einer anspruchsvollen Befahrung dafür entscheidet, eine Art slope cut durchzuführen, ist das sein gutes Recht. Man sollte dieses Vorgehen aber nicht als Standardmaßnahme für jedermann darstellen.

Die Rückblende im Video – ein Schneebrett wurde von ihm abgetreten und de le Rue ist durch seine Safe Spot Technik davongekommen – verzerrt zum wiederholten Mal die Gefährlichkeit von Schneebrettlawinen und stabilisiert den in meinen Augen falschen Fokus eines Videos, dessen Publikum vermutlich großteils in keinster Weise einschätzen kann, was ihm hier präsentiert wird, wie auch in den Youtube Kommentare deutlich wird.

Auch das abschließende Resümee, seine vorgeschlagene Technik (safe spots) zu ritualisieren, um es unbewusst immer anzuwenden, erscheint mir zu einseitig. Ich verstehe den positiven Gedanken dahinter, allerdings sollte bei einem Video, welches sich zuminest laut Titel um die Vermeidung von Lawinengefahr dreht, in erster Linie das richtige Verhalten zur Vermeidung von Lawinen habitualisiert werden und nicht ein Verhalten, welches das Auslösen von Lawinen schon einpreist. Dafür ist der Preis eines Lawinenunglücks definitiv zu hoch.

 

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Kommentare
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patrick 10.04.2018 | 20:28 Uhr

Schön, dass mal wieder was in den Kommentaren passiert!

mal ein paar kurze Antworten zu den den Artikel betreffenden Kommentaren:
@dicky
Zweistufiges Verfahren. Klar, macht Sinn. Ich würde halt den Fokus auf den ersten Filter legen, das hängt halt von der Risikobereitschaft ab. Jene scheint bei euch angesichts der Vielzahl der Vorfälle, die du andeutest, eher höher veranschlagt zu sein.
Zur "Vernachlässigung" der zweiten Stufe in den Lehrwerken. Das mag durchaus sein, ist denke ich dadurch begründet, dass in etwas größeren Brettern auch nicht mehr viel möglich ist. Zudem fährt der klassische Tourengeher bei weitem nicht so schnell, wie ein versierter Freerider. Generell spielen diese "what if" Überlegungen ja auch bei der Sammelpunktwahl eine wichtige Rolle, weshalb ich da prinzipiell zustimme.
@baron
Ich empfinde die Kritik nicht als harsch, da sie gut begründet und abwägend ist. Zudem widersprichst du dir in gewisser Weise selbst, wenn du auf der einen Seite meinst, dass jeder weiss, dass Xavier jenseits von Munter ist, aber andererseits zugestehst, dass Anfänger das alles schwierig auseinanderhalten können. Wissen sie es nun, oder wissen sie es nicht? Dass es als "Ergänzungsvideo" gut wäre, dem stimme ich zu. Allerdings wird es gegenteilig beworben und auch teilweise wahrgenommen und das ist das Problem.

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lea_pg 10.04.2018 | 19:25 Uhr

der Kommentar erscheint auch mit einmal auf "kommentieren" drücken, man muss nur kurz warten ;)

Zum traurigen Thema Adam Roberts empfehle ich diesen Artikel, danach ist man dann noch ein bisschen trauriger. https://www.outsideonline.com/2287926/terror-way-beyond-falling

GG kenne ich nicht persönlich, aber da gab es wohl schon mehrere vergleichbare Vorfälle und immer wieder auch kritische Diskussionen, da manche Rider (zB weil jung und auf die große Karriere hoffend) halt nicht einfach so sagen, sie fahren da jetzt nicht, wenn der Fotograf es anschafft. Wenn sich Fotograf und Fahrer gut kennen und bewusst gewisse Risiken eingehen, ist es eine Sache. Wenn es einer Seite nicht oder nicht vollständig bewusst ist, ist es eine wesentlich andere Sache, imo, wie sonst auch. Hummel und Adam Roberts würde ich da in die erste Kategorie einordnen, obwohl das aus den im oben erwähnten, wirklich empfehlenswerten Artikel genannten Gründen sicher auch eine sehr komplexe Ski/Fotobuddy Beziehung war.

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dicky 10.04.2018 | 13:05 Uhr

Ach mist ja, ich meine GG nich JH. JH hat das aber vor einiger Zeit auch schonmal angesprochen, ich meine nach dem tötlichen Vorfall mit Adam "Bomb" Roberts. Mein Literaturgedächtnis ist aber bekanntlich nicht das Beste. Das war einer der ersten Male das ich zu dem Thema eine ausführlichere Stellung gelesen habe.

Das Thema mit dem "guten Foto" ist immer schwer. Auch ich hab manchmal das Gefühl, dass man sich gerne eine Nummer mehr wagt, wenn die Kamera zuschaut als wenn man eine "unbeobachtete" Genusslinie fährt. Wobei ich auch selber sagen muss, ich möchte da ungern jemand reinreden. Aus meiner Sicht sagt der Fotomensch, dass es in dem Hang ein gutes Bild geben kann, der Rider hat zu enscheiden ob und wie er es fahren möchte. Das solche Aktionen gerne mal in einem Harakiri enden, sieht man jährlich am KOD in San Martino. Was dort die letzten Jahre getrieben wurde finde ich persönlich eher erschreckend. Auch aus persönlicher Erfahrung. Vor 2 Jahren waren die Bedingungen so mies vor Ort, das ich mir an den Tagen eine zweistellige Anzahl von Core-Shots in Ski geballert hab - bei gemäßigter Fahrweise. Was dennoch gefahren wurde und wie, fand ich im Nachinein hirnrissig und extrem erschreckend. Aber das ist eine andere Diskussion.

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dicky 10.04.2018 | 13:05 Uhr

Ach mist ja, ich meine GG nich JH. JH hat das aber vor einiger Zeit auch schonmal angesprochen, ich meine nach dem tötlichen Vorfall mit Adam "Bomb" Roberts. Mein Literaturgedächtnis ist aber bekanntlich nicht das Beste. Das war einer der ersten Male das ich zu dem Thema eine ausführlichere Stellung gelesen habe.

Das Thema mit dem "guten Foto" ist immer schwer. Auch ich hab manchmal das Gefühl, dass man sich gerne eine Nummer mehr wagt, wenn die Kamera zuschaut als wenn man eine "unbeobachtete" Genusslinie fährt. Wobei ich auch selber sagen muss, ich möchte da ungern jemand reinreden. Aus meiner Sicht sagt der Fotomensch, dass es in dem Hang ein gutes Bild geben kann, der Rider hat zu enscheiden ob und wie er es fahren möchte. Das solche Aktionen gerne mal in einem Harakiri enden, sieht man jährlich am KOD in San Martino. Was dort die letzten Jahre getrieben wurde finde ich persönlich eher erschreckend. Auch aus persönlicher Erfahrung. Vor 2 Jahren waren die Bedingungen so mies vor Ort, das ich mir an den Tagen eine zweistellige Anzahl von Core-Shots in Ski geballert hab - bei gemäßigter Fahrweise. Was dennoch gefahren wurde und wie, fand ich im Nachinein hirnrissig und extrem erschreckend. Aber das ist eine andere Diskussion.

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lea_pg 09.04.2018 | 08:37 Uhr

dicky: Ich glaube du meinst Grant Gunderson, nicht Hummel. In dem Fall geht die Diskussion auf FB und anderen Kanälen in Richtung "Kodak Courage" und was man nicht alles für ein gutes Foto tut. Die Beziehung Fotograf/Rider ist bezüglich Lawinen und deren Vermeidung uU auch eine ziemlich spezielle. Adam Ü, früher viel mit GG unterwegs, hat sich hier vor einer Weile allgemein zu diesem Thema geäußert https://backcountryaccess.com/creating-art-avalanche-terrain-adam-u/ Und in diesem IG Post von Adam zum Vorfall von GG wird unter anderem die Diskussion "Notfallplan bei Shooting" detaillierter ausgeführt, als GG das auf FB getan hat: https://www.instagram.com/p/BhML4J9jH5U/?taken-by=adamcu280

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baroncznary 08.04.2018 | 10:53 Uhr

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diese harsche Kritik nicht nachvollziehen kann, denn es ist klar, dass sich xavier jenseits von munter bewegt. Und ich muss sagen, dass ich auch im Grenzbereich oder kurz dahinter ;) immer gucke wie groß es abgehen kann, was ist unter mir, was für ein Terrain ist es etc. etc.
Dass das für einsteiger schwierig auseinanderzuhalten ist, ist klar. Genau wie die skicut methode als Sicherheit etc. Anfänger sind da sicher mit Risikomangement besser beraten. Als ergänzung finde ich das Video aber gut.

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dicky 06.04.2018 | 08:21 Uhr

Zum Thema Safe-Spots...

An sich finde ich das Video nicht blöd, nur das beim Aufbau Lawinenwissen mit dem Dach angefangen wird. Die Methode einer Risikominimierung bei der Befahrung ist der erste Schritt. In den letzten Jahren hab ich jedoch feststellen müssen, dass es etlichen Bekannten schon passiert ist, in einem Schneebrett zu stehen mich nicht ausgeschlossen. Sei es auf Grund falscher Einschätzung oder einfach nur Pech. Kleine externe Faktoren die nachher zum Unfall führen.

Seither gehe ich eigentlich bei meinen Aktionen immer in zwei Schritten vor. Hang beurteilen und mich für oder gegen eine Befahrung entscheiden. Bei einer Befahrung denke ich aber fast immer über ein "what-if"-Szenario nach. Wo wäre eine Exit-Option? Wo sind gute Meetingspots? Vor allem wenn es die Zeit zulässt und ich den Hang nicht kenne.

Das Verhalten wie im Video beschrieben ist die letzten Jahre gefühlt auch bei den Amis präsenter geworden. Irgendwo gibt es auf RedBull-TV ein Video von Travis Rice der eben genau mit ähnlichen Erwatungen in ein Hang einfährt "This pocket may slab" und das Ding kommt natürlich. Einer der letzten die das Thema direkt und akut ansprechen, war Jason Hummel nach einem zum Glück unfallfreien Vorfall. (vor 1-2 Tagen auf Facebook/Instagramm)

Das Prinzip "what if" finde ich an sich wichtiger als es in den meisten Büchern etc. dargestellt wird. In vielen Lawinenkursen lernt man die Beurteilung etc., für den Ernstfall ist man dann aber meist schlechter vorbereitet als gedacht. Jeder ist sich bewusst, dass es kein 0% Risiko gibt nur wie man darauf reagiert ist IMHO zu wenig behandelt.

Dass das Video das Verhalten korrekt und sinnvoll darstellt, möchte ich hiermit nicht positiv darstellen.

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dicky 06.04.2018 | 08:21 Uhr

Zum Thema Safe-Spots...

An sich finde ich das Video nicht blöd, nur das beim Aufbau Lawinenwissen mit dem Dach angefangen wird. Die Methode einer Risikominimierung bei der Befahrung ist der erste Schritt. In den letzten Jahren hab ich jedoch feststellen müssen, dass es etlichen Bekannten schon passiert ist, in einem Schneebrett zu stehen mich nicht ausgeschlossen. Sei es auf Grund falscher Einschätzung oder einfach nur Pech. Kleine externe Faktoren die nachher zum Unfall führen.

Seither gehe ich eigentlich bei meinen Aktionen immer in zwei Schritten vor. Hang beurteilen und mich für oder gegen eine Befahrung entscheiden. Bei einer Befahrung denke ich aber fast immer über ein "what-if"-Szenario nach. Wo wäre eine Exit-Option? Wo sind gute Meetingspots? Vor allem wenn es die Zeit zulässt und ich den Hang nicht kenne.

Das Verhalten wie im Video beschrieben ist die letzten Jahre gefühlt auch bei den Amis präsenter geworden. Irgendwo gibt es auf RedBull-TV ein Video von Travis Rice der eben genau mit ähnlichen Erwatungen in ein Hang einfährt "This pocket may slab" und das Ding kommt natürlich. Einer der letzten die das Thema direkt und akut ansprechen, war Jason Hummel nach einem zum Glück unfallfreien Vorfall. (vor 1-2 Tagen auf Facebook/Instagramm)

Das Prinzip "what if" finde ich an sich wichtiger als es in den meisten Büchern etc. dargestellt wird. In vielen Lawinenkursen lernt man die Beurteilung etc., für den Ernstfall ist man dann aber meist schlechter vorbereitet als gedacht. Jeder ist sich bewusst, dass es kein 0% Risiko gibt nur wie man darauf reagiert ist IMHO zu wenig behandelt.

Dass das Video das Verhalten korrekt und sinnvoll darstellt, möchte ich hiermit nicht positiv darstellen.

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