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WetterBlog 10 2017/18 | Friederike löst Borchert ab

Stürmische Zeiten

17.01.2018

Das vergangene Wochenende bis inklusive Montag war alpenweit von Sonne und Hochnebel geprägt. Wir zählen den Montag zum Wochenende, weil der WetterBlog vermutet, dass sich diesmal so mancher am Montag “Endlich passen die Bedingungen für die steile Tour, die ich immer schon mal machen wollte”-Frei genommen hat. Und überhaupt wohnt doch jedem Wochenanfang auch das vorangegangene Wochenende inne.

500hPa Geopotential, Nordhemisphärenansicht, vom vergangenen Sonntag. Tief Borchert über Mitteleuropa. NO Strömung im Süden. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential, Nordhemisphärenansicht, vom vergangenen Sonntag. Tief Borchert über Mitteleuropa. NO Strömung im Süden.

Das vergangene Wochenende bis inklusive Montag war alpenweit von Sonne und Hochnebel geprägt. Wir zählen den Montag zum Wochenende, weil der WetterBlog vermutet, dass sich diesmal so mancher am Montag “Endlich passen die Bedingungen für die steile Tour, die ich immer schon mal machen wollte”-Frei genommen hat. Und überhaupt wohnt doch jedem Wochenanfang auch das vorangegangene Wochenende inne.

Aktuelle Lage

Verantwortlich für die sonnigen Tage und die klassische oben blau, unten grau Situation in vielen Tallagen war Tief Borchert. Erwähnenswert an Borchert war neben dem idealen Skitourenwetter noch der spannende Nord-Süd Gegensatz, der sich um Borchert herum eingestellt hat. Borchert war das High einer sogenannten High-over-Low Lage, bei der sich ein Hoch nördlich von einem Tief ansiedelt. Da sich das Hoch bekanntermaßen im Uhrzeigersinn dreht, stellt sich an der Südflanke des Hochs eine östliche Strömung ein, die im Fall von Borchert kalte Luft aus dem Osten angezapft und in den Mittelmeerraum transportiert hat. Vor allem in Südosteuropa war es dadurch ungewöhnlich kalt. Ungewöhnlich warm war es dafür im hohen Norden: Borchert hat in Kooperation mit atlantischen Tiefs warme Luft bis weit nach Norden geschaufelt. In Spitzbergen lagen die Temperaturen am vergangenen Wochenende knapp über Null Grad und es regnete kräftig.

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500hPa Geopotenial und Bodendruck, Mittwoch 17.1. Ein Tief mit Kern bei Island schickt eine Störung nach der anderen. add_circle
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500hPa Geopotenial und Bodendruck, Mittwoch 17.1. Ein Tief mit Kern bei Island schickt eine Störung nach der anderen.

In der Nacht auf Dienstag ist Borchert endgültig nach Osten abgewandert und hat damit den Weg frei gemacht für Friederike, eines jener atlantischen Tiefs. Friederikes Zentrum liegt in der Nähe von Island und zunächst brachte sie dem Alpenraum gestern noch Regen bis in relativ hohe Lagen. Inzwischen hat sich das Ganze aber etwas verlagert und Friederike bläst nicht mehr so sehr aus Westen, sondern eher aus nördlichen Richtungen, so dass die Schneefallgrenze schön weit unten ist.

Die Lawinensituation ist durch die beachtlichen Neuschneemengen in Kombination mit Wind und von Borchert produziertem Oberflächenreif, der nun überschneit wurde, denkbar angespannt. Eine ausführliche, anschauliche Erklärung zur Problematik des überschneiten Reifs gibt es auf dem Blog des Tiroler Lawinenwarndienstes.

Aussichten

Der Jetstream ist direkt über uns positioniert und bleibt dort auch in den nächsten Tagen, was uns weiterhin stürmisches Wetter beschert. Morgen erreicht eine Warmfront die Alpen und es wird kurzzeitig etwas wärmer. Der Niederschlag geht vor allem in den Nordstaulagen weiter, dazu wird sich das Orakel noch äußern. Es wird nicht nur nass, sondern auch nochmal windiger als heute, mit entsprechenden, meist orangen Wetterwarnungen im gesamten Alpenraum und auch Teilen des deutschen Flachlands, was direkter in der Zugbahn des vermutlich knapp am Orkan-Status vorbeischrammenden Tiefs liegt. Am Freitag folgt die nächste Kaltfront mit erneuter Abkühlung und erneutem Schneefall.

Hoch Borchert dominierte das vergangene Wochenende add_circle
LH
Hoch Borchert dominierte das vergangene Wochenende

Mittelfrist

Die Entwicklung am Wochenende und darüber hinaus ist unsicher. Denkbar wäre, dass einer unserer Tiefausläufer ins Mittelmeer rutscht, was, sollte das so wie von manchen Modellläufen gesehen eintreten, dem Alpensüdhang Niederschlagsnachschub bringen würde. Interessant wäre eine solche Lage potentiell auch für den Alpenostrand. Man darf gespannt sein!

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