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News

Ortovox-Neuheiten: Die LVS-Geräte Focus Voice und Focus Pro

Mehr Reichweite, großes Display und weiterhin eine Stimme im Ohr

16.09.2026
Teja Stüwe
Mit Focus Voice und Focus Pro startet Ortovox in die nächste LVS-Generation. Mehr Reichweite, ein deutlich größeres Display und die weiterentwickelte Sprachnavigation sollen die Suche schneller und intuitiver machen. Während das Focus Voice auf einfache Bedienung setzt, bringt das Focus Pro zusätzliche Werkzeuge für Profis mit.

Die Geschichte von Ortovox ist eng mit der Entwicklung des LVS-Geräts verbunden. 1980 brachte das Unternehmen mit dem F2 ein Gerät auf den Markt, das auf beiden damals verwendeten Frequenzen senden und empfangen konnte. 1994 folgte mit dem F1 Focus und seiner optischen Suchhilfe der nächste große Schritt. Seitdem hat sich nicht nur bei Ortovox einiges getan. Aus einfachen Ein-Antennen-Geräten wurden digitale Drei-Antennen-Geräte, Reichweite und Signalverarbeitung verbesserten sich und die Bedienung rückte immer stärker in den Mittelpunkt. Denn am Ende hilft die beste Technik wenig, wenn sie unter Zeitdruck, Stress und mit kalten Fingern nicht intuitiv funktioniert.

Die Sprachnavigation

Einen eher ungewöhnlichen Weg schlug Ortovox 2021 mit dem Diract Voice ein. Erstmals führte ein LVS-Gerät Suchende zusätzlich mit gesprochenen Anweisungen durch die Kameradenrettung. Was für manche zunächst nach einer eher nervigen Zusatzfunktion klingt, hat durchaus einen wissenschaftlichen Hintergrund: Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass automatisierte Sprachanweisungen während der LVS-Suche den mentalen Stress reduzieren und zu kürzeren Suchzeiten beitragen können. Auch Ortovox verweist bei den neuen Geräten auf diese Ergebnisse.

Wer sich lieber auf Display und Signaltöne verlässt, kann die Sprachnavigation abschalten. Damit bleibt das Focus Voice auch für Anwender:innen interessant, die klassisch suchen möchten, oder sich von einer zusätzlichen Stimme irritiert fühlen.

Reichweite und die Smart-Antenna-Technologie

Eine der wichtigsten Neuerungen des Focus ist die deutlich größere Suchstreifenbreite. Ortovox gibt für Focus Voice und Focus Pro 80 Meter an – beim Diract Voice waren es noch maximal 50 Meter. Wird nach einem Ortovox-LVS mit Smart-Antenna-Technologie gesucht, sollen sogar bis zu 90 Meter möglich sein.

Die Smart-Antenna-Technologie selbst betrifft allerdings nicht die Suchleistung, sondern das Senden – und damit die Frage, wie gut man im Fall einer Verschüttung gefunden wird. Je nach Lage des Geräts wird automatisch die günstigere Sendeantenne gewählt. Vor allem bei einer ungünstigen Koppellage soll das Signal dadurch früher empfangen werden können.

Ganz neu ist die Technik nicht. Ortovox setzte die Smart Antenna bereits beim älteren 3+ und später auch beim Diract und Diract Voice ein. Mit der Focus-Serie trifft sie nun auf eine deutlich größere Suchstreifenbreite.

Ortovox Focus Voice

Beim Focus Voice steht weiterhin eine möglichst einfache Bedienung im Vordergrund. Die Sprachnavigation gibt während der Suche klare Anweisungen und soll gerade dann helfen, wenn Stress und Zeitdruck dafür sorgen, dass die Abläufe aus dem letzten LVS-Training plötzlich weniger präsent sind als erhofft.

Neu ist auch das große Memory-in-Pixel-Display. Ortovox bezeichnet es als derzeit größtes MIP-Display im LVS-Bereich. Die Anzeige soll auch bei direkter Sonneneinstrahlung sowie mit polarisierter Brille gut lesbar bleiben. Die dargestellten Informationen verändern sich abhängig von der jeweiligen Suchphase, sodass nicht permanent alles gleichzeitig auf dem Display landet.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit elektronischen Störungen. Smartphones oder GPS-Uhren können die Leistung eines LVS beeinflussen, ein Problem, das angesichts der zunehmenden Elektronik am Körper eher größer als kleiner wird. Das Focus erkennt laut Ortovox entsprechende Störungen, warnt davor und kann im Sendemodus die Sendeleistung beziehungsweise im Suchmodus die Suchstreifenbreite entsprechend anpassen. Auch sogenannte Geistersignale sollen dadurch vermieden werden.

Ortovox Focus Pro

Spannender wird die Unterscheidung beim Focus Pro. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass es sich einfach um die bessere beziehungsweise umfangreichere Version des Focus Voice handelt. Ortovox richtet das Pro ausdrücklich an Bergführer:innen und Bergretter:innen. Die zusätzlichen Funktionen sind vor allem für komplexe Suchsituationen gedacht und setzen voraus, dass man weiß, wie man sie sinnvoll einsetzt. Vielleicht ist die Bezeichnung „Pro“ hier sogar etwas irreführend, schließlich ist die Grenze zwischen ambitioniertem Hobbysportler und selbsternanntem „Pro“ manchmal erstaunlich schnell überschritten.

Bei Mehrfachverschüttungen zeigt das Focus Pro beispielsweise permanent die Entfernung zu den vier nächstgelegenen Sendern. Über eine Scrolling-Funktion können diese einzeln ausgewählt werden. Außerdem lässt sich die Suchstreifenbreite manuell auf 20 oder sogar drei Meter reduzieren. Das kann dabei helfen, nahe beieinanderliegende Signale zu isolieren oder Störungen einzugrenzen.

Hinzu kommt eine analoge Tonausgabe. Das Gerät kombiniert dabei die digitale Anzeige mit dem analogen Suchton. Erfahrene Anwender:innen können so Signalüberlagerungen und Störquellen zusätzlich akustisch beurteilen.

Erste Eindrücke aus der Praxis

Wir konnten das Focus Voice bereits ausprobieren und etwas genauer unter die Lupe nehmen. An einem sonnigen Tag im Rofan durfte das Gerät zeigen, was es kann: suchen, senden, Gruppencheck, Reichweite, ausgraben, wieder vergraben und mit anderen Geräten vergleichen. Sogar eine blinde Suche nur mithilfe der Sprachnavigation stand auf dem Programm.

Stimme: hilfreich statt nervig

Meine anfängliche Skepsis gegenüber der Sprachnavigation hat sich dabei relativ schnell gelegt. Die Ansagen sind kurz und eindeutig und das Gerät redet deutlich weniger, als man angesichts des Namens vielleicht erwarten würde. Diesbezüglich gab es seit dem Diract Voice wohl auch einiges an Verbesserung. Vor allem bei der ersten Suche empfand ich die Stimme eher als zusätzliche Orientierung denn als Ablenkung. Ob man sie als erfahrener Anwender braucht, ist eine andere Frage – störend war sie für mich jedenfalls nicht.

Großes Display, flaches Gehäuse

Von der Handhabung her hat mir vor allem das große Display gut gefallen. Das Focus Voice gehört zwar nicht zu den kleinsten LVS-Geräten, ist dafür aber vergleichsweise flach gebaut. Gerade beim Tragen in der Hosentasche empfand ich das als angenehm, da das Gerät trotz seiner Größe sich nicht wie ein Ziegelstein in der Hosentasche anfühlt.

Intuitive Bedienung

Auch die Bedienung ist übersichtlich gehalten. Das Umschalten vom Sende- in den Suchmodus funktioniert intuitiv und eindeutig, ebenso der Gruppencheck. Die wichtigsten Funktionen sind schnell erreichbar und lassen sich auch unter Zeitdruck kaum verfehlen.

Stark, auch bei ungünstiger Koppellage

Besonders interessant waren für uns die Reichweite und die Smart-Antenna-Technologie. In einem Vergleichstest haben wir das Focus Voice und ein anderes aktuelles LVS-Gerät in optimaler sowie denkbar ungünstiger Koppellage – mit senkrecht zueinander stehenden Antennen – getestet. In optimaler Ausrichtung lagen beide bei der Reichweite ähnlich. In schlechter Koppellage sank die Reichweite des Vergleichsgeräts dagegen auf etwa die Hälfte, während das Focus Voice annähernd den gleichen Wert erreichte. Denn bei aller Freude über eine große Suchreichweite ist es mindestens genauso beruhigend zu wissen, im Ernstfall selbst möglichst schnell gefunden zu werden.

Fazit

Mit Focus Voice und Focus Pro erfindet Ortovox das LVS nicht komplett neu. Stattdessen werden die auffälligsten Eigenschaften des Diract Voice weiterentwickelt und an einer entscheidenden Stelle nachgebessert: der Reichweite.

80 Meter Suchstreifenbreite, ein deutlich größeres Display und ein automatisches Störungsmanagement bringen das Focus Voice technisch näher an die aktuellen Spitzengeräte heran. Die Sprachnavigation bleibt dabei das Merkmal, mit dem sich Ortovox am deutlichsten von der Konkurrenz unterscheidet.

Interessant ist auch die klare Trennung zwischen Voice und Pro. Statt einfach mehr Funktionen in ein Topmodell zu packen, bleiben die zusätzlichen Werkzeuge Anwender:innen vorbehalten, die damit auch tatsächlich etwas anfangen können. Für die meisten Tourengeher:innen dürfte daher gerade das Focus Voice das interessantere Gerät sein.

Technische Daten

  • Drei Antennen Technologie

  • Gewicht: 185 Gramm.

  • Integrierten Lithium-Ionen-Akku, USB-C

  • Bluetooth zur Verbindung mit der Ortovox-App

  • Gruppencheck und eine automatische Nachlawinen-Umschaltung

  • Abmessungen liegen bei 12 × 7 × 2,3 cm.

  • Ab September 2026 erhältlich

  • Focus Voice 380€/ Focus Pro 480€

Die Menschen hinter dem Artikel

  • Geschrieben von

    Teja Stüwe

    Teja ist eine leidenschaftliche Berg-Sportlerin, die jede freie Minute nutzt, um den Spielplatz rund um Innsbruck zu erkunden. Neben ihren sportlichen Abenteuern arbeitet sie an ihrem PhD in physikalischer Chemie, wo sie mit ebenso viel Begeisterung die Forschung voran treibt.

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