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Abenteuer & Reisen

Abenteuer Georgien - Ghebi

Das Improtheater auf der Suche nach dem Tal ohne Wind und ohne Lawinen

01.01.2026
Johanna Korte Till Mangesius
Die Wochen vor unserem Abenteuer waren geprägt von Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Deshalb waren wir uns bei dem Ziel unseres Trips alle einig: Wir wollten so sicher wie möglich unterwegs sein und dabei so viel Spaß wie möglich haben!

Vorbereitung und Ankunft

Wie viele andere hat es auch uns – Teja, Fritz, Till und Jojo – diese Saison nach Georgien gezogen. Was schon lange auf unserer To-do-Liste stand, wurde nun endlich umgesetzt. Zuhause haben wir uns ein wenig mit der Umgebung auseinandergesetzt und zumindest ausgelotet, wo wir nicht hin wollen. Am Ende kam ein umfangreicher und gut durchdachter Plan dabei heraus:

  • Losfliegen

  • Ankommen

  • (Hoffentlich) Auto von einem zwielichtig anmutenden Verleihkontakt einsammeln → dazu gleich mehr

  • Losfahren Richtung Ghebi

  • Skifahren bzw. Skitouren

  • Vielleicht noch nach Mestia/Ushgulli fahren

  • Zurückfliegen

Trotz dieser „umfangreichen“ Planung lief erstaunlich wenig schief und wir konnten unseren Trip liebevoll „Improtheater“ taufen. Das erste Highlight der Reise folgte direkt nach unserer Ankunft. Wir (Till und Jojo) waren schon mal voraus geflogen und hatten die ehrenvolle Aufgabe, unser Gefährt abzuholen. Nach einigem Hin und Her entdeckten wir das Auto in einem relativ heruntergekommenen Hinterhof und kurz darauf kam auch schon die Polizei mit Blaulicht und Sirene um die Ecke gebogen.

Der Schreck und die Unsicherheit waren groß (am ersten Tag in eine illegale Autoschieberei involviert zu werden stand nicht auf unserer To-do-Liste), allerdings entpuppte sich der Polizist nur als unser offizielles und mobiles Autoverleihbüro. Nach kurzem Bargeld Austausch durften wir das Auto mitnehmen und so begann das Abenteuer in diesem weitentfernten Land.

Die ersten Tage des Improtheaters

Zweiter Tag für uns (Till und Jojo), war der Ankunftstag für Teja und Fritz. Das hieß für uns: Die beiden am Flughafen einsammeln und direkt Richtung Berge düsen, um den müden Beinen im Skigebiet Gudauri ein wenig Auslauf zu gönnen. Leider variierte die Sicht zwischen sehr schlecht und White-Out sowie extrem windverblasenen und verpressten Schnee. Aber egal, Hauptsache Bewegung. Das Skigebiet ist, soweit wir das einschätzen konnten, relativ flach, bietet aber wahrscheinlich ein paar coole Freeride-Möglichkeiten.

Nun gut. Wir entschieden uns nach einer kurzen Kaffeepause relativ früh (so gegen 2 Uhr am Nachmittag) weiter Richtung Ghebi zu fahren. Alles wieder ins Auto und ab auf die Strassen des Landes. Natürlich hatten wir nicht bedacht, dass das Skigebiet nicht wirklich auf dem Weg lag und mussten wieder einiges der Strecke zurück fahren, bevor wir wirklich Richtung Ghebi auf dem Weg waren. Als Konsequenz mussten wir uns auf dem Weg eine Unterkunft suchen, die Wahl viel auf: Oni.

Auf der Karte sah Oni relativ groß aus, zumindest mit einigen Unterkünften. Die Realität sah anders aus und so irrten wir ca. 2 Stunden, hungrig durch die Stadt bis uns endlich das Guesthouse Madana Unterschlupf gewährte. Leider konnte sie beim Thema Essen nicht helfen und so landeten wir beim Spar und kauften Pesto und Pasta. Kein besonders lokaler Start in unseren Urlaub.

Wie dem auch sei: Wir hatten Essen, 3 ½ Betten und uns war warm.

Eine Erkenntnis, die uns erst einige Tage später kam, aber schon in Oni spürbar war: Hochsaison für Tourismus ist in Georgien im Sommer. Viele Unterkünfte haben im Winter einfach geschlossen, vielleicht weil die Bewirtung und das Schneeräumen zu mühsam ist, oder weil im Winter wirklich nicht so viele Touris unterwegs sind…

Endlich richtig Skitouren

Nachdem wir uns ein wenig mehr mit den Straßen und anderen Widrigkeiten vertraut gemacht hatten, konnten wir am zweiten Tag endlich eine Skitour mit Sonnenschein gehen. Direkt vom kleinen Ort Chiora aus haben wir uns eine entspannte, flache Skitour über einen Rücken in Richtung Norden herausgesucht. Hier wartete auch schon das nächste Learning auf uns. Obwohl alles sehr hoch liegt, wird der Schnee in den südlich ausgerichteten Hängen sehr schnell nass und schwer. Zugegeben, wir waren nicht die Schnellsten und auch nicht die Frühesten, dennoch haben wir etwas gelernt. Der Schnee auf dem westlichen Gipfelhang war top und unsere erste Tour hat uns ein wunderschönes Panorama und auch Einblicke in die Schneedecke (Schneeprofile) gewährt.

Glücklich und müde von den ersten Kilometern und Höhenmetern im Schnee kamen wir am Auto an und nahmen die abenteuerliche Fahrt Richtung Ghebi in Angriff. Hier zeigte sich zum ersten von vielen Malen, wie viel Glück wir mit dem Timing unseres Abenteuers hatten. Die komplett eingeschneite Straße hatte sich nach mehreren Metern Neuschnee der vergangenen Wochen, welche die Straße unpassierbar gemacht hatten, in eine einspurige, aber in beide Richtungen befahrene Spurrille verwandelt. Bei Gegenverkehr hieß es: Nerven bewahren und hoffen, dass die Seitenwand aus Schnee weich ist. So konnten wir das ein oder andere spannende Manöver beobachten oder selbst erleben.

Abenteuer Straße

Die Straßen sind nicht geräumt, unter Umständen sehr glatt (hier gab es meistens verschiedene Meinungen zwischen Mitfahrenden und FahrerIn) und die tiefen Schlaglöcher sind mehr oder weniger mit Schnee gefüllt... ABER wir haben ein geliehenes Allrad Monster und natürlich ein übersteigertes Vertrauen in unsere Fahrkünste. Zumindest galt das für 3 von 4 Personen. Die schlechten Strassenverhältnisse führten für Teja zu diversen Nahtod Erfahrungen, gekennzeichnet durch einen mahnend erhobenen Zeigefinger und/oder panisches Festkrallen in diverse Gegenstände der Inneneinrichtung des Autos. Dafür jedoch hielten sich die tatsächlichen Autozwischenfälle in Grenzen:

  • 1x Festfahren (90% Jojo, 10% Till)

  • 1x unbeabsichtigtes Driften im Kreisverkehr mit Polizei Beobachtung (Fritz)

  • 1x Blitzeis- Seitenwand- Drift (Till)

vs.

  • 100 x mahnend erhobene Zeigefinger (Teja)

Am Ende sind wir immer wohlbehalten angekommen und auch die Kaution vom Auto haben wir zurück bekommen.

Ghebi und die Innenarchitekten

In Ghebi hatten wir mehr Glück bei der Suche nach einer Unterkunft, will heißen: nach der vierten nicht geöffneten Unterkunft vermittelte uns ein sehr netter Einwohner Ghebis an eine der (gefühlt) zwei geöffneten Unterkünfte des Orts. Dort angekommen, erwartete uns eine eher schlechte Parksituation, weshalb wir beschlossen, die festgefahrene Straße zu verlassen. Dieses Manöver endete in einer zweistündigen Schaufel Aktion um das festgefahrene Auto zu befreien, trotz der sofort zur Hilfe eilenden Gastgeberin, sowie sämtlicher Nachbarn.

Zur Belohnung erwartete uns das nächste Learning: Preise sind in Georgien meistens verhandlbar und so war unser Aufenthalt in Ghebi doch nicht so teuer wie befürchtet. Anstatt zwei Zweibettzimmer haben wir ein Dreibettzimmer für uns ergattern können und auch noch Abendessen und Frühstück direkt vor Ort bekommen. Das Guesthaus Brilli ist super ausgestattet und hat uns mit hervorragendem Essen versorgt.

Von der Unterkuft aus konnten wir direkt durch das Dorf mit unseren Fellen loslaufen und standen in wenigen Höhenmetern vor einem riesigen Areal voller Spielgelegenheiten. Da unsere Informationen sowie die Rettungsmöglichkeiten sehr begrenzt waren, entschieden wir uns für die defensivsten Varianten.

Nach mehreren Schneeprofilen und Stabilitätstests haben wir uns dann aber doch weg von den “Baby” Spines in eine Rinne getraut. Die Rinne war von unserer ersten Tour aus schon gut zu sehen, hatte die perfekte Ausrichtung, allerdings war sie doch nochmal ein gutes Stück weg. Lösung: Schneehöhle bauen, um Höhenmeter zu sparen.

Der Plottwist kommt zum Schluss

Gesagt, getan. Leider hatten unsere Innenarchitekten nicht mit der mangelnden Schneetiefe kalkuliert, sodass die Decke ein wenig dünn geraten ist und wir mitten in der Nacht eine Evakuierungsaktion starten mussten. Dass diese Nacht nicht die erholsamste war, kann man sich wohl vorstellen. Dazu kam, dass wir mit zu wenig Essen geplant hatten und nur 25% unseres Teams damit klar kamen, sodass Teja das Spuren am nächsten Tag übernehmen musste.

Nichtsdestotrotz kamen wir an, hatten eine geile Abfahrt und würden alle gerne wieder einmal dorthin zurück, nur mit mehr Essen und besseren Innenarchitekten. :P

Insgesamt waren wir vier Tage in Ghebi und haben einiges erlebt. Die Tracks der Touren unter den Fotos in der Galerie nachvollziehen.

Passend zu dieser Reise wollen wir euch einen Ort nicht vorenthalten: Wir nehmen euch mit nach Mestia zur CloudBase Hut. Umgeben von unberührter Natur und dem Blick auf den Ushba, bietet sie genau jene Mischung aus Abenteuer und Einsamkeit, die Swanetien so einzigartig macht. Im weiteren Verlauf unserer Reise nehmen wir diesen Spot nun genauer unter die Lupe.

Fotogalerie

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