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EventReport | risk'n'fun "Next Level"

Wissen ausbauen, Techniktraining und Powderruns in Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn

24.02.2026
Klara Stang
Die vom Österreichischen Alpenverein geförderten risk’n’fun-Trainings richten sich besonders an junge Freerider:innen. Dank der Förderung profitieren Teilnehmer:innen bis 30 von besonders günstigen Kursbeiträgen. Mitmachen können aber grundsätzlich alle ab 16 Jahren, nach oben gibt es keine Altersgrenze. PowderGuide war dieses Jahr wieder mit dabei und würde sich jederzeit wieder anmelden! Für alle, die noch einsteigen wollen, sind aktuell noch Plätze in zwei Level-1-Kursen verfügbar.

Wie mein Weg zu risk'n'fun begann

Es ist nun knapp sechs Jahre her, dass ich das erste Mal von risk'n'fun gehört habe. Ich war damals frisch nach Innsbruck gezogen und hatte gerade mit dem Freeriden und Touren angefangen. Eine Freundin hat mir von dem Alpenvereins Kurs erzählt und ihre Euphorie hat mich direkt angesteckt. Damals, noch Studentin, waren die 300 Euro viel Geld. Doch gemessen daran, was man sonst für vier Tage Freeriden mit ausgebildeter Bergführer:in, Unterkunft inklusive Halbpension und Skipass bezahlt, war es fast schon ein Schnäppchen. Ich hab also mein Weihnachtsgeld zusammengezählt und mir einen Platz mit Toni reserviert. Toni, die mich später übrigens auch zu PowderGuide gebracht hat (ja, die Frau hatte schon immer den richtigen Riecher und weiß einfach, wo man gute Ideen auftreibt), war genau diese Freundin.

Wir haben damals an Level 1: „Session“ im Kühtai teilgenommen. Der Fokus von Teil 1 liegt auf dem reinen Freeriden: Lernen das Gelände zu lesen, eine Line zu wählen. Den Lawinenbericht verstehen und interpretieren und Übung im Umgang mit der Notfallausrüstung zu gewinnen. Die Erinnerungen sind mir noch so präsent im Gedächtnis, als wäre es erst gestern gewesen. Es wäre nicht untertrieben zu behaupten, dass das den Grundstein für mein Selbstvertrauen im Freeriden gelegt hat. Jetzt bin ich gespannt, wie es in Teil 2: „Next Level“, der den Einstieg ins Tourengehen und eine Erweiterung des Wissensspektrums darstellt, weitergeht.

Tag1:

Ich komme mit dem Zug nach Fieberbrunn. Der Tourismusverband stellt ein kostenloses Taxi bis zur Unterkunft, die vorab gebucht werden kann. Kaum in der Unterkunft, treffen auch schon ein paar der anderen Teilnehmer:innen ein. Wir sind insgesamt zu siebt und eine bunt gemischte Truppe. Was uns alle eint, ist die Freude am Skifahren und die Lust aufs Tourengehen. Unsere Level sind dabei unterschiedlich, von gerade neu im Tourengehen bis hin zu ein paar Jahren Erfahrung. Geleitet wird der Kurs von Bergführer Bernhard und Teamer Stefan, einem Duo, das seinesgleichen sucht. Humor und Witz werden die nächsten Tage unsere ständigen Begleiter sein.

Wir beginnen das Training am Nachmittag mit Theorie und rufen uns das Gelernte aus Teil 1 in Erinnerung. Auch dieses Mal werden die drei Säulen „Wahrnehmen, Beurteilen und Entscheiden“ wieder unsere Leitsätze sein. Außerdem gehen wir gemeinsam unser Equipment durch. Schaufel, Sonde, Pieps, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Kabelbinder, Messer … Gut vorbereitet zu sein bedeutet auch immer etwas mehr Gepäck. Einige von uns sind überrascht, was der Bergführer alles auspackt, aber in den nächsten Tagen wird sich die Nützlichkeit dessen noch beweisen.

Tag 2:

Und dann beginnt auch schon der erste Tag am Berg. Nach einem guten Frühstück und einem Blick in den Wetter- und Lawinenbericht geht es los. Das Liftticket ist bei Level 2 noch enthalten. Ab Level 3 wird dieser Luxus den Teilnehmenden verwehrt. Heute fahren wir mit der Gondel hoch und hoffen, uns einen Überblick über das Gelände zu verschaffen. Leider macht uns die Sicht einen Strich durch die Rechnung und wir können nicht viel sehen. Nach zwei Runs zum Warmwerden verlassen wir die Piste. Gut, dass wir am Vorabend geübt haben, wie man die Ski und Boards an die Rucksäcke schnallt. Die Handgriffe müssen direkt geübt werden, und so beginnen wir unseren ersten Weg abseits der Piste zu Fuß mit den Skiern auf dem Rücken.

Der starke Kontrast zwischen Piste und „Bootpacken” lässt uns die Aufregung spüren. Wir suchen uns einen Weg durch die Zirbenwälder Richtung Wildseeloderhaus. Dabei lernen wir die ersten Lektionen: Wie bewegt man sich sicher mit Ski am Rücken im unwegsamen Gelände? Wann ist es sinnvoll, die Ski an- oder abzuschnallen? Eine erste schöne Abfahrt zum Wildsee belohnt uns alle. Auf dem zugefrorenen und eingeschneiten See geht es weiter mit dem ersten LVS-Training: großer und kleiner Gruppencheck, Szenarienübung und richtiges Sondieren.

Als wir wieder aufbrechen, übernehmen die ersten aus der Gruppe zusammen mit Bernhard die Verantwortung für die Führung. In den kommenden Tagen werden wir im Wechsel die Leitung beim Aufstieg und bei den Abfahrten übernehmen, während Bernhard uns mit Rat zur Seite steht, wann immer wir ihn brauchen. Er ist sozusagen unser „Joker“.

Die folgenden Abfahrten sind aufgrund der schlechten Sicht und der eher dürftigen Schneelage herausfordernd. Trotzdem finden wir unseren Weg nach unten. Als die Sonne am Nachmittag kurz durchbricht, legen wir noch eine erste kleine Skitour ein. Dabei steht die Technik im Vordergrund. Die meisten von uns haben bereits Tourenerfahrung, aber bei der Methode des „Learning by Doing“ schleichen sich immer wieder kleine Fehler ein, die wir nun ausmerzen dürfen. Jede Könnerstufe kann dabei etwas für sich mitnehmen.

Am Ende des Tages kommen wir alle fröstelnd und erschöpft, aber zufrieden in der Unterkunft an. Der Tag war lang, der Input viel, daher halten wir den Abend eher entspannt. Trotzdem legen wir noch eine kleine Lerneinheit ein: Mit etwas Knete veranschaulichen wir Höhenlinien und überlegen uns auf den Karten, wohin wir am nächsten Tag gerne gehen möchten.

Tag 3:

Am zweiten Tag am Berg starten wir bei Sonnenschein. Wir sind alle froh, die nasse Kälte des Vortags hinter uns zu lassen, und tauschen die Sturmhaube gegen einen Sonnenschutz ein. Oben angekommen sehen wir endlich, welche Hänge wir gestern teilweise schon gefahren sind. Wir beginnen mit der Planung unserer Tour für den Tag. Wohin wir wollen, ist schnell klar, doch wie wir dorthin kommen, evaluieren wir mit den neuen Erkenntnissen durch die Sicht noch einmal neu. Wieder übernehmen wir in Zweier- oder Dreierteams nacheinander die Verantwortung der Führung und lotsen uns gezielt zum begehrten Hang.

Die Kombination aus Hard- und Softskills ist das Herz von risk'n'fun. Dazu gehört, zu lernen, wie man mit dem Sicherheitsequipment richtig umgeht, die Aufstiegs- und Abfahrtstechnik zu verbessern und das Wissen über Schnee, Gelände und Verhältnisse zu vertiefen, ebenso wie die Achtsamkeit für die Gruppe zu entwickeln. Wie verändert sich die Dynamik? Wie geht es uns selbst und den anderen? Welche Rolle hat jede und jeder Einzelne von uns?

Ich selbst habe schon erlebt, wie schnell man die eigene mentale Verfassung unterschätzt. Ich fand mich einmal in einer Situation am Berg wieder, die technisch eigentlich kein Problem für mich darstellte, für die ich an diesem Tag mental aber schlichtweg nicht bereit war. Deshalb ist es extrem wichtig, ein Gefühl für die eigene emotionale Verfassung und die der anderen zu entwickeln, um sich sicher in den Bergen bewegen zu können.

Nach einer erfolgreichen Tour und ein paar schönen Schwüngen steht noch das für Risk'n'Fun typische Szenarientraining an. Wir „spielen” einen Lawinenabgang nach und müssen in Kleingruppen nach „Verschütteten” suchen. Wer schon einmal an so einem Training teilgenommen hat, weiß, wie sehr der Adrenalinspiegel dabei in die Höhe schießt – auch ohne dass es sich um eine echte Notsituation handelt.

Im Anschluss reflektieren wir unsere Vorgehensweise und identifizieren klassische Fehler. Der Testdurchlauf zeigt uns noch einmal, dass das richtige Sondieren enorm Zeit hätte sparen können. Bernhard gibt uns einen Tipp mit auf den Weg, den ich mir persönlich zu Herzen nehmen werde: „Fünf Sekunden Durchatmen sparen fünf Minuten in der Rettung.“

Tag 4:

Nach drei eher theorielastigen Tagen ist der vierte Tag dem Powderhunt gewidmet. Wir machen uns früh auf den Weg, denn heute wollen wir möglichst viele Schwünge im Tiefschnee ziehen. Unsere Strategie geht auf. Auf dieser Seite des Berges von Fieberbrunn verirren sich nicht so viele andere, sodass wir den Kessel unserer Wahl fast für uns allein haben. Drei von uns – darunter ich – haben Lust, etwas Steileres zu fahren, und steigen mit Steigeisen zu einer Rinne auf.

Auch wenn ich schon öfter Rinnen gefahren bin, habe ich dennoch Respekt, wenn ich am Einstieg stehe und nicht sehen kann, was genau unter mir ist. Umso besser, dass wir heute Stefan dabei haben, der uns noch ein paar Tipps mitgibt. Bernhard hat uns derweil vom Gegenhang aus im Blick. Neben der Aufregung und der beigemischten Angst fühlt es sich gut an, hier zu stehen, aus der Komfortzone herauszukommen und dennoch Zeit und Raum zu haben, um Fragen zu stellen, gemeinsam zu beurteilen und Entscheidungen zu treffen. Das Training bei risk'n'fun hat mir gezeigt, dass es nicht um Angst oder Mut geht, sondern darum, den eigenen Fähigkeiten, Einschätzungen und Wahrnehmungen zu vertrauen und auf dieser Basis die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Nach dem Run kann mir das Lächeln bis zum Abend nicht mehr aus dem Gesicht gewischt werden. Den beiden anderen, die mit mir oben waren, geht es ähnlich. Mindestens genauso viel Spaß hatte aber auch die andere Gruppe, die in der Zwischenzeit zwei herrliche Tiefschneerunden gedreht hat. Ebenso sonnengeküsst und strahlend treffen wir sie am Talboden wieder.

Den Abend genieĂźen wir in guter Stimmung zusammen. Zwischen Geschichten, Lachen und RĂĽckblicken auf die vergangenen Tage wird spĂĽrbar, wie sehr uns die gemeinsamen Erlebnisse zusammengeschweiĂźt haben. Es ist kaum zu fassen, dass morgen schon der letzte Tag ansteht.

An diesem Tag machen wir noch eine Softskill-Ăśbung, die ich hier aber gerne geheim lassen wĂĽrde, da sie nur SpaĂź macht, wenn man nicht weiĂź, was auf einen zukommt. Was ich aber verraten kann, ist, dass es sich lohnt, sich darauf einzulassen.

Rückblickend kann ich sagen, dass der Kurs großen Spaß gemacht hat und für jeden etwas geboten hat. Ich konnte viele Fragen stellen, mein Lawinenwissen vertiefen und an meiner Technik arbeiten. Andere konnten ihre Basis ausbauen und einen ersten Einblick in die Schneephysik gewinnen. Ob das Verstehen von Höhenlinien, das Szenarientraining oder das Techniktraining auf Ski und Board: risk'n'fun bietet ein ausgeklügeltes Programm, bei dem jede und jeder etwas für sich mitnehmen kann. Trotz der herausfordernden Wetter- und Schneebedingungen haben unsere Kursleiter ein Programm auf die Beine gestellt, das sich nie aufgezwungen angefühlt hat – und bei dem wir unsere lang ersehnten Powderschwünge machen konnten.


Für mich steht fest: Nächstes Jahr will ich an Level 3 teilnehmen. Ein großes Dankeschön an risk'n'fun für eure tolle Arbeit!

risk'n'fun - ein gefördertes Ausbildungsprogramm der Alpenvereinsjugend Österreich

Die Trainings von risk'n'fun stehen grundsätzlich allen Freerider:innen ab 16 Jahren offen – egal ob 22 oder 62. Dank der Förderung profitieren jedoch insbesondere Teilnehmende bis 30 Jahre von besonders günstigen Kursbeiträgen. So erhalten auch Schülerinnen, Auszubildende, Studierende und junge Erwachsene Zugang zu qualifizierten Inhalten und professionellen Sicherheitstrainings.

Die Zielgruppe ist bewusst gewählt: Die jährlichen Zahlen zeigen, dass besonders viele Lawinenunfälle junge Menschen betreffen.  Sie sind schneller übermütig und stärker von Gruppendynamiken beeinflusst. Sie verbringen früh viel Zeit im Gelände, verfügen über solide fahrtechnische Fähigkeiten – haben aber häufig nicht das Geld oder die Möglichkeit, an professionellen Lawinen-Sicherheitstrainings teilzunehmen

risk'n'fun und der Alpenverein wollen dem etwas entgegensetzen, indem sie gezielt diese Gruppe ansprechen. Ziel ist es, Jugendlichen und Erwachsenen Eigenverantwortung, Risikokompetenz und Handlungssicherheit im freien Gelände durch praxisnahes Lernen zu vermitteln. Die Ausbildung ist in vier Bausteine unterteilt, die nacheinander durchlaufen werden können.

Für alle, die noch einsteigen wollen, sind aktuell noch freie Plätze in zwei Level-1-Kurse verfügbar:

Wer jetzt teilnimmt, legt den Grundstein für den nächsten Schritt – und kann im kommenden Jahr bei Level 2 weiter durchstarten.

Mehr Infos zu risk'n'fun findet ihr hier: FREERIDE risk'n'fun.

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