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Abenteuer & Reisen

Denali-Expedition | 40 Tage Proviant und kein Wetter auf Bestellung

Materialmanagement bis Wettervorhersage: Ein Blick hinter die Kulissen

28.10.2026
Regina Grill Totti Lingotti
Ausrüstung planen, Vorräte kalkulieren, das passende Wetterfenster finden: Lange vor dem ersten Schritt am Berg gibt es einiges zu tun. Vor der kommenden Denali-Folge von Tobias Renggli werfen wir einen Blick auf die Planung hinter dem Abenteuer und darauf, warum Sonnenschein allein noch keinen guten Gipfeltag macht.

35 Länder, 35 Gipfel

Im letzten Artikel haben wir euch Tobi´s bisher größte Reise vorgestellt: Seit April 2026 ist der Schweizer von Alaska bis Patagonien unterwegs. Sein Ziel: alle 35 Länder Nord-, Mittel- und Südamerikas bereisen und in jedem den höchsten Berg besteigen. Die Etappen dazwischen verbindet er mit dem Velo, zu Fuß, auf Ski und per Segelboot. Die unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen stellen dabei hohe Anforderungen an Ausrüstung, Planung und Bergpartner.

Das erste große Ziel: der Denali, mit 6.190 Metern der höchste Gipfel Nordamerikas. Mit dabei sind Bergpartner Heli Hofmann und schlussendlich auch Polarexpertin Laetitia Lam, welche recht kurzfristig hinzukam und das Team mit ihrer Erfahrung von arktischen Expeditionen komplettiert. PowderGuide-Meteorologe Sebastian Müller unterstützt mit seinem Kollegen aus der Ferne mit Wetterprognosen.

Eine erfolgreiche Expedition beginnt mit der Planung zu Hause

Wie viel Verpflegung muss mit? Welche Ausrüstung ist unverzichtbar? Und wie viel zeitlicher Spielraum bleibt, wenn das Wetter nicht mitspielt? Auch Verletzungen und Unfälle sind in der Wildnis anders zu beurteilen. Bei einer Expedition greifen viele Entscheidungen ineinander.

Für das Team beginnt die Herausforderung weit vor dem eigentlichen Aufstieg: Statt wie üblich ins Basislager zu fliegen, legen die drei die rund 120 Kilometer aus eigener Kraft zurück. Ihre Ausrüstung transportieren sie auf Pulkas, die sie vor Ort ausleihen. Umso wichtiger ist die Frage, was mit muss und wie es an den Ausgangspunkt gelangt.

Was muss mit, was kann zu Hause bleiben?

Neben der üblichen Bergausrüstung braucht das Team spezielles Expeditionsmaterial. Was wird durch Partner bereit gestellt, was lässt sich ausleihen und was muss gekauft werden? Was kommt von zu Hause mit, was wird vor Ort organisiert? Für den Zustieg verteilt sich die Ausrüstung auf eine Pulka mit zwei Duffelbags pro Person.

Beim Essen wird großzügig geplant: Vorräte für 40 Tage sollen auch längere Schlechtwetterphasen abdecken. Vorgesehen sind rund 7000 Kilokalorien pro Person pro Tag. Um auf die nötigen Kalorien zu kommen, landen neben Trockennahrung unter anderem reichlich Butter, Parmesan, Gummibärchen, Nüsse und neun Kilogramm Schokolade im Gepäck.

Der Plan trifft auf die Realität

Es ist schwierig für das wilde Nordamerika Material, Infos und gutes Kartenmaterial zu bekommen. Das Team musste vor Ort feststellen, dass ihr Kartenmaterial teilweise nicht mit der Realität übereinstimmt. Da wird einem vor Augen geführt, wie sehr wir in den Alpen verwöhnt sind. Tipps von Locals und Rangern helfen, die Route entsprechend der Bedingungen anzupassen. Trotzdem bleibt das Vorankommen schwer kalkulierbar.

Heli bringt es so auf den Punkt: “Man kann nicht alles planen. An manchen Tagen läuft man 20 Kilometer, an anderen zwei. Man sollte mit der Grundeinstellung losgehen, dass die Dinge nicht so verlaufen, wie man sie geplant hat oder gerne hätte. Vor allem, wenn Bush-Wracking an der Tagesordnung steht.”

Auch das Wetter verlangt Flexibilität. Hier vertraut das Team auf Sebastian´s Einschätzungen, die er aus der Ferne liefert. Denn obwohl er auf der anderen Seite der Erdkugel sitzt, stimmen seine Daten auf die Stunde genau. Doch wie macht er das?

Expeditionswetter per Satellit

Welche Wetterentwicklung zeichnet sich ab? Wann könnte sich ein geeignetes Fenster für den weiteren Aufstieg öffnen? Wann sollte sich das Team etwas gedulden und die Zeit im Zelt aussitzen? Solche Fragen begleiten eine Expedition tagtäglich. Die Vorhersage muss dafür am richtigen Ort ankommen und für das Team verständlich und nutzbar sein.

Recht schnell war während der Planung klar, dass die höchste Disziplin der Expeditionsmeteorologie gewünscht wurde. Wegen eh schon zu viel Gepäck und Gewicht sollte auf ‘schweres’ Gerät wie Satellitentelefon und Starlink verzichtet werden, aber trotzdem hochwertige Wetterinformationen mit möglichst wenig Datenvolumen auf die Garmin InReach Geräte geliefert werden.

Dafür entwickelte Sebastian vom PowderGuide-Team seine PowderGrams systematisch weiter. Gemeinsam wurde daran gearbeitet, die Informationen für den Einsatz am Berg und die Übertragung über Satellit aufzubereiten.

Gemeinsam entwickeln, draußen testen

Die Test- und Entwicklungsphase begann auf einem gemeinsamen Trip in den Schweizer Bergen. Anschliessend wurde täglich weiter an den Vorhersagen gearbeitet, bis das Ergebnis den Ansprüchen des Teams entsprach. So wuchs aus der Idee vom Freiburger Treffen Schritt für Schritt die Wetterunterstützung für die anspruschvolle Expedition.

Den Wetterbericht im Gepäck

Während das Team unterwegs ist, nutzt Sebastian im Hintergrund die PowderGrams für seine Wetterprognosen. Diese speziell für Freerider:innen und Skitourengeher:innen entwickelten Wetterdiagramme von PowderGuide bündeln die Vorhersagen zu Temperatur, Wind, Bewölkung und Niederschlag für Berg, Tal und Umgebung.

Wie entwickeln sich Temperatur und Wind? Wann ziehen Wolken auf, wann ist mit Niederschlag zu rechnen? Die gemeinsame Darstellung hilft, Zusammenhänge zu erkennen und mögliche Zeitfenster für die nächsten Etappen einschätzen zu können.

In den Wettermodellen ist der Denali deutlich niedriger als in Wirklichkeit. Die vorhergesagten Werte lassen sich deshalb nicht einfach auf die tatsächlichen Bedingungen am Berg übertragen. Hier kommt Sebastian ins Spiel: Er interpretiert die Prognosen und übermittelt seine Einschätzungen über den Garmin Messenger an das Team.

Sonne allein reicht nicht

Die PowderGrams lassen sich von links nach rechts wie ein Wetterfahrplan lesen. Entscheidend ist, welche Bedingungen zum selben Zeitpunkt zusammenkommen. Weniger Bewölkung klingt zunächst gut, doch was passiert währenddessen mit Wind und Temperatur?

Die Vorhersage für Mitte Mai zeigt genau diesen Zusammenhang: Auf einen Tag mit wechselnder Bewölkung und schwachem Wind folgte die Aussicht auf mehr Sonne, allerdings auch auf deutlich stärkeren Wind. Wer nur nach dem sonnigsten Zeitraum sucht, übersieht damit einen entscheidenden Teil der Bedingungen. Gerade bei großer Kälte verstärkt Wind die Auskühlung, was dem Team auf der Expedition zu schaffen macht. Doch wir wollen jetzt noch nicht zu viel verraten.

Wer tiefer in die Wettermodelle und Sebastian´s Arbeit einsteigen möchte, findet die Hintergründe in seinem Artikel Expeditionsmeteorologie | Denali, Mai 2026. (Spoiler-Alarm: Dort wird auch der Ausgang der Expedition verraten!)

Das Team kommt an ihre Grenzen

Doch was bleibt vom Plan, wenn der Berg die Bedingungen vorgibt? Wenn aus Kilometern mühsame Meter werden und das Wetterfenster nicht zum Zeitplan passt? Am Denali zeigt sich, was Vorbereitung leisten kann und wann das Team neu entscheiden muss.

Wie sehr der Berg die drei an ihre Grenzen bringt, könnt ihr ab dem 30.10.2026 in Tobias Renggli´s neuer Episode auf seinem YouTube-Kanal sehen. Das solltet ihr nicht verpassen!

Ein paar Eindrücke sind schon auf Tobi’s Instagram Account zu sehen!

Fotogalerie

Die Menschen hinter dem Artikel

  • Geschrieben von

    Regina Grill

    Bayerin mit Wahlheimat Davos. Am liebsten auf Tourenski unterwegs, direkt von der Haustür, auf der Suche nach guten Lines und feinem Powder. Als Skitourenleiterin beim Alpenverein macht es mir große Freude meine Bergliebe und Erfahrung mit anderen zu teilen. Hauptsache draußen, gute Entscheidungen treffen und gemeinsam wieder heil nach Hause kommen. Must-have: guter Kaffee!

  • Geschrieben von

    Totti Lingotti

    Als begeisterter Outdoor-Sportler hat Totti Lingott sein Hobby zum Beruf gemacht und schreibt bzw. fotografiert für verschiedene Print- und Online-Magazine. Seit mehreren Jahren ist er ebenso für das Projekt PowderGuide mitverantwortlich, welches als Informationsportal für Freerider und Tourengeher und als Herausgeber von verschiedenen Freeride-Büchern auf dem deutschsprachigen Markt prägend ist.

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