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TourenTipps

TourenTipp | Ortler-Alpen Durchquerung

Viertägige Ski-Runde durch die Ortlergruppe

05.11.2020 von Johannes Schwaderlapp
Der Alpinist Julius Meurer hat die Königsspitze als „formvollendesten, vornehmsten Berg im ganzen Bereiche der Ostalpen“ beschrieben. Besser kann ich es kaum formulieren. Eine Durchquerung der Ortler-Alpen mit Besteigung der Zufallspitze 3757 m, dem Monte Cevedale 3769 m, Pallon de la Mare 3703 m, der Punta San Mateo 3678 m und der Königsspitze 3861 m lohnt sich auf jeden Fall.

Hinweis: Die PG Tourentipps sind allgemeine Beschreibungen von Touren, die uns ganz subjektiv gut gefallen. Unsere Tourentipps beziehen sich NICHT AUF DIE AKTUELLE VERHÄLTNISSE. Lest den Lagebericht und die Wettervorhersage und richtet eure Tourenplanung danach.

Im ersten Weltkrieg wurden die Gipfel der Ortler-Alpen zum Kriegsschauplatz. Davon zeugen einige Reste militärischer Stellungen wie beispielsweise am Gipfelgrat des Monte Cevedale. Was für eine Freude, auch für Skibergsteiger, dass Europa hundert Jahre später so zusammengewachsen ist.

Allgemeine Informationen zur Ortler-Alpen Durchquerung

Kartenmaterial: Tabacco-Karte 08, Ortles/Ortlergebiet, Cevedale 1:25 000

Ausrüstung: Mehrtägige Skihochtour, daher komplette Gletscherausrüstung mit Seil, Eisschrauben, Reepschnüren, Steigeisen und Pickel sowie Ausrüstung für die Hüttenübernachtungen

Anfahrt: Mit den Öffentlichen: Zwischen Mals und Meran verkehrt stündlich die Vinschger Bahn. Die nächste Haltestelle zum Ausgangspunkt der Durchquerung ist Goldrain im Vinschgau. Leider fährt der Bus von dort nach Hintermartell (23 km) erst ab Mitte Juni. Mit etwas Flexibilität findet man aber sicher auch jemanden, der einen mit dorthin nimmt. Eine Alternative wäre per Taxi. In Goldrain sitzt das Taxiunternehmen Fleischmann Raimund (+39 473 742 537). Kein Auto in Hintermartell stehen zu haben, ermöglicht andere attraktive Durchquerungsoptionen.

Mit dem Auto: Von Norden kommend entweder über den Reschenpass oder den Brenner. In Goldrain im Vinschgau geht es dann Richtung Süden ins Martelltal.

Zustieg zur Marteller Hütte vom Parkplatz Hintermartell

Der Zustieg zur Marteller Hütte (2610m) folgt dem Sommerweg. Zunächst geht es vom Parkplatz in Hintermartell (2070m) durch den Wald Richtung Südwesten. Kurz nachdem man die Waldgrenze erreicht, kommt man an der Zufallhütte vorbei. Diese lässt man rechter Hand liegen und durchquert das Talbett, welches sich Richtung Süden öffnet. Nach einer kurzen Steilstufe erreicht man die Marteller Hütte, die auf einer leichten Anhöhe steht.

Die Marteller Hütte ist ein idealer Ausgangspunkt für diverse Dreitausender in der Umgebung. Auf der Terrasse kann man bei köstlichem Kaffee und Kuchen in der Nachmittagssonne den Blick auf die Königsspitze genießen. Als wir dort waren, war die Hütte ausgebucht. Meiner Meinung nach bietet das Essen – abgesehen von Kaffee und Kuchen – qualitativ und quantitativ Optimierungspotential.

Informationen
Höhenmeter bergauf | bergab: 500 hm Neigung: bis 35 ° Dauer: 1h 30 min

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Über die Zufallspitze und den Cevedale zum Rifugio Larcher

Südwestlich der Marteller Hütte thront gut sichtbar die Zufallspitze (3757m). Der Aufstieg erfolgt über den Fürkeleferner. Zunächst steigt der Gletscher sehr gemächlich an. Aufgrund der Schneelage haben wir uns dazu entschlossen, am Seil zu gehen. Bei der ersten Steilstufe links haltend, nahe der Felsen des südlichen Grades, geht es in Spitzkehren weiter bergauf. Bei der zweiten Steilstufe weicht man wiederum links den Gletscherabbrüchen aus und steuert auf den Südostgrat zu. Mit den Ski am Rucksack folgt man dem Grat hoch bis man auf Ski in die Südflanke wechseln kann. Die letzten Meter auf die Zufallspitze sind einfache Felskletterei. Nach dem ersten Gipfel geht es zurück zu den Ski und auf Fellen den Grat entlang auf den südwestlich gelegenen Gipfel des Monte Cevedale (3769m).

Die Abfahrt erfolgt Richtung Südost über den Gletscher, dem Gefälle folgend in das Val Venezia. Man fährt rechts unterhalb der Felsrippen durch. Am Ende der Felsrippen quert man Richtung Nordosten oberhalb einer großen Seitenmoräne und fährt die restlichen Meter in den Talgrund ab. Hier muss nochmal kurz aufgefellt werden, um das 70 hm höher gelegene Rifugio Larcher (2608m) zu erreichen.

Aufgrund seiner Lage ist das Refugio Larcher deutlich weniger frequentiert als die übrigen Hütten in den Ortler-Alpen. Dementsprechend wirkt das Hüttenleben dort entschleunigend, was man auch beim Servieren des Bieres bemerkt. Das Abendessen war reichlich und lecker, die Betten grandios.     

Informationen
Höhenmeter bergauf | bergab: 1300 hm | 1250 Neigung: bis 35 °
Dauer: 5h 30 min Länge: 9,5 km

Über den Palon de la Mare zum Rifugio Branca

Vom Rifugio Larcher geht es durch den Osthang zum Col de la Mare auf. Im unteren Bereich bleibt man rechts von den Felsen, welche die beiden Zungen des de la Mare Gletschers trennen. Anschließend folgt man der geringsten Steigung bis etwa 3200 m Richtung Monte Rosole, wo man Richtung Südwesten zum Col de la Mare abbiegt. Östlich des Rückens vom Col de la Mare zum Monte Rosole erreicht man zunächst einen Vorgipfel, von dem man einem Rücken Richtung Süden zum Gipfel des Palon de la Mare (3703 m) folgt.

Die Abfahrt erfolgt direkt vom Gipfel über das Gletscherbecken Richtung Westen. In einer Höhe von ca. 3550 m folgt man dem Becken nach Norden, um dann langsam wieder auf Südsüdwest zu drehen. Man endet schließlich auf einem Moränenrücken und quert unterhalb der Felsen, aber oberhalb des Talbodens Richtung Nordnordwest zum Rifugio Branca (2493 m).

Die charmante Hütte ist ein beliebter Stützpunkt für zahlreiche Skitourengipfel und kann schnell aus Santa Caterina Valfurva südöstlich von Bormio erreicht werden. Erwähnenswert finde ich, dass ich auf dem Rifugio Branca satt geworden bin.  

Informationen
Höhenmeter bergauf | bergab: 1175hm | 1300 hm Neigung: bis 35 ° Dauer: 5 h Länge: 10 km

Punta San Matteo und anschließend zum Rifugio Pizzini Frattola

Die Hochtour auf die Punta San Matteo birgt ein gewisses Gefahrenpotential. Es müssen mehrere Steilstufen überwunden werden, außerdem besteht die Gefahr von Eisbruch durch wunderschöne Seracs und natürlich Spaltensturzgefahr. Über den Gletscher sollte angeseilt gegangen werden. Der obere Bereich kann sehr hart sein, weshalb Steigeisen und Pickel unerlässlich sind.

Von der Brancahütte geht man zunächst Richtung Fornokessel. Das Gelände steigt sehr gemächlich an. Den eigentlichen Aufstieg über den Gletscher beginnt man am besten am linken Rand unterhalb der Seracs. Dort besteht zwar die Gefahr durch Eisbruch, aber weiter rechts befinden sich Spalten. Ab einer Höhe von ca. 2900 m quert man nach rechts über die Felsrippen. Oberhalb der Felsrippen folgt man dem Nordostrücken der Punta San Matteo (3678m).

Abfahrt wie Aufstieg oder man quert unterhalb der Felsrippen und oberhalb der L`Isola Persa nach Nordwest und fährt über die Skier's left gelegene Gletscherzunge ab.

Je höher man zum Valle de Cedec quert, desto mehr Höhenmeter spart man sich bei dem Zustieg zum Rifugio Pizzini Frattola. Allerdings ist die Lawinenlage während der Querung zu berücksichtigen, an warmen Nachmittagen im Frühjahr besteht die Gefahr von Nassschneelawinen im Südhang. Ab dem Taleingang folgt man dem Versorgungsweg des Rifugio Pizzini Frattola.

Das Rifugio Pizzini Frattola ist hervorragend - auch wenn die Hütte gerade im Kontrast zur Brancahütte keinen Charme versprüht.

Informationen
Höhenmeter bergauf | bergab: 1900 hm | 1500 hm Neigung: bis 35 ° Dauer: 8:30 h Länge: 17 km

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Königsspitze und Abfahrt ins Martelltal

Aufgrund der Ästhetik und des Aufstiegs über die 45 ° steile Ostwand ist die Königsspitze (3861m) sicher der Höhepunkt der Ortler-Alpendurchquerung. Wegen der Steilheit sind kompromisslos absolut sichere Verhältnisse notwendig. Bei uns gab es über Nacht Neuschnee. Deshalb entschieden wir uns dafür, nicht auf den Gran Zebru - wie die Königsspitze auf Italienisch heißt - zu steigen. Dennoch werde ich die Besteigung grob beschreiben.

Bei entsprechendem Können und einwandfreien Bedingungen kann vom Gipfelkreuz abgefahren werden. Das Gefahrenpotential für sich und andere Skibergsteiger sollte man aber keinesfalls unterschätzen. Deshalb gehen die allermeisten ab der Ostflanke - nach einem Skidepot - mit Steigeisen zu Fuß auf die Königsspitze.

Vom Rifugio Pizzini Frattola steuert man direkt auf die Königsspitze zu. Links der markanten Felsinsel haltend macht man dahinter einen Rechtsbogen auf die steile Rinne zu. Die Rinne muss überwunden werden und es wird ein Skidepot auf der Ostflanke westlich des Königsjochs eingelegt. Die Ostflanke erklimmt man mit Steigeisen am linken Rand bis man wieder auf eine Rinne trifft. Durch diese stößt man auf den Gipfelgrat. Auf dem Grat angekommen liegt der Gipfel links.

Der Abstieg erfolgt wie der Aufstieg bis zum Skidepot. Von dort wird mit den Ski durch die Rinne wieder abgefahren und man hält sich auf dem Gletscher links oberhalb der beiden Felsinseln. Man traversiert in Richtung Südosten bis unterhalb des Langenferner-Jochs. Nach dem Auffellen muss man von dort bis zum Joch etwa 250 hm überwinden und erreicht kurz dahinter das Refugio Casati. Dort gibt es selbst auf 3269 m eine Siebträger-Kaffeemaschine. 

Zur Abfahrt vom Refugio Casati folgt man links dem Gletscher, um den Steilstufen zu entgehen. Auf der linken Gletscherzunge fährt man ab, bis bei immer flacher werdendem Talboden die Aufstiegsspur des Zustiegs zur Marteller Hütte erreicht wird. Von dort geht es durch bekanntes Gelände zurück zum Auto.

Informationen
Höhenmeter bergauf | bergab: 1350 hm | 2000 hm Neigung: bis 45 °
Dauer: 8 h Länge: 15 km

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