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Schnee von morgen

Schnee von Morgen | Grüne Winterpracht

Schneekanonen und österreichische Tradition

17.02.2025 von Deniz Branke
Schon die Zauberworte „Winter Opening“ und „Saisonstart“ lassen die Wintersportherzen höherschlagen. Auf allen Kanälen verbreiten die Marketingabteilungen der Skigebiete traumhafte Winterlandschaften und Schneekulissen. Alles wieder offen! Optimismus macht sich breit: Der Winter ist da! Ski und Snowboard werden aus dem Keller geholt und voller Vorfreude frisch gewachselt. Und dann heißts „Auffi auf‘n Berg!“.

Die Realitätsklatsche

Grün und Braun, dazwischen etwas Weiß. Na Servus! Statt weißer Pracht wird man von sich fröhlich dahinschlängelnden weißen Bahnen zwischen Wald, Wiesen und Liftstützen bei 15 Grad Außentemperatur erwartet. Unter romantisch verschneiten alpinen Landschaften stellt man sich dann doch irgendwie was anderes vor. Und überhaupt, wie kommt der Schnee eigentlich dorthin? Die Antwort und Lösung auf all unsere Probleme (eigentlich die Probleme der Touristiker und Skigebietsbetreibenden): Kunstschnee. Kunstschnee, oder auch technischer Schnee genannt, ist in vielen Skigebieten zur unverzichtbaren Grundlage für eine erfolgreiche Wintersaison geworden. Vor allem für Skigebiete in tieferen Lagen kann die Schneesicherheit mittlerweile nur noch durch den Einsatz von künstlichem Schnee gewährleistet werden.

Ist Schnee gleich Schnee?

Kunstschnee besteht wie Naturschnee aus Wasser, hat aber durch den Herstellungsprozess eine andere kristalline Struktur. Das Wasser für die Herstellung kommt aus Schmelzwasserbächen oder künstlich angelegten Stauseen. Dieses wird den Propellerkanonen zugeführt und von den Schneekanonen als Wassertröpfchen in die Luft gesprüht. Durch die kalten Temperaturen frieren sie von außen nach innen zu Eiskügelchen. Kunstschnee ist luftundurchlässiger, kompakter und weniger wärmedämmend und enthält Mineralien. So weit, so gut. Doch mit dem stetig zunehmenden Einsatz werden auch kritische Stimmen immer lauter.

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Kritischen Stimmen

Die Herstellung von Kunstschnee hat negative Auswirkungen auf das Klima, unsere Umwelt und Ökosysteme. Die Produktion von Kunstschnee geht mit einem enorm hohen Wasser- und Energieverbrauch einher und hat einen negativen Einfluss auf den natürlichen Wasserhaushalt. Auch die Lärmbelastung durch eine künstliche Beschneiung spielt eine wichtige Rolle, denn Schneekanonen werden vor allem am Abend eingesetzt.

Es geht um Identität

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für den Wintertourismus, weil die steigenden Temperaturen zu weniger Schneefall führen. Ein Teufelskreis, der sich scheinbar nicht schließen lässt:

Klimawandel = weniger natürlicher Schnee = keine Schneesicherheit = weniger Wintertourismus = weniger Umsatz = mehr Kunstschnee = mehr Energie- und Wasserverbrauch = mehr Klimawandel und so weiter und so fort. Und trotzdem stieg der Umsatz der Seilbahnbetriebe in Österreich in der Wintersaison 2022/2023 auf einen neuen Höchstwert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Österreich ohne Wintertourismus, Skifahren ohne Einkehr, Einkehren ohne Hütten, Hütte ohne Kaiserschmarrn – kaum vorstellbar. Der Wintersport ist Teil der österreichischen Identität, und das ist gut so. Doch aufgepasst: Jetzt kommt kein ABER, sondern ein WEIL. Denn WEIL der Wintersport ein so wichtiger (wirtschaftlicher, kultureller und sozialer) Teil Österreichs ist, sollten wir uns nicht verstärkt um das Klima, unsere Umwelt und unsere Ökosysteme kümmern?

Kann man in Zeiten der Klimakrise also noch Skifahren gehen?

Ein klares Jein! Die Wahl des Skigebietes spielt dabei eine große Rolle. Trotz des Klimawandels und ausbleibenden Niederschlägen verfolgen vor allem große Skigebiete weiterhin Expansionsvorhaben, die unter anderem mit dem Bau neuer Speicherseen und Pumpstationen einhergehen. Statt in riesige Skigebiete zu fahren, kann man kleine Skigebiete vor der Haustüre unterstützen. Im Bestfall sind diese sogar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. So stärkt man unter anderem die regionale Wertschöpfung und vermindert gleichzeitig die Verkehrsbelastungen in den betroffenen Gebieten. Das betrifft übrigens auch die PistenskitourengeherInnen.

Vor dem Naturerlebnis sollten Informationen eingeholt werden

Immer mehr Wintersportbegeisterte möchten Skigebiete und deren Ausbau nicht unterstützen und/oder die pure, unverbaute Natur genießen. Neben den klassischen Wintersportarten wie Skifahren und Snowboarden erfreuen sich immer mehr Menschen an Aktivitäten abseits der Piste. Besonders beliebt sind Winterwanderungen, Schneeschuhwanderungen und Skitourengehen – ein Trend, der die Faszination für unberührte Natur und sportliche Herausforderung gleichermaßen widerspiegelt. Ein achtsamer Umgang mit der Natur liegt in der Verantwortung aller, die ihre Freizeit im Winter draußen verbringen – insbesondere der SkitourengeherInnen.

Fair-Play-Regeln für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur

  • Bleibt auf markierten Wegen und Routen

  • Vermeide Lärm, um Wildtiere nicht unnötig aufzuschrecken

  • Verzichte im freien Gelände auf Touren in der Dämmerung und bei Nacht. Das ist für viele Tiere die Zeit der Nahrungsaufnahme.

  • Der Waldrand soll nur in direkter Linie durchquert und schneefreie Flächen sollten vermieden werden: Sie sind die Lieblingsplätze der Wildtiere.

  • Respektiere Wildruhegebiete und halte Abstand von Einstandsbereichen und Fütterungen.

  • Schutzwälder, die vor Lawinen, Schneemassen, Muren und anderen Naturgefahren schützen, sollten geschont und nicht befahren werden.

  • Das Betreten und Befahren von Jungwäldern unter einer Höhe von drei Metern ist laut dem Österreichischen Forstgesetz verboten. Bei der Abfahrt können mit den scharfen Kanten der Skier große Schäden an den Jungbäumen unter dem Schnee angerichtet werden.

Spannungsfeld „umweltfreundlicher“ Wintersport

Wenn du deine Freizeit draußen verbringst - besonders im Winter - hast du immer Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, die Umwelt und das Klima. Umso wichtiger ist es, sich dessen bewusst zu sein und auf Basis dieses Wissens umweltverträgliche Entscheidungen zu treffen.

Mit der richtigen Tourenplanung und einer verträglichen Tageszeit sind bereits wichtige Schritte getan. Das Tourenportal alpenvereinaktiv.com zeigt alle relevanten Schutzgebiete und Lenkungsmaßnahmen an, damit SportlerInnen ihre Touren mit Bedacht planen können. Wer sich weiter informieren möchte, findet bei RespektAmBerg - einer Initiative des Österreichischen Alpenvereins - alle wichtigen Informationen, die für ein natur- und sozialverträgliches Miteinander in den Bergen nötig sind.

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