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Interviews

PowderPeople | Flo Orley und Stefan Häusl

How to become a Freeride Pro - Und was bedeutet Olympia fürs Freeriden? Ein Interview von Eliane Droemer mit der Freeride Familie Häusl und Flo Orley

16.04.2026
Eliane Droemer
Wer in Österreich den Traum vom Freeriden lebt, kann von den Besten lernen. Snowboard-Vizeweltmeister Flo Orley und FWT-Sieger Stefan Häusl haben ihre aktiven Karrieren hinter sich – und geben ihr Wissen jetzt an die nächste Generation weiter. Orley als Mitgründer der Freeride Academy Innsbruck, Häusl als Coach junger Freeride-Pros am Arlberg. Dass beide es richtig machen, beweist der eindrucksvolle Nachwuchs aus den eigenen Reihen: Stefans Tochter Jana ist amtierende FIS Freeride-Junioren-Weltmeisterin, Flos Tochter Momo bereits zweifache Europameisterin U14. Die Freeride-DNA liegt in Österreich also buchstäblich in der Familie.

Ein bisschen Input vorweg:

Junge Skifahrer:innen und Snowboarder:innen, die besser Freeriden lernen oder sogar Freeride Profi werden wollen, haben verschiedene Möglichkeiten in Österreich. Vor allem in Tirol gibt es mehrere Initiativen. Informationen dazu gibt es aus erster Hand von Snowboarder Flo Orley und Skifahrer Stefan Häusl, die beide viele Jahre erfolgreich bei der Freeride World Tour mitgefahren sind. Orley ist Vize Freeride Weltmeister und Stefan Häusl galt 9 Jahre als einer der besten Freerider auf der Tour und wird als FWT Event Sieger gelistet.

Nach Beendigung ihrer aktiven Wettkampfkarrieren geben beide ihr wertvolles Wissen und ihre Begeisterung an den Nachwuchs weiter. Orley als Mitgründer der Freeride Academy Innsbruck und Häusl als Betreuer des Freeride Teams Skiclub Arlberg, vor allem aber als Coach für junge Freeride Profis. Eine weitere Parallele stellt der Nachwuchs der beiden Athleten dar: Stefan‘s Tochter Jana Häusl kürte sich im Januar 2026 zum zweiten Mal zur FIS Freeride Junior Weltmeisterin (Ski) und ist ebenfalls auf dem besten Wege in die Weltelite. Flo‘s Tochter Momo Orley wurde im März 2026 mit ihrem Snowboard Sieg in Fieberbrunn ebenfalls bereits zweifache Europameisterin U14.

Das Interview:

Eliane: Flo, was ist die Freeride Acacemy Innsbruck und welches Ziel verfolgt Ihr mit der FAI?

Flo Orley:
Die Freeride Academy Innsbruck ist der erste und größte gemeinnützige Freeride-Verein für Ski und Snowboard in Österreich mit derzeit knapp 400 Mitgliedern. Ziel unseres Vereins ist es, die Begeisterung für den Freeride-Sport zu wecken und die Fähigkeiten zu vermitteln, um diesen so sicher wie möglich ausüben zu können. Der Fokus richtet sich dabei auf Jugendarbeit für den Nachwuchs ab 8 Jahren, größtenteils im Breitensport, jedoch zu einem kleinen Teil auch im Spitzensport. Auch junge Erwachsene und Eltern sind herzlich willkommen. Vereinsmitglieder können schon für 30 Euro am Schnuppertraining „One day wonder“ teilnehmen. Zudem gibt es verschiedenes Coaching, Events und auch gezielte Contest Vorbereitung – immer mit Fokus auf Sicherheit, Risikomanagement, Technik und Spaß in der Gemeinschaft.

Bei allem Free – Ride … manche entwickeln dann aber doch mehr Ehrgeiz oder?

Flo Orley:
Ja, die Besten sammeln sich mit ca. 15 Jahren in unserer Contest- und Performance-Gruppe und werden dann professionell, contest-orientiert gecoacht. Aber es ist nicht das ausschließliche Ziel der Academy, wettkampforientierte Rider hervorzubringen, sondern wir wollen die Anlaufstelle für alle Freerider in Tirol sein.

Stefan Häusl:
Free und Ehrgeiz widersprechen sich nicht ;-)

Stefan, welche weiteren Möglichkeiten haben junge Skifahrer:innen, professionell Freeriden zu lernen?

Stefan Häusl:
Neben den Aktionen vom FAI Verein gibt es schon mehrere Initiativen: in Kirchberg den Club Bergside, in Wien den Verein Union Four Elements, den Skiclub Arlberg, den Skiclub im Montafon, es wird was in Alpbach und Kitzbühel gemacht, in Fieberbrunn und auch in Osttirol – um mal ein paar Beispiele zu nennen. Die meisten sind Clubs, die mit lokalen Kids arbeiten. Eines ist klar: Es wird immer mehr.

Beim Verband Ski Austria habe ich nur den „Instructor Skitouren“ gefunden. Gibt es keine Freeride spezifische Ausbildung?

Stefan Häusl:
Es gibt den „Instruktor Freeride“ der Bundessportakademie Innsbruck. Dort haben wir 20 Instruktoren ausgebildet, die jetzt in ihren Vereinen Freeriden coachen. Jetzt sind gerade 20 weitere in Ausbildung. Diese Trainer sind dann berechtigt in Clubs – so wie Race Coaches – zu  coachen. Die Ausbildung geht über zwei Jahre. Es geht um Freestyle Elemente, Snow und Safety, Führen der Kids im Gelände, freeride-spezifisches Wissen und Methodik, Trainingslehre usw. …
Die Ausbildung kommt sehr gut an, und die Teilnehmenden sind voller Elan bei der Sache.

Flo Orley:
In Zusammenarbeit mit dem Tiroler Skiverband haben wir heuer einen Meilenstein gesetzt: Seit Februar 2026 ist Freeriden in Tirol als anerkannte Sportart in den Disziplinen Ski und Snowboard, jeweils für Männer und Frauen, offiziell etabliert. Damit gehen wir dem österreichischen Skiverband Ski Austria voran, der es bisher noch nicht der Rede wert befunden hat, Freeriden in sein Programm aufzunehmen oder auch nur als Sportart anzuerkennen.

Zum Thema Freeriden und Olympia: Ski- und Snowboard-Freeriden gilt als möglicher Kandidat für die Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen. Eine Entscheidung des IOC steht derzeit noch aus. Ob die Sportart tatsächlich ins olympische Programm aufgenommen wird, hängt von den weiteren Abstimmungen zwischen dem IOC, der FIS sowie dem Organisationskomitee der Winterspiele 2030 ab.

Wunschkonzert: Was erwartet Ihr bestenfalls, wie sich die Entwicklung auf den Sport auswirken wird?

Stefan Häusl:
Die Athleten werden im Jugendalter teilweise richtig gut ausgebildet. Sie erlernen die Tricks auf dem Trampolin, auf Airbag-Anlagen und dann im Schnee. Man kann eine super Methodik in den Trainingsalltag integrieren. Es ist sehr cool, das zu beobachten und mitzuentwickeln. Ich glaube wir werden noch mehr Freestyle sehen, aber in alpinen Passagen wird es immer den klassischen Freeride Zugang geben.

Flo Orley:
Die FIS hat ja die FWT vor mehreren Jahren gekauft, auch wenn es immer noch das gleiche professionelle Team um Nicolas Hale-Woods ist, das die FWT abwickelt. Man hat die letzten Jahre schon die Professionalisierung im Freeridesport gesehen, sowohl auf der Anbieterseite, was die Harmonisierung der Regeln im Sport angeht, als auch die Professionalisierung der Pyramide von der Junior Tour über die Qualifier- und Challenger-Ebene bis hin zur World Tour.

Gleichzeitig hat sich auch auf Athletenseite viel verändert: Die Sportler:innen bereiten sich immer professioneller vor und trainieren inzwischen mit Ausnahme einer kurzen Sommerpause ganzjährig. Deswegen wird der Sprung zu Olympia den Freeride Sport jetzt nicht so verändern. Natürlich gibt das für Institutionen wie uns die Plattform zu sagen: Hey, der Sport ist olympisch. Deshalb hoffe ich schon, dass diese Entscheidung im Juni 2026 kommen wird. Weil wir als Verein dann andere Möglichkeiten haben, Förderungen zu akquirieren und unser Know-how noch besser einzusetzen in Zusammenarbeit mit den bestehenden Institutionen wie Ski Austria.

Welche hoffnungsvollen deutschen oder österreichischen Nachwuchs Freerider außer Jana und Momo sollte man im Auge behalten?

Stefan Häusl:
Also die Müllers aus Vorarlberg, Jem und Jake stehen da sicher ganz oben auf der Liste. Jem ist heuer bei der Junioren WM Zweiter geworden. Simon Zwischenbrugger führt gerade das Challenger Ranking an. Bei den Snowboardern musst du Flo fragen (zwinkert).

Flo Orley:
Wir haben ganz dolle Jungs in der Freeride Academy, einer ist der 19-jährige Skifahrer Matthias Narr, einer der jüngsten Qualifier Rider in Europa, der wirklich sehr stylish und gut drauf ist. Dann haben wir den Laurin Orley, den Sohn meiner Schwester, der einer der besten U18 Skifahrer ist und gerade den 3-Stern Contest im Kühtai gewonnen hat. Er ist auf gutem Wege, sich für die Freeride Junior World Championships 2027 zu qualifizieren.

Und dann haben wir noch ein ganz heißes Eisen: den Snowboarder Luke Herbert. Er ist zwar erst 12 Jahre alt und fährt noch U14, kann sich jetzt also noch nicht für die Junior Tour qualifizieren, aber trainiert neben Freeriden auch im Freestyle-Team vom Tiroler Skiverband. Luke kann ganz nach oben kommen, wenn er möchte, denn er hat ein Riesentalent.

Und auch meine Tochter Momo Orley. Sie war letztes Jahr mit 12 Jahren Europameisterin in der U14 und ist auch heuer bei den Besten dabei. In Fieberbrunn war gerade im März Junior 3-Stern Contest, den hat die Momo gewonnen. Somit ist sie heuer mit der Bestplatzierung nach vier Contests zweifache U14 Europameisterin. Und wenn sie Lust hat, begleite ich auch sie gern auf dem Weg nach ganz oben. Aber es muss ihr Spaß machen.

Jana, wie sehen Deine Pläne für die Saison 26/27 aus?

Jana Häusl:
Ich bestreite diese Saison meine letzte Junioren WM und danach werde ich versuchen, auf schnellstem Wege in die Freeride World Tour zu kommen (lacht).  Damit das klappt, fliegen meine Eltern und ich im Sommer nach Neuseeland. Dort kann ich sehr gut trainieren und natürlich auch Urlaub machen. 

Und Momo, in der U14 Klasse räumst Du alles ab, wie geht es für Dich weiter?

Momo Orley:
Ich gehe ab Herbst in ein neues Gymnasium mit Schwerpunkt Kunst, das ist mir ganz wichtig, weil ich Goldschmiedin werden möchte. Im Winter 26/27 ist dann meine letzte Saison in der U14, da möchte ich noch viele Contests gewinnen. Denn im Winter darauf bin ich dann in der U18 als Jüngste – da wird’s schwer. Aber Freerideprofi werden wie der Papa, wäre schon mega cool!

Herzlichen Dank für die Infos und Einblicke!

Über die Freeride World Tour

Die FWT Management SA mit Sitz in Verbier (Schweiz) organisiert seit 1996 hochklassige Sportveranstaltungen in Bergdestinationen weltweit. Das Unternehmen gründete das legendäre Xtreme Verbier und entwickelte diesen Einzelwettbewerb 2008 zur renommierten Freeride World Tour (FWT). Heute umfasst die FWT mehrere Serien, darunter FWT Challenger, FWT Qualifier und FWT Junior, mit Veranstaltungen in Europa, Nord- und Südamerika sowie Ozeanien. Seit Dezember 2022 ist die FWT Teil des Internationalen Skiverbands (FIS).
www.freerideworldtour.com

Die Integration des Freeridens in den FIS

Die erste Ausgabe der Allianz FIS Freeride World Championships Andorra by Mammut fand im Februar 2026 in Ordino Arcalís, Andorra, statt. Jede der 65 weltbesten Skifahrer und SnowboarderInnen aus 17 Nationen hatte einen Run, um auf dem herausfordernden Face in Andorra zu überzeugen. Dieses Event markiert die vollständige Integration des Freeridens in den Internationalen Ski- und Snowboardverband (FIS) und stärkt den Status des Freeridens als weltweit anerkannte Wintersportdisziplin. Sieger waren die Skifahrer Benjamin James Richards (NZ) und Zuzanna Witych (POL) sowie die Snowboarder Liam Rivera (CH) und Mia Jones (USA). Der Deutsche Timm Schröder erzielte den 8. Platz.

YETI FIS Freeride Junior World Championships in Kappl

Klein aber fein: Kappl hat sich einen guten Ruf in der Freeride Welt erarbeitet, denn seit 2022 ist das kleine Skigebiet schon mehrfach Austragungsort für die Junior Freeride World Tour (FWT) gewesen, zuletzt im Januar 2026. Hintergrund: Die Junior-WM findet nicht jedes Jahr am selben Ort statt – sie „kehrt“ zu bewährten Locations zurück. Kappl ist wegen Gelände, Face und Infrastruktur mittlerweile ein sogenannter Stamm-Venue, also Austragungsort. Je nach Schneebedingungen können die ikonische Quellspitze oder die ebenso anspruchsvolle Alblittköpfe-Nordwand auf 2.720 Metern Höhe als Face, also Abfahrt für die Skifahrer und Snowboarder der Junior Tour dienen. 

Auf dem Weg zum Pro

2026 nahmen in Kappl 67 der besten Nachwuchsathlet:innen aus 13 Ländern an der Junioren-Freeride-WM teil. Bevor die Rider starten, wird der jeweilige Hang explizit auf seine Schneebedingungen und vor allem auf Sicherheit geprüft. Diesmal wurde statt der Quellspitze die Alblittköpfe-Nordwand gewählt – ein Face mit spezieller Geländeform, das zahlreiche kreative Sprungmöglichkeiten bietet. Mit einer Hangneigung von bis zu 40 Grad und technischem Gelände stellt die Nordwand hohe Anforderungen, bietet aber auch kreative Linienoptionen. Das ist das Besondere bei Freeride Wettkämpfen: Jede Athletin und jeder Athlet prägt sich vor dem Start exakt das Face ein und überlegt sich eine individuelle Linie, die nicht nach Geschwindigkeit bewertet wird.

Man darf gespannt sein, wie der weitere Weg von Jana Häusl und Cem Müller aussehen wird.

Die Jury bewertet die Läufe nach fünf Kriterien:

Linienwahl – Kreativität und Schwierigkeit der gewählten Route.

Kontrolle – Wie sicher und stabil der Fahrer unterwegs ist.

Flüssigkeit – Wie nahtlos der Lauf verläuft.

Technik – Die technische Präzision bei Turns, Sprüngen und Landungen.

Air & Style – Die Ausführung von Sprüngen und Tricks in der Luft.

Die 14- bis 18-jährigen Teilnehmenden sammeln zuvor Punkte über die FIS Junior Freeride Tour, um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Das können regionale oder nationale Freeride-Events sein. In Kappl ging 2026 kein Snowboarder aus Deutschland oder Österreich an den Start, dafür aber die erfolgreichen österreichischen Skifahrer Cem Müller, der den zweiten Platz errang, und Jana Häusl, die zum zweiten Mal Junior Weltmeisterin wurde.

Beide trainieren mit Janas Vater im „Stefan Häusl Freeride Team“ und der Erfolg der beiden kommt nicht von ungefähr: Stefan Häusl fuhr rund 9 Jahre auf der Freeride World Tour und erreichte mehrere Top‑Ergebnisse, darunter einen Sieg bei einem FWT‑Stop in Fieberbrunn (2011). Als einer der besten Skifahrer Österreichs hat er offenbar seinen Schützlingen seine besonderen Qualitäten mitgegeben: Mutiges, flüssiges und doch kontrolliertes, technisches Skifahren im Gelände. Man darf gespannt sein, wie der weitere Weg von Jana Häusl und Cem Müller aussehen wird.

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