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News

In die Wellen statt in den ersten Powder - Surftrip Sri Lanka

In die warmen Wellen statt in den ersten Powder der Saison ohne Gundlage - Ein Reisebericht aus Sri Lanka vom November 2025!

27.07.2026
Robin Dratwa
Meiner Meinung nach ist der November der perfekte Monat, um nicht auf den ersten Powder der Saison zu warten und stattdessen ins Tropische zu fliehen, um unendlich viele Kokosnüsse, frisch vom Baum, zu trinken und meist noch leerere Wellen zu surfen!

Der Plan für die 3 Wochen:

Der November ist der Monat, wo die Saison in den Alpen noch nicht so wirklich gestartet ist und man sehnsüchtig auf den ersten bzw. zweiten richtigen Schneefall wartet, damit endlich eine Base da ist. Oft warten wir im November aber leider doch vergeblich.

Einen Surftrip im November einzubauen ist deswegen in dreierlei Hinsicht gut:

  • Gefahr für deine Ski/dein Board wird reduziert

  • Gefahr für dich und deine Gesundheit wird reduziert

  • Sommer verlängern und geschmeidige Wellen surfen verbessert die persönliche Mood im oft dch grauen November

  • (noch mal die Flipflops rausholen ist sowieso immer ein gutes Gefühl)

Mein Plan stand also fest: 3 Wochen die kaum erwartete Auszeit vom Büro-Vollzeitjob nach Sri Lanka in den Süden – da geht die Saison gerade langsam los und es ist noch nicht überlaufen.
Flug mit Qatar Airways, wo die Boardbag inklusive ist, dazu ein kleiner Rucksack der absolut ausreichend für 3 Wochen und hitzige Temperaturen um die 30 Grad ist.

Der Plan ist gar kein wirklicher Plan: keine geplanten Sightseeing- oder Tempel-Hopping-Touren, keine Safaris, aber trotzdem offen für alles, falls sich was Cooles ergeben sollte. Ehrlicherweise aber primär Surfen – klingt nur besser, wenn ich's nicht direkt so plump formulier' und sage: ich bin nur surfen.
Morgens aufwachen, eine Kokosnuss öffnen (lassen) und mit den Elektrolyten 2h auf dem knapp 30 Grad warmen Wasser sein (ich bin zwar kein Kaffeetrinker, aber kann mir vorstellen, dass das auch ein guter Kaffeeersatz ist). Zusätzlich ist man auch deutlich langsamer erschöpft, wenn das Wasser wärmer ist.

Ich war primär an der Südküste unterwegs, wobei ich an echt ruhigen Buchten und Points war, da dort bisher noch kaum Tourismus ist zu der Jahreszeit. Es gibt etliche Beach- und auch Pointbreaks, left or right, was das Herz begehrt.

In Hiriketiya, den Ort, den vermutlich viele Menschen kennen, ist es im Vergleich absolut am Boomen gewesen, und der kleine Ort sah aus, als wäre er das neue Bali 2.0, da alles zugepflastert wurde zwischen 2022 und 2025 – meine einzigen beiden Referenzjahre.

Midigama und Ahangama sind deutlich entspanntere Alternativen zum Surfen, als auch von den Menschen her, als es z. B. Weligama und Mirissa sind. Dort hingegen geht deutlich mehr Party am Abend und die Line-ups sind ziemlich crowded. Nicht so ganz meine Welt.

Hostels und Surfhouses mit spannenden Menschen gibt es etliche, es ist quasi unmöglich, in den Surforten für etwas länger alleine unterwegs zu sein.

Mein Boardsetup: ein 7'0" Midlength mit 49l und ein 6'1" Fish mit 34l - vollkommen ausreichend.

Die Variation aus den beiden Boards erleichterte mir für die kleinen Tage das Floaten, und wenn es an manchen Points etwas größer wurde, konnte ich den Fish verwenden der ja trotzdem auch kein High-Performance Board ist.

Die Wellenenergie würde ich eher schwächer als am Atlantik einschätzen. Zumindest hatte ich keine heftigen Wipeouts oder Hold-downs, wie ich sie aus Nordspanien, Portugal oder Frankreich kenne, die aber bei meinen Fähigkeiten eh auf max. 5 – 10? Sekunden kommen und sich nur anfühlen wie 20 Sekunden.

Ich fand die Wellenqualität an manchen Points überragend. Ich werde eine Session nicht vergessen: Wir waren nur zu viert. Ein Local, ein finnisches Paar und ich. Er paddelte natürlich die besten Wellen an - rief und pfiff uns in andere, sehr gute Wellen rein, welche wir paddeln sollten, sodass wir wie am Fließband Wellen surften, literally. Die Stimmung auf dem Wasser war so, dass wir uns gegenseitig nach jeder Welle zujubelten. Das war vermutlich die intensivste Session meines Lebens, weil zusätzlich zu einer sehr guten, cleanen langen Welle eben auch die Stimmung perfekt war.

Wenn abends die Sonne untergegangen war, wurde zum Board gegriffen und in Ahangama geskatet, wenn noch ein wenig Kraft da war, und im Anschluss vielleicht das ein- oder andere Bier getrunken. Je nach Forecast am Tag drauf, natürlich.

Touri-Destinationen mussten natürlich dabei sein. Hier ist es gleich wie überall auf der Welt, und es macht einfach nur Spaß, Tourist:innen zu beobachten, wie sie das perfekte Selfie von sich und dem Ort (Nine Arch Bridge) schießen wollen und dafür teilweise kleine "Kämpfe" um den besseren Platz eingehen. Und sind wir mal ehrlich, die Viaduktbrücke ist schon wirklich cool anzusehen, vor allem wenn da die alten, malerischen Züge rüberrollen. Seltsames Gefühl, an einen Ort zu fahren, der zur Zeit der Kolonialisierung von den Briten geplant wurde und heute wieder bestaunt wird.

Was in den Bergen runterkommt, endet irgendwann im Meer

Weniger erfreulich war der zweite Teil meines Trips.

Ende November traf Zyklon Ditwah die Insel. Eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Sri Lankas. Millionen Betroffene, etliche Tote, ganze Ortschaften unter Wasser und haufenweise Landslides, die zu Nahrungsengpässen und Wasserversorgungsproblemen führten, weil Verkehrsstraßen zerstört wurden.

Ich war in einer privilegierten Situation und konnte meine Reise einfach dementsprechend umplanen und an der Südküste bleiben, da das Epizentrum im Hochland und an der Ostküste lag. Die Menschen vor Ort konnten das allerdings nicht, und circa 230.000 Menschen mussten evakuiert und umgesiedelt werden, da etwa 20 % von Sri Lankas Fläche betroffen waren.

Der Süden war zwar auch betroffen, wenn auch deutlich gehemmter, und man versuchte, den Menschen dort zu helfen, wo es ging, und den Dreck und Schlamm der vorangegangenen Tage wegzuräumen.

Ein Merksatz, den wir aus den Bergen kennen, der aber scheinbar nicht allen so geläufig ist: Was in den Bergen runterkommt, endet irgendwann im Meer (bzw. den größeren Flüssen im Tal). Wer nicht abwarten konnte und direkt nach dem Abebben des Starkregens, des Windes und der choppy Wellen wieder ins Wasser ist, konnte die Tage im Anschluss gern mal ein paar Tage auf der Toilette verbringen, anstatt sich mit den Wellen zu beschäftigen.

Also 5 Tage Surfpause, viel Yogamatte und bei entstandenen Flut- bzw. Windschäden aufräumen helfen. Der Körper konnte sich vom Dauerpaddeln erholen. Die Tage wurden auch genutzt, um das Inland an der Südküste zu erkunden, das ich sonst nie gesehen hätte, weil es einfach aus langen Straßen durch tropische Wälder und an Seen mit einzelnen Häusern vorbei bestand.

Etwa zehn Minuten von der Küste weg, und man ist in einer anderen Welt: Reisfelder, so weit das Auge reicht, wo man auch ganz ohne Safari spannende Tiere sehen kann, die einem sonst so nicht begegnen.

Cooler Sidefact: Man kann auch noch Lost Places in Sri Lanka erkunden. Manche Orte sind seit dem großen Tsunami von 2004 noch nicht wiederhergerichtet worden, sodass man in stille, überwucherte Ruinen klettern kann, wenn man auf ein kleines Abenteuer Bock hat.

Sri Lanka hat etliche Straßenhunde (Zusatz: mit Tollwutimpfung reist es sich deutlich entspannter) – scheinbar sind Schuhe vor der Eingangstür ein Gute-Nacht-Snack für die Hunde. Ich habe meine Lektion gelernt: Schuhe über Nacht mit reinnehmen, sonst muss man sich am Tag drauf neue Flipflops kaufen gehen.

Abseits des Starkregenereignisses Zyklon Ditwah 2025 gibt es immer wieder kurze Schauer in den tropischen Regionen, laut den Einheimischen inzwischen auch während der Trockenperioden. Die Locals gehen die kleinen Schauer eher gelassen an, stellen sich 5 Min. unter, warten den Niederschlag ab, und dann geht der Alltag genauso weiter wie davor. Diese Gelassenheit bräuchte so manche Person beim Skitourengehen auch.

Vitamine und Handeln
Was an Obst wächst, wenn man nah am Äquator ist, hat mit den tropischen Früchten in unseren Supermärkten echt nicht viel gemeinsam. Mango, Papaya, Avocado, Banane, Drachenfrucht, Limette und Passionsfrucht. Mein Geheimtipp: eine reife Papaya halbieren, eine Limette drüberträufeln und dann löffeln. Sättigt und ist super lecker! Die meisten, denen ich's gezeigt habe auf dem Trip, haben's geliebt!

Anderer Tipp, der aber weniger geheim scheint: ein Avocado-Smoothie mit einer Banane oder Mango. Ungesättigte Fette und schnelle Kalorien mit viel Vitaminen, die lange satt machen - beides eine 10/10-Empfehlung.

Redet mit den Leuten abseits der Touri-Regionen an und auch abseits der Obststände, die Leute sind unendlich freundlich und dankbar, dass man vor Ort ist, wenn ihr in die ländlicheren Gegenden fahrt.

Lasst euer Geld bei den Leuten, ihr verdient schnell mal das 10- bis 20-Fache im Monat (durchschnittliches, nicht Median-Monatseinkommen liegt bei unter 300 €, wobei es in den ländlichen Regionen im Süden bei unter 100 € liegen kann)!
Handelt, wenn überhaupt, nur minimal. Die paar Euro können für die Menschen vor Ort einen erheblichen Unterschied machen.
Eine Frau hat uns dankbar nach unserem Einkauf gesagt, dass sie durch uns jetzt, nach Monaten, ihrem Sohn mal wieder im Ort Kekse kaufen kann, was schon erschreckend ist, wenn man bedenkt, dass wir "easy" in deren Land einreisen können, um dort eine gute Zeit auf derem Boden zu haben.
(Vielleicht bin ich bei dem Thema auch nur so emotional und schreib das explizit dazu, weil ich mit jemandem unterwegs war, der bei über 4000 € netto immer noch so unangenehm und harsch um 100 sri-lankische Rupien (circa 26 Cent) mit Einheimischen gehandelt hat)

Es gibt also abseits des Surfens doch unglaublich viel zu erleben, und aus 3 Wochen "stures Surfen" ist eine Reise voller Erfahrungen geworden.

Kurzer Exkurs zum Schluss:

Früher habe ich mir immer gesagt: Langstreckenflüge – niemals! Inzwischen hat bei mir diese Verbissenheit von früher ("wie kann ich klimafreundlicher unterwegs sein") etwas nachgelassen, nicht weil mir der CO² Abdruck plötzlich egal ist, sondern unter anderem dadurch, dass man Menschen sieht, die ins All fliegen oder für WM Spiele in den Privatjet steigen und sich überhaupt nicht um ihren CO²-Abdruck scheren.

Ich bin mir aber auch bewusst: genau so sollte es nicht sein, und dieses Resignieren ist genau der falsche Weg. Wenn man aber Vollzeit arbeitet und nicht mehr unendlich viele Urlaubstage und Zeit hat, kann man eben nicht mehr überallhin trampen, wie ich es früher gern durch ganz Europa gemacht habe.

Einige Highlights des Trips:

5 Uhr morgens, noch dunkel, aber die wildesten Tiergeräusche aus den Büschen, die man sich nicht vorstellen kann. Kurz 3 Min. auf den Scooter geschwungen, um beim Starten des Motors die Ruhe zu crashen. Mitgebrachte Kokosnuss nach dem Board-Waxen trinken oder, wenn schon möglich, vor Ort kaufen, und im Anschluss in den Sonnenaufgang paddeln, der die heftigsten Kontraste auf das Ufer wirft, wenn man zurückschaut.

Ein anderes Highlight waren die kleineren Tage, an denen man sich teilweise mit Riff-Schildkröten die Wellen teilte, die immer mal wieder ihre Köpfe aus dem glatten Ozean gestreckt haben, um zu checken, ob wir noch alle da sind und den Stoke auch untereinander teilen. Die Schildkröten sind seit vermutlich Jahrzehnten in den Wellen, wir surfen also deren Spots, das muss man sich immer wieder vor Augen halten und mit einem schmunzeln genießen.

Das Line-up ist an solchen Tagen auch deutlich angenehmer, da Männer mit zu großem Ego sich dann nicht ins Wasser trauen. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Freeriden, wenn die Bedingungen nicht die optimalsten sind ;)

Insgesamt hatte ich viel Zeit zum Surfen, keine Meetings und Teams-Nachrichten, keine Deadlines, und der Blick aufs Handy war auch eher selten. Man vergaß fast, dass in den Alpen der Frost nachts schon eingesetzt hat und die Berge angezuckert waren.

Für die Unentschlossenen: Sri Lanka hat für Anfänger:innen und Fortgeschrittene riesiges Potenzial an Wellen und guter Energie zwischen Locals und Tourist:innen. Ich habe in den 3 Wochen erhebliche Fortschritte gemacht, und wenn man wirklich Bock (und Glück mit dem Forecast) hat, kann man das Surfen auf Sri Lanka bei seichten Wellen und entspannten Points echt gut lernen und kurz mal abschalten.

Freeriden und Surfen?

Um den Bogen zurückzuspannen: Der Trip hat mir deutlich geholfen, meine Balance zu trainieren. Ich gehe an Powdertagen jetzt entspannter ran und nehme die Situation, wie sie kommt – weil eben die Wellen an manchen Tagen auch einfach ...nicht gut... sind, und man das akzeptiert, auch wenn man sich im ersten Moment etwas aufregt, dass man eine sehr gute Welle jetzt nicht bekommen hat, gestürzt ist oder beim ersten Turn ausgerutscht ist.

Ich kann also allen mal empfehlen, zur Abwechslung surfen zu gehen – um die Kraft der Natur ins Gesicht zu kriegen und gehumbled zu werden.

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