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WetterBlog 12 2017/18 | Januar Rückblick

Warm und trotzdem schneereich

31.01.2018

Wer in den Bergen wohnt, wird sich derzeit wohl kaum über mangelndes Winterfeeling beklagen – die höher gelegenen Ortschaften sind tief verschneit und die enormen Schneefälle der letzten Wochen mit samt den daraus resultierenden Straßensperren und Lawinenschäden sind noch sehr präsent. Da der Januar aber sehr mild verlaufen ist, zeigt sich im Flachland ein ganz anderes Bild.

Temperaturanomalie im Januar in Österreich add_circle
ZAMG
Temperaturanomalie im Januar in Österreich

Wer in den Bergen wohnt, wird sich derzeit wohl kaum über mangelndes Winterfeeling beklagen – die höher gelegenen Ortschaften sind tief verschneit und die enormen Schneefälle der letzten Wochen mit samt den daraus resultierenden Straßensperren und Lawinenschäden sind noch sehr präsent. Da der Januar aber sehr mild verlaufen ist, zeigt sich im Flachland ein ganz anderes Bild.

In tieferen Lagen gibt es statt Schneemassen grüne Wiesen und Sorge um Pflanzen, die fälschlicherweise denken, es sei schon Frühling und zu früh austreiben. Der Januar 2018 war in Deutschland 3.4 °C wärmer als im Mittel der Referenzperiode 1981-2010 (und 4.3°C wärmer als das Mittel der Periode 1961-1990) und ist damit der sechstwärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Mit 168% der durchschnittlichen Niederschlagsmengen war es zudem ein sehr nasser Monat. Besonders im Südwesten Deutschlands gab es außerordentlich viel Niederschlag, der in den Mittelgebirgen und den Alpen oft als Schnee fiel. Im Südschwarzwald wurden an manchen Stationen mehr als 500mm Monatsniederschlag erfasst. Zum Vergleich: im relativ trockenen, inneralpinen Ötztal liegt der Jahresniederschlag bei etwa 800mm.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Österreich: hier misst man die Temperaturen seit 1796 und es gab erst zwei Januare, die wärmer waren als der Januar 2018, der 3.8°C über dem Mittel von 1981-2010 lag. Auch die Zahl der Frosttage war in vielen Regionen Österreichs im Januar noch nie so niedrig, zumindest seit man dies aufzeichnet. Ähnlich wie in Deutschland gab es in Österreich um die 70% mehr Niederschlag als im Durchschnitt. In tiefen Lagen fiel dieser großteils als Regen, in hohen Lagen bekanntermaßen als Schnee (mit gelegentlichen Regenevents, die das Skivergnügen kurzzeitig trübten). Die Neuschnee- und Schneetage (Tage mit Neuschnee und solche mit vorhandener Schneedecke) lagen entsprechend in höheren Lagen zwischen 50 und 100% über dem Mittel (in Tirol zum Teil noch mehr), in tiefen Lagen dafür 50 bis 100% darunter.

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Verlauf der Januartemperaturen in der Schweiz add_circle
MeteoSchweiz
Verlauf der Januartemperaturen in der Schweiz

In der Schweiz war der Januar wenig überraschenderweise ebenfalls sehr mild und sehr niederschlagsreich. Die MeteoSchweiz erwartet den wärmsten Januar seit Messbeginn 1864. Besonders in der Westschweiz war es teilweise extrem mild, so wurde etwa in Genf eine Monatsmitteltemperatur von 6.2°C verzeichnet. Ähnlich wie in Österreich waren die Temperaturen an den hohen Messtationen in der Schweiz zwar überdurchschnittlich, aber nicht so extrem warm wie in den Tälern. Während es Anfang Januar aus Süden schneite (südliches Wallis und Simplongebiet), folgten in der zweiten Januarhälfte die bereits mehrfach hier und im PowderAlarm erwähnten Starkschneefälle aus West bis Nordwest.

Auf die intensive Schneefallperiode (im Flachland: Regen) zwischen 16. und 22. Januar folgte in den gesamten Nordalpen sehr mildes Tauwetter, was zu Schneeschmelze und teils zu Hochwasser führte. Besonders betroffen war und ist der Großraum Paris, wo die Seine über die Ufer getreten ist. 1500 Personen mussten ihre Häuser verlassen, teilweise gibt es keinen Strom und der öffentliche Verkehr ist stark behindert, unter anderem auch im Zentrum von Paris, wo diverse Metro Bahnhöhe gesperrt sind.

Zu erwähnen ist außerdem die sehr frühe Pollenblüte auf Grund der milden Temperaturen. In der Schweiz sind die Haselsträucher gebietsweise bis zu einem Monat zu früh dran.

500hPa Geopotential und Bodendruck für Do., 1.2. Azorenhoch wölbt sich auf, Tiefausläufer mit Kaltfront dringt nach Süden vor. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck für Do., 1.2. Azorenhoch wölbt sich auf, Tiefausläufer mit Kaltfront dringt nach Süden vor.

Grund für die milden Temperaturen in Kombination mit viel Niederschlag waren die anhaltenden Westwetterlagen, die – mal aus Südwest, mal aus Nordwest – relativ warme, sehr feuchte Luftmassen vom Atlantik gegen die Alpen steuerten. Auch der schneereiche Katastrophenwinter 1999 war eher mild und von Westwetter mit Regen bis in hohe Lagen geprägt. Für „Flachlandwinter“ braucht es deutlich tiefere Temperaturen, die in der Regel nur mit Hilfe der kontinentalen Kälte im Osten zu erreichen sind, wie sie beispielsweise von winterlichen Kältehochs angezapft werden kann. Nachhaltig Schnee bis in tiefe Lagen gibt es tendenziell vor allem bei reinen Nordlagen, wo die herantransportierten Luftmassen nicht den warmen Atlantik passieren, sondern nur das kühle Nordmeer.

Aussichten

Der Hochdruckeinfluss der letzten Tage bleibt am heutigen Mittwoch noch vorherrschend, schwächt sich aber langsam ab und etwas kältere Luft erreich den Alpenraum. Am Donnerstag naht eine Kaltfront von Westen, die im Norden und Westen Schnee bis in die Täler bringen sollte. Derzeit sieht es so aus, als gäbe es dazu noch ein kleines Mittelmeertief für den Südosten (Grenzgebiet Ö/Slo, Karawanken, Karnische Alpen) mit einer unter Umständen beachtlichen Ladung Neuschnee in der Nacht auf Freitag, wobei sowas in der Ecke notorisch unsicher ist. Zum Wochenende tendenziell Wetterberuhigung bei deutlich kühleren Temperaturen als zuletzt.

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