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WetterBlog 15 2017/18 | Der Winter ist noch nicht vorbei

Hat zwar niemand behauptet, aber wir weisen sicherheitshalber trotzdem drauf hin.

21.02.2018

Während es in den Nordalpen dieser Tage nur ein bisschen vor sich hin flöckelt, ist die Lage weit im Südosten spannender, wenn auch sehr unsicher. Nächste Woche zeichnet sich recht flächendeckend eine Phase mit überaus winterlichen Temperaturen ab.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 21. 2. Mittelmeertief sorgt für Spannung im Südosten. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 21. 2. Mittelmeertief sorgt für Spannung im Südosten.

Während es in den Nordalpen dieser Tage nur ein bisschen vor sich hin flöckelt, ist die Lage weit im Südosten spannender, wenn auch sehr unsicher. Nächste Woche zeichnet sich recht flächendeckend eine Phase mit überaus winterlichen Temperaturen ab.

Der WetterBlog und der PowderAlarm haben als skifahrende mehr-oder-weniger Alpenbewohner einen gewissen, wettertechnischen Bias zur Berichterstattung über Schnee vor allem im skifahrerisch “zentralen” Alpenraum, der sich in etwa vom Mont Blanc bis zu den Tauern erstreckt. Alles westlich, östlich und südlich dieser Achse ist schon ziemlich exotisch, maximal der Piemont ist noch mehr oder weniger als gelegentlicher, „exotischer“ Powderhotspot etabliert.

Schnee im Südosten?

Es gibt dennoch auch noch andere Ecken, in denen es ab und zu schneit und die sogar über ein paar Berge verfügen. Aktuell ist die Entwicklung im, aus Tiroler Sicht, fernen Osten spannend. In erster Linie, weil Wetterlage und Modellläufe viel Spielraum lassen für winterliche Wunschträume, die sich mit jedem Lauf ändern. Wie so oft bei Mittelmeertiefs können kleine Änderungen in der Zugbahn vergleichsweise große Änderungen bewirken und so schwanken die Vorhersagen derzeit alle paar Stunden zwischen Neuschneemengen bis Freitag von nichts bis 60cm beispielsweise in Wiener Neustadt (wir tippen: mehr als nichts aber wesentlich weniger als 60cm). Vielleicht wird die Bucklige Welt, auch bekannt als „Land der 1000 Hügel“, die nächste In-Destination für exotischen Powder? Der WetterBlog träumt schon von künstlerischen Fotostories in Skimagazinen, mit viel Lifestyle und Schwarz-Weiß Bildern.

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500hPa Geopotential und Bodendruck, Samstag 24.2. Blockierendes Hoch etabliert sich, aus Osten kann kalte Luft einfließen. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Samstag 24.2. Blockierendes Hoch etabliert sich, aus Osten kann kalte Luft einfließen.

Noch weiter im Süden und Osten stehen ordentliche Neuschneemengen für die nächsten Tage auf wesentlich weniger wackligen Beinen. Ob das vorwiegend auf dem Balkan (dem echten Balkan, nicht dem Teil von Österreich, den Tiroler gern als westlichen Balkan bezeichnen) bleibt, oder ins Einzugsgebiet des PowderGuide Orakels (Alpen) vordringt, wird sich zeigen. Am besten stehen die Chancen für Slowenien und die Südsteiermark (eher bekannt für Wein Trinken als für Skifahren), wobei zuletzt auch für Kärnten etwas Schnee in den Läufen zu sehen war.

Kälte dank Polarwirbel

Mindestens ebenso interessant ist aus wettertechnischer Sicht die kommende Woche, für die der grobe Fahrplan im Grunde schon steht, erstaunlicherweise und ganz im Gegensatz zu dem für den Schnee der nächsten Tage. Dass sich der Polarwirbelsplit mit einer typischen Blockinglage früher oder später bemerkbar machen würde, war im Ansatz schon letzte Woche zu sehen. Das Ganze wird nun konkreter: Eine schwache Hochdruckbrücke zwischen Alaska und den Britischen Inseln zerschneidet den Polarwirbel in zwei Teilbereiche. Diese zwei Tiefdruckkomplexe bewirken auf Grund der Drehrichtung an ihren Ostflanken massive Warmluftzufuhr aus subtropischen Breiten in die polaren Gefilde – das passiert zum einen über Alaska, wo es zur Zeit ungewöhnlich warm ist, zum anderen eben vor der Europäischen Atlanktikküste bis weit hinauf ins Nordmeer. Das wiederum blockiert die sonst vorherrschende Westdrift und die kontinentale Kälte im Osten hat freie Bahn nach Mitteleuropa.

 

500hPa Geopotential und Bodendruck, Montag 26.2. Nordhemisphärenansicht. Polarwirbelsplit und lang gestrecktes, blockierendes Hoch. Kaltluft aus Osten fließt ein. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Montag 26.2. Nordhemisphärenansicht. Polarwirbelsplit und lang gestrecktes, blockierendes Hoch. Kaltluft aus Osten fließt ein.

Spannend wird es immer dann, wenn zwei unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinander treffen, beispielsweise kontinentale Kaltluft und warme, feuchte Mittelmeerluft. Greift die Kaltluft auf den gesamten Alpenraum über, gibt es eher trocken-kalte Verhältnisse. Bleibt sie etwas weiter nördlich, könnte sich je nach genauer Lage der Luftmassengrenze eine hinsichtlich Schnee lohnende, wechselhaftere Grenzwetterlage ergeben. Aber da hört die seriöse Zukunftsmusik dann wie gewohnt auf und es bleiben vorerst wieder nur die Wunschträume und ein zumindest ziemlich gesicherter Flachlandwinter, im Sinne von Kälte auch in tiefen Lagen.

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