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Materialtests

Kurztest | Atomic Shift² 16 MN

Der Vorreiter der Hybrid-Bindungen geht in die nächste Runde

27.02.2026
Pascal Schindler
Die erste Generation der Shift hat das Tourengehen revolutioniert. Mit der Shift² 16 MN verspricht Atomic nun das ultimative Upgrade: Überarbeitete Schwachstellen, mehr Metall und eine komplett neue Fersenkonstruktion sollen die Bindung stärker machen und einen Z-Wert bis 16 ermöglichen. Ist sie wirklich die eierlegende Wollmilchsau für Freerider:innen? Ich habe sie durch Japow gejagt und bin mit ihr über harte Pisten gebrettert, um diese Frage zu beantworten.

Was steckt drinnen in dem Namen Shift² 16 MN?

Bevor wir ins Detail gehen, kläre ich kurz die Bezeichnung, da sie bereits beschreibt, was alles in dieser Bindung steckt.

Zuerst wäre da der Name Shift und der ist auch Programm: Die Bindung "shiftet" zwischen zwei Welten. Bergauf agiert sie als effiziente Pin-Tech-Bindung. Dabei liegt der Drehpunkt sehr nah an den Zehen. Das sorgt für ein natürliches Abrollverhalten und spart Kraft. Außerdem muss man nicht wie bei Rahmenbindungen bei jedem Schritt das Gewicht der gesamten Bindungskonstruktion mit anheben. Am Gipfel verwandelt sich die Shift in eine vollwertige Freeride-Bindung. Hier punktet sie mit dem Auslöseverhalten einer echten Alpin-Bindung.

Das 2 steht für die zweite Genertion der Shift. Mit ihr kamen Upgrades und Verbesserungen der ersten Generation. Bisher war ein maximaler Z-Wert von „nur“ 13 möglich, die wichtigste Neuerung ist das dieser nun bis 16 geht.

Das MN steht für Multi-Norm. Also, dass die Bindung für eigentlich alle gängigen Schuhnormen wie die Alpine (ISO 5355) oder GripWalk (ISO 23223) zertifiziert ist.

Erster Eindruck 

Was mir direkt ins Auge sticht, ist wie „shiny“ diese neue Bindung ist. Das hat auch einen einfachen Grund. Nach dem Motto „Metal is for everyone“ (Freedom Call 2016) ist nicht nur der Hike & Ride Switch sondern auch interne Komponenten nun aus massivem Aluminium gefertigt. Der Hike & Ride Switch ist außerdem etwas größer ausgeführt, was ihn insgesamt deutlich stabiler und mit Handschuhen leichter zu bedienen macht. Mir ist schon beim Herumspielen aufgefallen, dass wenn man die Backen im Hike Modus nach innen drückt, sich der Switch etwas anhebt und so einfacher zu greifen ist.

Das war aber noch nicht alles. Der Fersenbereich wurde vollkommen neu gestaltet. Atomic verbaut hier die Drei-Hebel-Ferse. Diese Konstruktion ermöglicht einen deutlich größeren elastischen Federweg, was für eine bessere Dämpfung bei harten Schlägen und ein verlässlicheres Auslöseverhalten sorgt. Außerdem hält sie den Schuh aktiv in der zentralen Position und drückt ihn nach Belastungen sofort wieder dorthin zurück. Eine überarbeitete Basisplatte aus Metall und Gummi sorgt für Stabilität und dämpft Vibrationen.

Auch die Gleitplatte hat ein Upgrade erhalten, um Probleme der ersten Generation zu lösen. Im Zentrum steht das neue Micro-AFD-Vorderteil mit integriertem Power Block aus Aluminium. Das "Herunterwandern" der Gleitplatte gehört damit der Vergangenheit an und die Kraft wird verlässlich ohne Spiel direkt vom Schuh auf die Bindung und den Ski übertragen

Tester und Testbedingungen

Zu mir, ich bin 1,85 m groß, wiege etwa 78 kg und würde mich als weit fortgeschrittenen Fahrer einschätzen. Ich stehe seit knapp 20 Jahren auf Ski und durfte in dieser Zeit schon so ziemlich alles fahren, was Kanten (oder eher keine) hat. Am meisten Spaß habe ich in verspieltem Gelände, wo ich hier und da einen Trick einbauen kann. Auf der Piste findet man mich meistens dann, wenn es richtig buckelig wird. Die Bindung konnte ich im Land der Powderträume ausgiebig testen. Auf einem Trip durch Japan war sie sowohl beim Touren als auch beim Abfahren fast täglich im Einsatz. Auch an einigen Resort-Tagen musste sie sich auf griffigen Pisten behaupten. Getestet wurde die Bindung auf einem Atomic Bent 110 in 1,88 m Länge.

Zu Beginn ließen die Schneebedingungen zu wünschen übrig. Der letzte Schneefall war bereits etwas her und in der Zwischenzeit ist es sehr warm geworden. Das Ergebnis waren eisige Hänge, teils mit einem leichten Deckel. Nur auf Nordseiten war der Schnee noch weich. Nach ein paar Tagen kam aber zum Glück der erhoffte Neuschnee von stellenweise 30cm. Kurz gesagt waren eigentlich alle Schneebedingungen vertreten, sogar etwas Firm war dabei.

Kurztest

Nachdem die Bindung montiert war, bestand der erste Schritt darin das die Bindung einzustellen. Dafür braucht man einen Kreuzschraubenzieher für den Vorderbacken und um die Höhe der Gleitplatte (AFD) samt dem Power Block unter dem Fußballen anzupassen. Dank der schrägen Ausrichtung der Stellschraube kommt man da ganz leicht ran – nur mit dem Fersenteil habe ich mir etwas schwerer getan, da ich keinen Schlitz Schraubenzieher zur Hand hatte der groß genug war.

Mit dem fertigen Set up ging es dann auch direkt auf die erste Tour. Und hier punktet die Shift bei mir bereits vor dem ersten Meter. Anders als bei anderen hybrid Bindungen wie dem CAST System oder der neuen Tyrolia Attack Hybrid muss man den Vorderbacken nicht komplett abnehmen bzw. wechseln. Das macht die Bindung im Handling einfach viel entspannter und schneller.

Die Stopper lassen sich zudem mit dem verbauten Mechanismus leicht sperren. Auf insgesamt 3200 hm Tour sind sie mir nur auf einer Seite ein einziges Mal aufgegangen, weil ich blöd hängengeblieben bin. Ansonsten hielt der Mechanismus verlässlich.

Durch das Verriegeln der Stopper steht man in der Grundposition bereits ein kleines Stück überhöht. Die zusätzliche Steighilfe lässt sich ohne Probleme mit dem Stock hoch- und runterklappen.

Es sei jedoch erwähnt das es nur eine zusätzliche Stufe gibt. Da ich persönlich gerne etwas überhöht laufe und bereits bei geringen Steigungen die Steighilfe nutze, ist mir eine weitere Stufe zu Beginn etwas abgegangen, man gewöhnt sich aber schnell dran. Der Rückbau zum Abfahrtsmodus ist mit wenigen Handgriffen schnell und einfach erledigt. Es ist lediglich darauf zu achten, dass sich nicht zu viel Schnee in den Stellen befindet die sich beim Umbau schließen, damit alles satt einrastet.

Von der Abfahrtsperformance bin ich voll überzeugt. Anfangs war ich noch etwas vorsichtiger unterwegs, um mich heranzutasten. Das Vertrauen kam aber sehr schnell und ich kann aus eigener Überzeugung sagen das die Shift² 16 MN die Definition einer Hybrid Bindung voll erfüllt.

Dank des überarbeiteten Micro-AFD Power Blocks bleibt meine Einstellung auch nach harten Buckelpisten und ordentlichen Airs exakt so, wie sie sein sollte. Auch das neue Fersenteil hat null Spiel zugelassen sodass die Bindung ein direktes Fahrgefühl liefert.

Fehlauslösungen hatte ich keine trotz Fahrten durch Bruchharsch, Tiefschnee, eisige Buckelpiste und pappigem Slush - die Bindung hat zu jedem Zeitpunkt genau das gemacht was man von ihr erwartet.

 

Fazit

Während die Shift² 10/13 bereits ein starkes Upgrade war, ist die Shift² 16 die ersehnte Lösung für Fahrer:innen die durch ihre Fahrweise oder Gewicht noch höhere Ansprüche an ihre Bindung stellen. Die Drei-Hebel-Ferse und der massive Metalleinsatz beenden jegliche Kompromisse gegenüber einer reinen Race- oder Freeride-Bindung.

Was noch zu erwähnen bleibt, ist dass die Shift² 16 MN baugleich von Salomon erhältlich ist. Abgesehen vom Branding und den Farbdetails sind sie technisch absolut identisch.

Vor- & Nachteile

+ Pin-Tech im Aufstieg, Alpin-Bindung in der Abfahrt
+ Super Abfahrtsperformance, dank des neuen Fersenteils und dem Micro-AFD-Vorderteil
+ Einfaches Handlung auch mit Handschuhen
+ unteres Preissegment bei vergleichbaren Bindungen

- Kein Leichtgewicht

Informationen

  • UVP: 649,99 €

  • DIN-Bereich: 8.0 – 16.0

  • Gewicht: 1.090 g pro Stück (ohne Stopper) / ca. 1.210 g (inkl. Stopper)

  • Verstellbereich: 30 mm (Längenanpassung der Ferse)

  • Standhöhe über Skioberfläche: ca. 30 mm

  • Stopperbreiten: 90 / 100 / 110 / 120 mm

  • Zertifizierung Multi-Norm (MN): Kompatibel mit Alpin- (ISO 5355), GripWalk (ISO 23223) und Tourenschuhen (ISO 9523)

  • Steighilfen: Eine Grundposition (2°) und eine zusätzliche Steighilfe (10°)

  • Harscheisen: Aufgrund der Konstruktion des Zehenteils sind spezielle Shift-Harscheisen nötig

Fotogalerie

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