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Interviews

PowderPeople | Tiemo Rolshoven

Ein kurzes Gespräch mit einem vielversprechenden Rider der FWT

26.03.2026
Martin Svejkovsky
Tiemo Rolshoven ist 21 Jahre und startet seit letzter Saison für Deutschland auf der Freeride World Tour. Er ist bekannt für fette Tricks, aber zeigt auch konstant gutes Skifahren in technisch extrem anspruchsvollem Gelände. In einem kurzen Gespräch anlässlich der ersten FIS Freeride World Championship in Ordino-Arcalis verriet er uns wie er zum Freeriden kam und wie er sich selbst als Skifahrer charakterisieren würde.

PowderGuide:
Hey Tiemo, vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Zunächst musst du mir noch etwas erklären. Du startest bei der FWT für Deutschland. In deiner Insta-Bio findest du neben der deutschen auch die kanadische Flagge, und gerade unterhalten wir uns in breitem Vorarlberger Dialekt. Wie kommt es dazu?

Tiemo:
Ich bin in der Schweiz geboren, dort habe ich circa zweieinhalb Jahre gelebt, dann bin ich nach Feldkirch gezogen und dort aufgewachsen, bis ich 19 war. Mit 19 bin ich schließlich zurück in die Schweiz gezogen. Meine Mutter ist French Canadian, sie kommt aus Montréal und mein Vater ist Berliner. Ich selbst wohne nun in der Westschweiz, fahre aber unter der deutschen Flagge.

Das heißt du sprichst auch mehrere Sprachen?

Ja genau, ich spreche Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch und wie du hören kannst auch den Vorarlberger Dialekt (Lachen).

Gut, dann haben wir das nun geklärt. Kommen wir mal zum Skifahren: Viele Freerider sind ja ursprünglich einmal als Rennfahrer gestartet, wie fing es bei dir an?

Also Rennfahren habe ich zwar nie sehr ernst genommen, aber bis ich ca. 8 Jahre alt war, bin ich tatsächlich im Verein regionale Rennen gefahren. Es macht mir aber weniger Spaß als Freeriden und so begann ich mit 14 am Freeride-Training teilzunehmen. Zunächst war ich oft im Montafon und mit 16 begann ich schließlich mit Stefan Heusl am Arlberg zu trainieren. Meine ersten Contests habe ich mit 14 gemacht, anschließend dann die Junior und Qualifier-Events der FWT und jetzt bin ich Teil der Tour.

Das heißt, deine heutigen Freunde, mit denen du viel Skifährst, waren und sind auch heute noch deine Trainingspartner?

Zwischen meinem 16. und 19. Lebensjahr und auch schon davor, bin ich viel mit meinen Freunden in Vorarlberg gefahren. Dazu zählen unter anderem Jake Müller und sein Bruder, mein Bruder Mika, Flo Michelini, David Meier und viele weitere. Ich vergess sicher noch ganz viele Leute. Und seit ich in der Schweiz wohne, fahr ich dort viel mit anderen Westschweizern Ski.

Du warst ja letztes Jahr das erste Mal Teil der FWT und bist es nun das zweite Mal. Hast du so etwas Routine aufgebaut, oder hat es sich für dich letzte Saison gar nicht so angefühlt, als wärst du ein Rookie? Wie hat sich da deine Wahrnehmung verändert?

Im ersten Jahr ist schon ganz was anderes. Man kennt die Orte noch nicht so gut. Man kennt noch nicht alle Leute und damit auch nicht immer den genauen Ablauf der Events und muss daher lernen vieles neu einzuschätzen. Im zweiten Jahr fällt mir das bereits leichter. Dennoch ist es jedes Jahr wieder spannend, wer den Cut schafft. Denn die Geschichte zeigt es, es ist egal wie oft man schon dabei war. Es gab schon Rider, die haben zweimal hintereinander gewonnen und dann den Cut nicht geschafft.

Ja das stimmt. Ich kann mir vorstellen, dass da schon ein Druck herrscht, daher kommen wir mal zur Wettkampfvorbereitung. Du fährst bereits seit deiner Jugend Competitions, bist du dennoch aufgeregt oder habt ihr im Training auch Strategien gelernt mit mentalen Herausforderungen umzugehen?   

Ich bin immer aufgeregt, vor allem am Vortag ist es oft schwierig. Ich beschäftige mich zwar mit Meditation, aber ich denke trotzdem das diese Anspannung auch dazugehört und irgendwo auch normal ist.

Nochmal zurück zum Skifahrerischen: Du bist ja einer der jüngeren Fahrer im Feld und daher möglicherweise Teil einer neuen Freeride-Generation. Ich finde du zeichnest dich durch deine Tricks aus. Neben dieser neuen Generation gibt es aber auch eine Art des Freeridens das weniger durch Tricks, aber dafür durch steile und schnelle Lines sowie riesige Cliffs auffällt. Würdest du mir bei dieser Unterscheidung zustimmen?

Ich würde das nicht so strikt trennen, wie du es jetzt gesagt hast. Ich selbst sehe bei mir von allem ein bisschen, weil ich mich nie rein auf Freestyle konzentriert habe. Natürlich gibt es Leute, die noch mehr in eine Freestyle Richtung gehen und diejenigen, die eher in eine Big Mountain Richtung gehen. Ich würde mich schon ziemlich in der Mitte einordnen, mit ein bisschen mehr Fokus auf Freestyle. 

Apropos Freestyle: ich habe bei Instagram gesehen, dass du im Sommer viel Cliffdiven gehst. Wie schaut denn dein Sommer so aus? Wie bereitest du dich auf den Winter vor?

Im Sommer mache ich grundsätzlich das, worauf ich Lust habe, und verzichte auf einen strikten Trainingsplan. Ich bin viel Klippenspringen, Mountainbiken und Surfen. Letzten Sommer war ich zum ersten Mal in Neuseeland Skifahren. Außerdem studiere ich Maschinenbau in Lausanne. Da im Winter hierfür oft wenig Zeit ist, widme ich dem Studium im Sommer mehr Aufmerksamkeit.

Wie war denn das Skifahren in Neuseeland? 

Es war gut, natürlich nicht so guter und viel Schnee wie in Europa, aber dafür ist der Vibe und Spirit dort war ein anderer und es war sehr cool.

Die letzte Frage wäre folgende: Du hast ja an der ersten FIS Freeride World Championship in Andorra teilgenommen. Gab es dabei für dich einen Unterschied zu anderen Stopps der „normalen“ Freeride World Tour?

Um ehrlich zu sein schon, da das Ergebnis keine Auswirkungen auf das Tourranking hatte, gab es weniger Druck. Man hat nicht im Hinterkopf: "Ah, ich muss ein gewisses Ergebnis schaffen, um irgendwie im Cut zu bleiben" und daher strategisch fahren, sondern es ist freier. Eigentlich kann man nur gewinnen und daher All-In gehen. Von dem her ist es schon ein anderes Gefühl, nicht besser oder schlechter, aber anders.

Cool! Vielen Dank für deine Zeit Tiemo und viel Erfolg für die nächsten Stopps der FWT und den Rest der Saison.

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