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Interviews

PowderPeople | Alexandre Marchesseau - Teil I

Von Todesangst, Grenzerfahrungen und dem „mystischen Modus“

02.04.2026
Claus Lochbihler
50 Tage, 500 Kilometer und die höchsten Gipfel Alaskas: Alexandre Marchesseau und sein Team suchten in der Wildnis nach mehr als nur Abfahrten. Im ersten Teil des Interviews berichtet der Bergführer, wie man unter riesigen Eistürmen das Beten lernt, warum eine moralische „Geiselnahme" am Mount Foraker fast die Gruppe sprengte und wie wie Drohnen bei der Navigation auf Gletschern helfen. Ein tiefgehender Blick in die Psychologie einer extremen Durchquerung der Alaska Range.

Man normalisiert Risiken, die man sonst nie eingehen würde

Auf Skiern durch das Herz der Alaska Range – autark, mit 110 Kilo schweren Schlitten, über Denali (6.190 Meter) und Mount Foraker (5.304 Meter) und am Ende per Packraft zurück in die Zivilisation. Vier Alpinisten aus Chamonix – Alexandre Marchesseau, Aurélien Lardy, Hélias Millerioux und Christophe Tricou – durchquerten dabei mehr als 500 Kilometer Wildnis. Ihre Expedition war zugleich ein filmisches Experiment. Vier Menschen, 50 Tage in der Wildnis, unterwegs von Punkt A nach Punkt B.

Die Aufnahmen für den Film „Les Jours Sauvages“ (englischer Titel: „Wild Days“) entstanden aus der Gruppe heraus fast wie bei einer Reality-Show in der Wildnis, nur poetischer, menschlicher, authentischer. Der Bergführer und Filmemacher Alexandre Marchesseau spricht im Interview darüber, wie sich auf solch langen Expeditionen die Grenzen der Risikoakzeptanz verschieben, warum in einem Vier-Personen-Zelt jedes Wort zählt und weshalb sich nach Wochen in der Wildnis ein merkwürdiges Glücksgefühl einstellen kann: sich überall zu Hause zu fühlen, auch bei widrigsten Bedingungen.

Claus Lochbihler: 50 Tage und 500 Kilometer über Gletscher und auf die höchsten Berge Nordamerikas: Lassen sich die Risiken auf einer solch langen und extremen Expedition überhaupt managen?

Alexandre Marchesseau: Jedenfalls nicht so wie sonst. Bei einer solchen Expedition weiß man, dass dies vielleicht die einzige Chance im Leben ist, dort das zu machen, was du dir in den Kopf gesetzt hast. Jeder hat ja so etwas wie einen „Commitment-Cursor“ – eine Risikobereitschaft, die von Erfahrung, den eigenen Fähigkeiten und vielleicht auch ein bisschen von der individuellen Verrücktheit abhängt. Während einer solchen Expedition wandert dieser Cursor deutlich nach oben, weil man eben denkt: Das ist die Chance meines Lebens.

Um wie viel nach oben?

Ich kann keine Zahl nennen, aber ich erinnere mich, dass wir stundenlang unter riesigen Séracs auf dem Kahiltna-Gletscher gelaufen sind. Drei Stunden haben wir uns unter 50 Meter hohen Eistürmen sehr langsam fortbewegt, mit schwerem Gepäck, und haben still gebetet, dass keiner davon über uns zusammenbrechen würde. Es gab keine andere Möglichkeit als diese Route. Zu Beginn zittert man fast. Aber wenn man dann einfach weitergeht, gewöhnt man sich mental an Risiken, die man sonst nie eingehen würde. Man normalisiert sie. Erst später, zu Hause, wird einem klar: Das war einer der riskantesten Tage meines Lebens.

Das Risiko bestand nicht nur aus konkreten und latenten Gefahren – es musste auch innerhalb der Gruppe besprochen und gemanagt werden. Wie gut hat das funktioniert?

Wir kommen alle aus derselben Alpin- und Skikultur und demselben Ort – Chamonix. Daher haben wir im Grunde genommen eine ähnliche Art, Gefahren einzuschätzen. Wenn jemand sagt: „Leute, dieser Abschnitt ist zu riskant“, antwortet niemand: „Blödsinn.“ Wir vertrauen einander. Diskussionen sind in der Regel einfach.

Allerdings hatte ihr auf dem Weg zum Mount Foraker, dem zweithöchsten Gipfel Alaskas, eine richtige harte Konfrontation.

Stimmt. Die Situation war folgende: Zwei Tage nach der Denali-Besteigung, als wir wieder im Basislager waren, lautete die Vorhersage, dass wir vielleicht drei gute Tage für den Mount Foraker haben würden. Also starteten wir um 21 Uhr und kletterten bis 2 Uhr morgens auf den Sultana-Grat. Das ist ein riesiger Kamm – 15 Kilometer lang auf 3.500 Meter Höhe. Sobald man oben ist, sitzt man bei schlechtem Wetter in der Falle. Man kann weder nach links noch nach rechts entkommen.

Am nächsten Tag sahen wir Wolken aus dem Pazifik aufsteigen. Man steht also auf diesem Grat, unter einem erstreckt sich der Kahiltna-Gletscher über 90 Kilometer, dann kommt flaches Land und am Ende der Pazifik. Man konnte sehen, wie die Sturmfront schon über den Gletscher zieht. Der Wind nahm zu. Blitze, flaches Licht – da war richtig schlechtes Wetter im Anmarsch. Das Risiko war, dass wir in einem tagelangen Sturm auf diesem endlosen Grat festsitzen. Also hielten wir an und machten das, was wir „Talking Pole“ nennen – eine Besprechung, wo der GoPro-Stick die Runde macht. Wer ihn hält, darf reden, die anderen hören zu.

Was waren die Positionen?

Chris Tricou meinte, dass es unter diesen Bedingungen zu riskant wäre weiterzugehen: ‚Lasst uns lieber absteigen und kleinere Abfahrten machen.‘ Aurélien stimmte zu – auch er hatte Angst vor den Wetterrisiken. Ganz anders Hélias: ‚Ich habe Mount Foraker dreimal in meinem Leben versucht. Ich bin für diesen Gipfel hergekommen – nicht zum Skifahren. Wenn wir jetzt absteigen, komme ich für den Rest der Reise nicht mehr mit.‘ Das war eine echte Konfrontation.

Hélias' Risikobereitschaft war also höher als die der übrigen Gruppe. Wie war deine Position?

Ich habe das Gespräch gefilmt, aber ich habe auch gesprochen. Ich sagte: ‚Mit jedem Schritt steigt das Commitment. Dafür sind wir da, aber nicht, um unkalkulierbare Risiken einzugehen. Ich habe Angst vor dem Weitergehen.‘ Normalerweise stimmen wir am Ende ab und die Mehrheit gewinnt. Aber Hélias wollte den Gipfel so sehr, dass er wohl allein weitergegangen wäre…

Vier starke Egos im Zelt

Eine sehr angespannte Situation – es ging um Risikobereitschaft, aber auch um Freundschaft und wie man Entscheidungen in einer Gruppe trifft….

Darum geht es letztlich in unserem Film. Um vier Leute, die fünfzig Tage als menschliche Mikro-Gesellschaft in einem Zelt unterwegs sind, an einer der letzten Grenzen der Welt zwischen Wildnis und Zivilisation: Vier berg- und expeditionserfahrene Menschen, jeder mit einem starkem Ego und starken Ideen. Da kommt es manchmal auch zu Konflikten. Erst recht unter extremen Bedingungen.

Wie lange hat diese Diskussion gedauert?

Etwa 20 Minuten. Nicht länger – es war ja sehr kalt und wir mussten schnell entscheiden. Oder eben Schutz suchen, was wir dann auch gemacht haben. Ich wusste, dass nicht weit von unserem Standort flacheres Gelände lag, wo wir unser Lager aufschlagen konnten. Also haben Aurélien und ich den nächsten Teil des Grats erkundet. Ich habe Aurélien von oben gefilmt. Er hat sich auf seinen Skiern durch steilstes Gelände oberhalb der Nordwand vorgetastet, bei Whiteout und zwischen riesigen Séracs. Wir konnten kaum etwas sehen.

Als wir endlich das flachere Gelände erreicht hatten und eine Gletscherspalte als Schutz vor dem Wetter fanden, bauten wir dort das Zelt auf, kochten Tee und riefen unseren Meteorologen in Frankreich mit dem Satellitentelefon an. Wir hatten außerdem Vorhersagen von den Nationalpark-Rangern und der Fluggesellschaft. Wir hatten also drei Quellen und machten uns einen Reim darauf: Zwei weitere Tage sollten in Ordnung sein, selbst bei starkem Wind. Also beschlossen wir, weiterzugehen, aber umzukehren, wenn der Sturm doch früher und stärker über uns hereinbrechen würde. Das war der Deal.

Die Vorhersage hat gehalten?

Mehr oder weniger. Nach zwei Tagen Aufstieg hatten wir noch 1.900 Meter bis zum Gipfel. Am Morgen, nach 100 Metern Aufstieg, kam plötzlich starker Wind aus Süden auf, der so nicht vorhergesagt worden war. Aber wir schafften es trotzdem, den Gipfel zu erreichen und zum Zelt zurückzukehren. Da lag der gesamte Grat zurück zum Basislager bereits unter einer Wolkendecke. Diese Pazifikstürme bringen extrem feuchte Luft mit sich. Wenn die dann über dem Denali aufsteigt, gefriert sie und bildet diese berühmte Wolkenkappe. Darunter verschwindet jede Sicht und der Wind ist wirklich brutal.

„Das hat sich für mich wie eine Geiselnahme angefühlt“

Habt ihr mit Hélias später noch einmal über diesen Konflikt gesprochen?

Ja, schon in der Abfahrt vom Mount Foraker. Ich habe ihm gesagt, dass es sich für mich wie eine Geiselnahme angefühlt hatte. Dass sein Verhalten weder freundschaftlich noch demokratisch war. Er sagte, das mit der Geiselnahme sei nicht seine Absicht gewesen, worauf ich ihm antwortete, dass es sich für mich aber genauso angefühlt hat. Das hat ihn verletzt, aber am Ende hat er mir für meine ehrlichen Worte gedankt – auch das ist Freundschaft. In einer solchen Situation muss man sich die Wahrheit sagen – so etwas kann nicht unausgesprochen bleiben, wenn man 50 Tage zusammen in einem Zelt verbringt.

Ihr hattet einen krassen Spaltensturz auf dem Kahuiltna-Gletscher. Was ist da passiert?

Zuerst bin ich in eine Gletscherspalte gefallen – allerdings keine besonders tiefe. Ich stand da, fröstelte und sagte: „Okay, Leute, bitte helft mir.“ Die anderen kamen mit ihren Schlitten auf mich zu. Plötzlich brach eine Schneebrücke unter ihnen zusammen. Sie sind etwa sieben Meter tief gefallen, zusammen mit den Schlitten. Sie hatten unglaubliches Glück. Die Brücke brach unter ihnen vollständig zusammen und bildete eine Art Schneekissen. Darauf sind sie gestürzt, die Schlitten zum Glück neben ihnen. Wäre ein Schlitten auf jemanden gefallen, wäre das vermutlich tödlich ausgegangen…. Gleich nach der Bergung kam ein Sturm auf - wir saßen vier Tage lang im Zelt fest. Nach diesem Schockerlebnis gingen wir immer am Seil, wenn wir uns auf einem Gletscher bewegt haben. Manchmal sind wir auch Umwege gegangen, um Séracs oder Spalten zu umgehen – auch wenn wir dafür ein paar Stunden länger unterwegs waren.

Im Rückblick: Auf fünfzig Tage gerechnet, an wieviel Tagen seid Ihr ein Risiko eingegangen, dass du außerhalb einer Expedition sonst nicht eingehen würdest?

Ich würde sagen, dass wir an drei, vier Tagen wirklich an und über die Grenze gegangen sind. Den Rest der Zeit waren wir regulär vorsichtig.

Wie würdest du euer Team im Nachhinein charakterisieren?

Wir haben als Team wirklich gut funktioniert – die Auseinandersetzung vor dem Mount Foraker war eine Ausnahme. Wir haben uns gut ergänzt. In einem guten Team hat man immer unterschiedliche Fähigkeiten, selbst wenn die Gruppe ziemlich homogen ist. Christophe und Aurélien zum Beispiel sind bessere Skifahrer als ich und Hélias. Sie waren oft vorne und haben in technisch schwierigem Gelände die Linie gefunden. Die beiden wiederum vertrauten Hélias und mir bei der Routenwahl im Großen und der Logistik, weil wir beide schon mal in Alaska gewesen waren. Und dann ist da noch Hélias mit seiner enormen Erfahrung im Himalaya und an ganz hohen Bergen – Nuptse, Nanga Parbat etc.. Er ist mental einfach sehr, sehr stark. Manchmal vielleicht sogar zu stark. Lachen.

Spielt das Alter in einer solchen Gruppe auch eine Rolle?

Klar. Man kann in unserem Team zwei Generationen erkennen. Nehmen wir Aurélien: Er kommt eher aus der Freeride-Kultur, ist mit den sozialen Medien aufgewachsen. Ich dagegen komme aus einer älteren Tradition, schaue vielleicht mehr in die Vergangenheit, zu den Pionieren. Das ist eine interessante und inspirierende Konstellation – die manchmal auch bedeutet, dass man die Berge und ihre Risiken unterschiedlich erlebt. Und dass man vielleicht auch eine andere Art hat, mit der Öffentlichkeit umzugehen.

Von euch vieren scheinst du derjenige zu sein, der sich am meisten für Bücher und Filme interessiert. Jemand hat dich einmal als „Dichter und Alpinist“ und als Auteur-Alpinist beschrieben. Siehst du dich so? 

Nein, ich würde mich nicht als Autor-Alpinist bezeichnen und ich bin definitiv kein Dichter. Ich versuche nur schreibend und filmend die Geschichten zu erzählen, die wir in den Bergen erleben. Vor allem die psychologische Seite davon. Außerdem schaue ich mir – wie ich schon erwähnt habe – gerne an, was die Pioniere vor uns getan haben. Und genauso gern stelle ich mir die Zukunft der Berge vor.

Was hat dieses Interesse an den Pionieren geweckt?

Wenn man in Chamonix aufwächst und Ski fährt, klettert und fliegt, ist man ständig mit den Meistern dieser Disziplinen konfrontiert. Die Orte, an denen ich jeden Tag Ski fahre, klettere oder fliege, sind dieselben Orte, an denen diese Pioniere trainiert haben. Dieses Erbe kann schwer wiegen, aber es ist auch sehr inspirierend. Es bringt einen auch dazu, darüber nachzudenken, wie man verschiedene Werkzeuge und Disziplinen miteinander kombinieren kann. Heute erleben wir ja die spannendsten Kombinationen - Alpinismus und Gleitschirmfliegen, Basejumping und alle möglichen Multisport-Ansätzen. Solche Kombinationen haben mich schon immer zum Träumen gebracht. Deswegen ist auch diese Alaskaexpedition ein Ergebnis dieses Erbes.

Wie kam es überhaupt zu der Idee für eine so lange und verrückte Expedition?

Im Grunde genommen mit dem Blick auf eine Landkarte. Im Sommer 2022 war ich in der Bretagne und habe gemeinsam mit Hélias an dem Buch über unsere 2019er-Expedition im Mount Logan-Massiv gearbeitet. Irgendwann habe ich mir das Denali-Massivs im Benchmark Atlas angeschaut – vielleicht kennst du diesen großartigen Atlas. Und dabei hatte ich plötzlich die Idee: Dass wir das Massiv von Norden her betreten könnten, indem wir von der letzten Straßenanbindung aus einfliegen. Dass wir dann auf Skier und Schlitten umsteigen, den Kahiltna-Pass überqueren, das Denali-Basislager erreichen, den Denali besteigen und mit Skiern abfahren könnten. Anschließend würden wir den Mount Foraker besteigen, vielleicht noch einen weiteren Gipfel erklimmen und zum Schluss mit aufblasbaren Packrafts nach Westen wieder in die Zivilisation zurückkehren ....

Wie ist der Plan mit den aufblasbaren Booten entstanden?

Seit unserer Expedition 2019 haben wir immer wieder mit der Idee gespielt, am Ende nicht per Flugzeug, sondern mit einem Packraft, einem kleinen Raftingboot, der Wildnis zu entfliehen. Als klar war, dass wir sehr, sehr leichte Packrafts benutzen konnten, die für die französische Armee entwickelt wurden und weniger als drei Kilo wiegen, haben wir beschlossen, es diesmal zu versuchen. Ein Blick auf die Karte und diese Packrafts – so entstand die Grundidee für die Reise.

Wie wichtig war dein vorheriger Alaska-Trip 2019 mit Hélias für den Erfolg eurer Expedition?

Wir wussten dadurch ziemlich genau, was uns erwarten würde. Auch ausrüstungsmäßig: Hélias und ich wurden in Anchorage, als wir den Proviant und die Ausrüstung vervollständigt haben, scherzhaft „altes Ehepaar“ genannt, weil wir im Laden wie ein Ehepaar diskutiert haben: „Wir nehmen das – nein, wir nehmen das nicht, wir nehmen besser das.“ Lacht. Die anderen zwei haben einfach nur zugehört. Und unserer Alaska-Erfahrung vertraut.

Spielte diese Vorerfahrung auch eine Rolle bei der Routenplanung?

Wenn Hélias und ich auf eine Alaska-Karte blicken, können wir das Gelände wirklich lesen - weil wir eben schon 2019 dort gewesen sind. Wir wussten, was eine Gletschermoräne in Alaska bedeutet und wie man sich mit einem 100-Kilo-Schlitten auf einem Gletscher fortbewegt. Wir wussten, wo wir uns mit solchen Schlitten fortbewegen können und wo nicht.

Dieses Moränen-Gelände in Alaska sieht furchtbar aus.

Ist es auch. Ein Mix aus Sand, Steinen, etwas Eis und Schnee und einem Dschungel aus Büschen. Irgendwann akzeptierst du einfach, dass du da durch und drüber musst. Diesmal war es nicht so schlimm wie bei der Mount Logan-Expedition – da haben wir für 30 Kilometer Moränengelände vier Tage gebraucht. Diesmal haben wir nur zwei Tage gebraucht.

Habt ihr Drohnen zum Navigieren eingesetzt?

Das war sogar ihr Hauptzweck. Wenn man 100-Kilo-Schlitten zieht, kann man sich einfach keine falschen Routen leisten. Wir ließen die Drohne 100 Meter hoch fliegen, machten Fotos, zoomten auf dem Handy heran und wählten die beste Route aus. Das ist wie Kartografie in Echtzeit. Sehr nützlich auf Gletschern, in den Moränen, aber auch auf Flüssen – um zum Beispiel Stromschnellen zu erkunden, bevor man sich darauf einlässt. Eigentlich sind Drohnen im Denali-Naturschutzgebiet verboten. Die Ranger haben uns darauf hingewiesen. Später, als wir sie außerhalb vom Dienst in einer Bar getroffen haben, haben wir erzählt, dass wir die Drohnen auch für unsere Sicherheit und die Navigation dabei hätten. Da haben sie nur gesagt: „Davon haben wir nichts gehört.“ Lachen.

Das Risiko im Kopf ist das eine – doch wie überlebt man konkret bei –40 °C, wenn selbst der Gang vor das Zelt zur Lebensaufgabe wird? Erfahre im zweiten Teil, warum Alexandre Marchesseau für diese Reise seine geliebten Monoski opferte, wie Drohnen bei der Navigation durch Gletscherspalten halfen und warum am Ende ein wenig biologisch abbaubarer Glitzer über das Gipfelglück entschied.

Die Expedition (Anfang April – Ende Mai 2023)

war eine Nord-Süd-Durchquerung des Denali-Massivs mit anschließender Fluss- und Küstenpassage. Insgesamt legte das Team etwa 500 Kilometer zurück. Die Route lässt sich in mehrere Abschnitte gliedern:

1. Anflug und Einstieg in die Alaska Range

  • Bush-Plane-Drop nördlich des Denali-Massivs, nahe der letzten Straßenanbindung (Stampede/Healy-Region).

  • Start der Traverse mit Skiern und Pulka-Schlitten.

2. Gletschertraverse zum Kahiltna-System

  • Über mehrere Gletscher und Moränenfelder Richtung Süden.

  • Übergang über den Kahiltna Pass ins zentrale Denali-Massiv.

3. Denali

  • Aufstieg vom Denali Base Camp (Kahiltna Glacier).

  • Besteigung des Denali (6190 m) und Abfahrt auf Skiern.

4. Mount Foraker

  • Wechsel zur Sultana Ridge.

  • Besteigung des Mount Foraker (5304 m).

5. Westliche Ausfahrt aus der Alaska Range

  • Abfahrt und Gletscherquerung Richtung Westen aus dem Gebirge.

  • Übergang von Schnee/Gletscher in Moränen- und Buschgelände.

6. Flussetappe mit Packrafts

  • Einstieg in das Flusssystem Richtung Cook Inlet / Susitna-Region.

  • Mehrtägige Packraft-Passage durch Flüsse und Sümpfe.

7. Küstenabschnitt

  • Weiterfahrt über Flüsse und Meeresarme bis zur Küste.

  • Abschluss nahe Anchorage / Cook Inlet.

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