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Interviews

PowderPeople | Lena Kohler

Vom alpinen Skifahren zur besten deutschen Freeriderin

26.02.2026
Timo Macvan
Die neue Saison der Freeride World Tour ist bereits im vollen Gange. Ein spannender Auftakt in die Saison 2026, in der die besten Freeriderinnen und Freerider der Welt, auf einem und zwei Brettern, auserkoren werden. PowderGuide wird auch dieses Jahr wieder hautnah und live von der Tour berichten. In diesem Jahr hatten wir bereits die Möglichkeit, eine der absoluten Senkrechtstarterinnen der letzten Jahre zu einem Interview zu bewegen und vor die Linse zu bekommen. Es geht um den Weg vom Leistungsdruck im alpinen System, mentale Tiefpunkte auf der Freeride World Tour und die Suche nach echter Freiheit am Berg. Lena spricht offen über ihren Weg vom Rennen-Fahren ins Freeriden. Es geht um das Lernen aus Fehlern, prozessorientiertes Denken statt Ergebnisfixierung, Verantwortung im Risikosport und darum, warum sie heute Lines nach Gefühl und nicht nach Punkten fährt.

Servus Lena, cool, dass du da bist. Wir starten, wie besprochen, ganz entspannt: Nimm uns mal mit: Wie bist du zum Skifahren gekommen? Was hat dich daran fasziniert, und wer hat dich inspiriert? Wie waren deine Anfänge?

Ganz klar: meine Eltern. Ich habe ziemlich jung angefangen mit dem Skifahren. Mein Bruder ist, glaub ich, mit zwei schon auf Plastikski durch die Gegend gelaufen und ich hab mit drei Jahren mit Skifahren begonnen. Ganz klassisch, wie bei Vielen: Erst im Skikurs und dann war ich immer viel mit meinen Eltern Skifahren.

Unsere Eltern haben uns schon immer alles ausprobieren lassen – Egal ob auf Skiern oder andere Sportarten. Ich hab gefühlt jede Sportart zumindest mal kurz ausprobiert: Badminton, Klettern, Skifahren, einfach alles mal. Beim Skifahren sind wir dann auch zum Rennenfahren gekommen. Das hat mir schon als junges Kind richtig gut gefallen und da bin ich irgendwie hängen geblieben.


Seid ihr denn im Skigebiet oder in der Nähe aufgewachsen?

Nein, in Benningen, Nähe Memmingen. Das ist nicht super weit von den Bergen entfernt, aber auch nicht wirklich nahe.


Das Tor zum Allgäu.

Ja – noch ein Stück weiter. Es war meistens so eine Stunde, was man ins Skigebiet gefahren ist.


Wie hat das dann mit dem Rennen fahren funktioniert – Mit dem Training und den Wettkämpfen?

Boah, das ist etwas, da habe ich richtig Respekt vor meinen Eltern. Die haben uns immer überall hingefahren. Mein Dad hat Vollzeit gearbeitet, meine Mama Teilzeit und sie haben uns unter der Woche oft nach dem Arbeiten abgeholt und dann noch ins Training gefahren. Und trotzdem waren wir am Wochenende, Freitag, Samstag, Sonntag, sowieso immer Skifahren. Dienstag oder Donnerstag war oft nachmittags oder abends Training. Da wurden wir immer wieder auch direkt von der Schule eingesammelt und dann zum Training gefahren.

Mein Dad ist dann irgendwann auch selbst Trainer geworden. Aber tatsächlich sind wir nicht Athleten geworden, weil unser Dad Trainer war, sondern eher andersrum. Er ist Trainer geworden, weil wir Skirennen gefahren sind. Er hat gemerkt, dass er das richtig gut kann, es ihm Spaß macht und dann hat sich das so ergeben.


Und wie ging’s dann weiter – Jugendjahre, Entwicklung?

Erst klassisch mit meinen Eltern Ski gefahren, dann Kinderrennen ausprobiert. Relativ schnell wurde ich gefragt, ob ich in den Allgäuer Skiverband wechseln möchte. Ich habe mir das dann angeschaut und es hat mir voll getaugt.

Ich habe dann mit zehn angefangen im Kader zu fahren und das habe ich bis ich 16 Jahre alt war eigentlich durchgezogen. Zwar mit ein paar Pausen, weil ich einige Stuggles hatte: Trainerprobleme (obwohl ich glücklicherweise sagen kann den größten Teil der Zeit, hatte ich super Coaches), Umgang mit Druck, kurzzeitig hab ich mich in einem Team dann auch nicht wirklich wohl gefühlt und so weiter. Da kam einiges zusammen. Mit 16 habe ich daher dann eine kleine Pause gemacht und anschließend bin ich dann nochmal zwei Jahre gefahren. Und dann kam auch schon langsam der Übergang zum Freeriden.

Gutes Stichwort: Wie ist es dazu gekommen? Waren deine ersten Freeride-Erfahrungen schon Teil deines Skifahrens zu Hause?

Nein, überhaupt nicht. Mein Dad ist mit uns viel Buckelpiste gefahren, weil das so sein Ding war. Aber sonst war ich früher kaum abseits unterwegs.

Aber dann habe ich gemerkt: Rennenfahren ist nicht mehr meins. Ich liebe den Sport immer noch, aber irgendwas hat nicht mehr gepasst. Ich war nicht happy, nicht zufrieden, hab mich nicht wohlgefühlt. Nach dem Abi habe ich dann beschlossen, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Ich hab mich hierbei für die Anfangszeit für Japan entschieden, ich wollte eigentlich etwas länger bleiben, aber dann kam Covid und so ist auch aus den weiteren geplanten Trips am Ende leider nichts geworden. Vor Ort in Japan hatte ich dann tatsächlich meinen ersten richtigen Offpiste-Tag. Ich habe im Sommer 2019 mein Abitur gemacht und bin dann eben in dem Winter 2019/20 nach Japan geflogen, also zum ersten Lockdown. Im ersten Monat war ich über eine Organisation vor Ort und die restlichen zwei Monate bin ich dann eigenständig herumgereist.

Hierbei bin ich erst nach Hakuba und dann weiter nach Hokkaido gefolgen. Ich war im Skigebiet und auf Skitouren unterwegs. Das waren die ersten Tage, an denen ich abseits der Piste unterwegs war.

Was hat dich daran fasziniert, dass du gesagt hast: Das möchte ich weiterverfolgen und vielleicht auch kompetitiv?

Ich glaub, das hat ziemlich lange gedauert. Zu dem Zeitpunkt habe ich gar nicht beschlossen, dass ich das kompetitiv machen will. Ich habe zwar mal zu einem Kumpel gesagt, als wir der World Tour zugeschaut haben: „Boah, das möchte ich auch machen. Da hätte ich schon Bock drauf.“ Aber ich habe es nicht wirklich manifestiert. Ich hatte eher das Gefühl, ich brauch was Neues zum Rennsport. Ich brauche Abwechslung. Etwas, wo ich einfach machen kann und den Kopf frei habe. Ohne Druck und Ehrgeiz. Etwas, dass sich einfach und natürlich anfühlt. Das hat es mir voll gegeben. Das, was ich damals gemacht hab und was ich jetzt mache, ist in keiner Weise vergleichbar. Ich bin nichts gesprungen oder so. Ich bin auf Skitouren gegangen und habe „Tree-runs“ im Resort gemacht. Aber ich habe mich frei gefühlt und entspannt. Und davon wollte ich mehr!


Also erst mal was Neues und gar nicht unbedingt kompetitiv? Was hat dich dann doch dazu bewegt?

Nee. Ich habe mir damals, nachdem Rennlauf sogar geschworen, dass ich niemals mehr an Skiwettkämpfen teilnehmen möchte.
Aber dann kam es zu so einem klassischen Innsbruck-Effekt. Ich bin hergezogen, schon wegen des Skifahrens, und hab viele Leute kennengelernt, die das sehr intensiv betrieben haben. Ich war dann ständig mit denen unterwegs und die haben mich immer wieder gepusht. Sowohl vom Skill her, als auch dazu mal Comps auszuprobieren.

Ich habe immer gesagt: „Nee, nee, ich will keine Wettkämpfe mehr.“ Und dann hab ich einmal einen gemacht im Alpbachtal und irgendwie fand ich’s ziemlich nice. Dann bin ich dabei geblieben.


Wie lange liegt das jetzt zurück?

Das ist jetzt ungefähr drei Jahre her.


Wenn du an dich von vor drei Jahren denkst: Hattest du da den Gedanken „World Tour“ als Ziel? Und wie waren die zwei Jahre davor? Was lief gut, was nicht?

Ja – Definitiv! Man glaubt nicht 100 Prozent dran, aber in dem Moment, wo ich das erste Mal an einem Comp teilgenommen habe, habe ich gedacht: „Irgendwann fahr ich in der Tour!“ Ich hätte das nie jemandem erzählt, aber ich hatte es schon immer im Kopf.

Es hat sich unglaublich viel verändert und auch ergeben. Ich habe den Contest im Alpbachtal mitgemacht und dann hatte ich erstmal das restliche Jahr Pause, weil das war am Ende der Saison. Und das Jahr drauf habe ich wirklich angefangen, Contests zu fahren. Ich bin direkt nach Verbier, da gibt es die Möglichkeit an der Freeride Week teilzunehmen, wo du mehrere Comps in einer Woche hast.

Da habe ich den 2-Stern Wettbewerb Only-Women-Contest direkt gewonnen. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich gar keine Ahnung, was ich da gemacht hab. Eine Freundin aus Innsbruck hat mir meine Line rausgesucht. Ich habe einfach gemacht, was sie gesagt hat. Sie meinte zu mir: „Das ist ein nices Cliff.“ Darauf wollte ich ihr entgegnen, dass es mir zu groß sei. Aber sie meinte: „Lena, spring das.“  und dann habe ich so 1 zu 1 gemacht, was sie gesagt hat.

Auch bei Contests danach hatte ich echt wenig Ahnung. Ich habe mich ständig im Hang verfahren. Ich glaube wirklich, 50 Prozent der Comps im ersten Jahr bin ich nicht da gefahren, wo ich fahren wollte. Aber genau das hat voll viel gebracht: Orientierung lernen, mein Skilllevel einschätzen, nicht drüberfahren, selten crashen, aber auch nicht komplett unter meinem Level fahren.
Es ist halt etwas komplett Anderes, wenn du das Cliff von unten anschaust und dann fährst du von oben aus aufs Take-off zu. Das musste ich lernen.

Jetzt auf der Tour haben wir mehr Zeit zum Facechecken und vor allem bessere Materialien. Auf kleineren Contest hattest du selten Fotomaterial. Ich hatte nur so einen extrem schlechten „Gucker“, da hab ich gefühlt nur Pixel gesehen. Man schätzt mehr ab, und dann musst du halt auch einfach durchfahren, dir vertrauen und dich an Wettkampfbedingungen gewöhnen. Das war alles neu, aber es ging dann auch schnell gut voran.

Die dritte Saison dann direkt auf der World Tour, das war sicher ereignisreich. Wie blickst du darauf zurück? Was waren Herausforderungen, die dich beschäftigt haben?

Es war mega spannend und ich war super nervös. Es war wahrscheinlich das ereignisreichste und schönste Jahr in meiner Freeride-Karriere. Aber auch viele Ups and Downs. Ich habe auch sehr viel über mich lernen dürfen. Und ich will unbedingt die Sachen, die ich dieses Jahr vielleicht falsch gemacht hab, mitnehmen und nächstes Jahr besser machen.

Dadurch, dass es davor so schnell ging - Ein Jahr 2-Stern und direkt 3-Sterne Events, dann sofort zu 4-Stern, Challenger und direkt qualifiziert für die FWT. Ich war es nicht mehr gewohnt, zu entspannen. Ich habe mir zu viel aufgehalst, zu wenig Erholung gegönnt, zu viel gemacht. Meine Ansprüche waren sehr hoch. Überhaupt nicht so sehr Erwartungen von Anderen, sondern meine Erwartungen an mich selbst. Das ist so eine grundlegende Charaktereigenschaft bei mir: Ich erwarte viel, oft zu viel von mir.

Und das war auf der Tour auch so. Manchmal muss ich meine Erwartungen und mich selber etwas herunterschrauben, weil mich das mental schon fertig gemacht hat noch bevor die Tour losging.


Was waren denn die Dingen, die dich vor der Tour gestresst haben?

In Georgien z.B. war mein Druck- und Mental-Management komplett ******** (Jeder kann sich ein Wort denken aber wir möchten auch junge Menschen erreichen).

Wirklich, da war ich in einem ganz schlechten mentalen Space. Und wenn’s dann verschoben wird, hilft mir das überhaupt nicht. Man könnte ja denken, dass ich mich besser vorbereiten kann oder davon ausgehen, dass Conditions besser werden. Aber das gilt nicht für mich. Für mich wurde es eher schlimmer. Georgien war für mich der mental schlimmste Punkt in der Saison.

Aber das ist ein Thema, was ich schon als Kind und Jugendliche mit mir herumtrage. Ich habe mir selbst immer viel Druck gemacht. Erwartungen an mich gestellt, und auch das Gefühl, andere erwarten etwas von mir, oft gehabt. Ich hatte immer das Gefühl, mich in vielen Bereichen – Schule, Studium, Sport, Freundeskreis – beweisen zu müssen und alles auf die Reihe zu bekommen. Ich war auch schon mal an einem Punkt, wo mir Gedanken durch den Kopf gegangen sind wie: Ich habe keine Lust mehr auf Skifahren überhaupt, ich lass es komplett.

Und jetzt bin ich an dem Punkt: Wenn es mir zu viel wird, hab ich da keine Lust drauf. Ich will mir das nicht kaputt machen. Dann versuche ich mich wieder darauf zu konzentrieren, was mir Spaß macht. Denn, wenn ich mir Druck mache, zerstört das schon einiges an Spaß und am Ende geht es nur darum.

Freeride heißt für dich Spaß, Community, Selbstverwirklichung und Probleme vergessen. Gab es Momente, wo das kompetitive Freeriden eher Probleme gemacht hat?

Ich glaube es kommt auf den einzelnen Menschen an, aber ja - Wettkampf kann in jede Sportart mental belasten und das Ganze kaputt machen. Bei mir ist es so: Ich hatte die Momente. Und wenn es wieder kommt – dieses „Boah, Wettkampfgedanke, ich will performen“ – erinnere ich mich daran: Ich muss nicht performen, ich will. Wenn’s nicht funktioniert, funktioniert es eben nicht. Es ist einfach eine Chance, was zu zeigen. Zu zeigen zu was ich im Stande bin.

Ich versuch mich zu erinnern, warum ich das mache: Genuss und Spaß! Und so geh ich auch an Comps ran. Georgien war ein Beispiel, wo ich einfach durchgepusht hab, obwohl’s mir nicht gut ging.

Ich habe für mich auch einen neuen Weg gefunden den Wettkampfgedanken und Spaß zu verbinden. Beim Lines-Check gehe ich nicht so ran, dass ich schaue welche Line gibt mehr Punkte, sondern ich orinetiere mich daran, was für mich spannend, reizvoll, cool aussieht, worauf ich einfach Lust habe und dann fahr ich das. Klar gibt es Sachen, die mehr Punkte geben. Aber wenn ich auswählen muss zwischen zwei Lines, wo eine Möglichkeit davon weniger Punkte bringt und auch schwieriger ist, ich es mir das aber zutraue an dem Tag, dann fahre ich dort herunter.

Das ist meine Herangehensweise. Und ich glaub auch: So performt man am besten. Wenn man das fährt, was am meisten Spaß macht.


Psychologisch betrachtet: sehr starkes Mindset. Wenn du auf die Saison schaust glaubst du, Georgien macht dich nächstes Jahr konstanter?

Ja. Wenn du struggelst oder crashst, kann man aus alle dem lernen. In Spanien bin ich gecrasht, aber da hatte ich ein solides Mindset. Da lag’s nicht am Mentalen. Da habe ich einfach die Conditions nicht richtig eingeschätzt, aber ich war meiner Linie treu: „Also passt!“.

In Georgien sind viele Sachen zusammengekommen, die nicht gepasst haben. Und ich weiß, wie ich nächstes Jahr anders rangehen kann. Mir ist es dort zu spät aufgefallen, aber wenn ich wieder in so einer Situation wäre, würde ich es jetzt früher erkennen und gegensteuern.

Du studierst und fährst professionell - Wie lässt sich Das vereinbaren?

Ganz klar - Prioritäten setzen.

Man muss sich bewusst sein, was einem wichtig ist, denn man kann nicht alles machen. Mir ist wichtig, dass ich mein Studium abschließe. Aber dann fange ich wahrscheinlich erst mal keinen Master an. Ziel ist, den Bachelor in den nächsten ein bis zwei Monaten abzuschließen, dann mach ich eine Pause. Die letzten Jahre waren viel.

Ich muss überlegen, wie ich meine Zeit nutze und mich nicht zu vollpacken. Das war oft mein Problem: zu viel gemacht, zu selten einfach mal auf der Couch liegen und nichts tun, abschalten.

Bei mir gibt es eine klare Prioritätenliste: Skifahren, Studium, Familie und Freunde – das sind die drei Punkte. Die Reihenfolge beinhaltet keine Bewertung von Wichtigkeiten. Und das Gute ist, Skifahren und Freunde lässt sich gut kombinieren.


Du warst jetzt für dein erstes Filmprojekt unterwegs. Worum geht’s, was war dir wichtig?

Das ist ein Teamfilm vom ganzen Head-Team. Es gibt zwei Teile: einmal den Girls-Movie und dann den Movie des ganzen Teams. Ich bin ein kleiner Teil, aber ich würd sagen, im Girls-Part sieht man uns mehr. Es sollen die verschiedenen Charaktere im Team gezeigt werden, was uns antreibt und motiviert. Das Team ist richtig cool, weil wir sehr unterschiedlich sind. Und man sieht, wie wir uns pushen. Und das verrückte ist jetzt bin ich in einem Movie zu sehen mit Frauen, die für mich Vorbilder waren und es immer noch sind.


Bist du inzwischen selbst Vorbild für Jüngere? Spürst du da eine Verantwortung? Gerade wegen Risiken im Sport in Kombination mit einer bzw. deiner Reichweite?

 Ich glaube, Leute, die Vorbild sind, haben oft trotzdem eigene Vorbilder. Wenn Leute von dem, was ich mache, motiviert werden, ist das das Schönste. Und bei unserem Sport geht’s nicht nur um Leistung, sondern ums Genießen und Spaß haben.

Grundsätzlich hat jeder eine gewisse Vorbildfunktion, ob man es wahrhaben möchte oder nicht. In manchen Sachen wie Lawinenkunde haben wir schon eine Verantwortung, sich angemessen zu verhalten. Aber das legt mir keinen Druck auf. Das geht Hand in Hand.

In Risikosportarten haben alle Athleten und auch Influencer, die Videos posten eine Verantwortung, welche ist: einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sicherheit am Berg zu schaffen, aufgeklärt sein, angepasst handeln. Egal ob große Followerschaft oder nicht, es gibt eine Vorbildfunktion.

Worauf freust du dich in der kommenden Saison?

Alaska ist für uns alle so ein Goal. Das wäre schon der Wahnsinn, wenn ich mich dafür qualifizieren kann.

Und ich freu mich auf die Saison, weil ich letztes Jahr Fehler gemacht habe wie einen zu vollen Kalender, weswegen ich das Skifahren am Ende nicht mehr so gut genießen konnte. Das will ich dieses Jahr besser machen als letztes Jahr. Ich setz mir meine Ziele nicht ergebnisorientiert, sondern prozessorientiert. Ich verspüre gerade extrem Lust, mich weiterzuentwickeln und mein Skifahren zu pushen. Mein Skilllevel zu erweitern, neue Sachen ausprobieren, einfach für mich persönlich.


Im Februar startete zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft, vergleichbar mit dem alpinen Bereich. Hier bist du durch ein komplexes Qualifikationssystem durch deine letzten Leistungen qualifiziert gewesen. Was ist der Unterschied zur Tour?

Es ist cool, ein Event zu haben, das nicht in einer Serie spielt, sondern wirklich ein einmaliges Event ist. Das ist mental eine andere Chance, sich zu pushen. Auf der Tour, auch wenn ich natürlich vorhin das Gegenteil behauptet habe, fährt man unterbewusst schon defensiver, weil es auf den konstanten Abruf von Leistungen ankommt. Die „World-Champs“ sind ein Event, bei dem alle All-in gehen können. Auch ich werde sehr offensiv rangehen, fertig.
Da gibt’s wenig Taktik im Verhältnis zur FWT. Conditions spielen natürlich immer rein aber jeder kann zeigen und sein Limit pushen.

ELEVATE: The HEAD Freeskiing Women | Full Film

Wenn du deinem jüngeren Freeride-Ich was mitgeben würdest, was wäre das?

Ich hätte selbstbewusster sein sollen. Heute bin ich das meistens schon, aber am Anfang hatte ich einige wahrgenommene Rückschläge, einfach wegen Kleinigkeiten, die auch von außen, also für mich nicht kontrollierbar waren, mich beeinflusst haben. Jetzt denke ich: traue dich einfach und mache das, was Spaß macht. Ich habe mich gerade zu Beginn etwas verkopft, hatte kein gutes Gefühl, wenn andere zugesehen haben. Und ich bin die Gedanken auch schlecht losgeworden.


Woher kamen diese Gedanken? Was genau waren das für Gedanken?

Ich weiß nicht genau. Aber wenn viele zuschauen, will man vielleicht nicht vor Leuten „versagen“. Das war bei mir schon als Kind/Jugendliche ein Trigger. Und das auszublenden ist wichtig, denn ehrlicherweise niemand juckt es, wirklich niemanden, ob du crashst oder nicht. Leute haben kein anderes Bild von dir. Ich persönlich finde es sogar eher lobenswert und mutig, wenn Leute sich rauslassen und nicht drüber nachdenken, was andere denken. Warum sollten andere über mich negativ denken? Aber als Kind war das immer im Kopf.


Ein cooler Skill, den du gelernt hast.

Ja - Vielleicht ist Wettkampf auch deshalb etwas, das mir Spaß macht. Man lernt viel über sich selbst und kann das optimieren, dass es gut funktioniert. Wettkampfsport hat mir auch geholfen, zum Beispiel bei Drucksituationen. Startdruck habe ich am Anfang nicht gut hingekriegt, heute ist das überhaupt kein Problem mehr.


Reflektierst du das aktiv oder passiert das nebenbei?

Beides. Ich reflektiere schon, auch weil ich viel nachdenke, manchmal auch überdenke. Aber vieles kommt auch unterbewusst. Die Off-Season ist bei mir wichtig: Wenn ich nach dem Winter zwei Monate habe, wo ich gar nicht ans Skifahren denke, passiert im Kopf doch viel, was mir davor nicht bewusst war.

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