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Schnee von morgen

Schnee von Morgen | Kleider machen Leute...

...und Leute machen Kleider

20.01.2026
Deniz Branke Oceane Launay
Der Markt für Outdoor-Bekleidung boomt. Verständlich, denn schließlich begleitet unsere Ausrüstung uns bei vielen Bergabenteuern. Gerade deshalb lohnt sich aber ein nüchterner Blick auf die Herkunft der Materialien, wie sie produziert werden und welche Auswirkungen sie haben. Themen wie Tierwohl, Ressourcenschonung und Klimaschutz sollen keine „Spaßbremsen“ sein, sondern gehören zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt dazu. Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht, sondern bewusst zu wählen. Wer in den Bergen unterwegs ist, kann auch beim Kauf nachhaltige Entscheidungen treffen. Und nein, hier geht es nicht um Verzicht und erhobenen Zeigefinger, hier geht es um den Kauf und die Verwendung mit Köpfchen!

Die Schattenseite der Textilindustrie

Schätzungen zufolge verursacht die globale Textilproduktion rund zehn Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen. Das ist mehr als der internationale Flug- und Schiffsverkehr zusammen (Quelle: Umweltbundesamt, 2023). Bevor ein Kleidungsstück im Regal landet, hat es häufig schon bis zu 20.000 Kilometer zurückgelegt und einen beachtlichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Produziert wird überwiegend in Asien: Mehr als 50 Prozent der in Europa verkauften Kleidung stammt aus China, Indien, Bangladesch und der Türkei. Ein Beispiel für die Dimensionen: Um ein einziges Baumwoll-T-Shirt herzustellen, werden schätzungsweise 2.700 Liter Frischwasser, benötigt, das ist genug Wasser, um eine Person zweieinhalb Jahre lang mit Trinkwasser zu versorgen. Doch wie kann ein nachhaltiger Umgang gelingen?

Nachhaltiger Umgang mit Kleidung

Der nachhaltigste Schritt ist häufig der vermeintlich einfachste: Brauche ich wirklich etwas Neues? Mittlerweile gibt es zum klassischen „Neukauf“ eine Vielzahl an nachhaltigen Optionen. Prüfe, ob eine dieser Optionen eine Möglichkeit ist:

  • Leihen statt kaufen: Besonders für seltene Aktivitäten wie Hochtouren oder Klettersteige kann das eine sinnvolle Option sein und Ressourcen und Geld sparen. Viele Alpenvereinssektionen oder spezialisierte Shops bieten mittlerweile einen Ausrüstungsverleih an.

  • Reparieren statt ersetzen verlängert zudem die Lebensdauer deutlich. Kleine Schäden lassen sich oft selbst beheben, größere Reparaturen übernehmen häufig die Hersteller oder du kannst das Stück zu einer Schneiderei in deiner Nähe bringen. Viele Kletterhallen bieten außerdem Besohlungsservices für abgewetzte Kletterpatschen an.

  • Auch (Online-)Secondhand und die Weitergabe von ungebrauchten Kleidungsstücken sind sinnvolle Alternativen.

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Persönliche Schutzausrüstung (PSA) im Bergsport

PSA wie Helme, Gurte oder Seile unterliegen strengen Sicherheitsnormen, schließlich schützen sie im Ernstfall dein Leben. Doch ihre Schutzwirkung hängt nicht nur von der Herstellung ab: Alter, Lagerung, UV-Strahlung, Feuchtigkeit und frühere Belastungen können das Material und ihre Funktionalität beeinflussen. Deshalb gilt: Wenn es um PSA im Bergsport geht, ist Secondhand keine Option! Helme, Gurte, Seile und Co. sollten immer neu angeschafft und ausschließlich nach den Herstellerangaben verwendet werden. Nur so ist ihre Sicherheit verlässlich gewährleistet.

Materialwahl: Funktionalität und Verantwortung

Wenn eine Neuanschaffung nötig ist, lohnt sich ein Blick auf die Materialien.

Outdoor-Bekleidung soll je nach Einsatzzweck leicht, atmungsaktiv, isolierend oder wasserabweisend sein. Diese Eigenschaften bringen jedoch ökologische Fragen mit sich, wie beispielsweise bei Merinowolle oder Daunen.

Merinowolle

Merinowolle ist wegen ihrer temperaturausgleichenden und geruchsarmen Eigenschaften besonders beliebt bei BergsportlerInnen. Die Wolle stammt überwiegend aus Australien, Neuseeland, Argentinien oder Südafrika. Kritisch ist das Mulesing. Mulesing ist eine umstrittene, aber weit verbreitete Behandlung, bei der den Tieren Hautfalten herausgeschnitten werden. Das soll die stark bewollten Merino-Schafe vor Fliegenmadenbefall in den Hautfalten schützen. Der Eingriff wird meist unter äußerst schmerzhaften Bedingungen ohne Betäubung durchgeführt und ist in der EU verboten. In Woll-Exportländern wie Australien ist das Mulesing noch sehr häufig anzutreffen.

Beim Kauf von Merinoprodukten können gängige Zertifizierungen Orientierung geben:

  • Responsible Wool Standard (RWS), eine international anerkannte Zertifizierung für Tierwohl, Umwelt- und Sozialstandards

  • ZQ-Merino legt den Fokus auf Tierwohl, Mulesing-Verbot und nachhaltige Landwirtschaft (New Zealand Merino Company)

  • Obwohl Merinowolle ein nachwachsender Rohstoff ist, erfordert seine Produktion einen enorm hohen Wasser- und Chemikalieneinsatz.

Daunen

Daunen sind das feine Untergefieder von Enten und Gänsen und wegen ihres hervorragenden Wärme-Gewichts-Verhältnisses ein Klassiker in der Outdoor-Branche. Ihre Gewinnung ist jedoch ethisch sensibel, da Lebendrupf und Stopfmast zwar in der EU verboten sind, es aber global keine einheitlichen Gesetze gibt.

Beim Kauf von Daunenprodukten können gängige Zertifizierungen Orientierung geben:

  • Responsible Down Standard (RDS) verbietet Lebendrupf und Stopfmast und setzt auf Transparenz entlang der Lieferkette.

  • Global Traceable Down Standard (GTDS) garantiert die Rückverfolgbarkeit und strenge Tierschutzauflagen und gilt als derzeit strengster Standard.

  • Downpass legt den Fokus auf Qualität und Rückverfolgbarkeit, mit geringeren Anforderungen an das Tierwohl als RDS oder GTDS.

Alternativen zu tierischen Materialien

Neben tierischen Fasern bieten (moderne) Fasern eine funktionale und umweltfreundlichere Alternative.

  • Bio-Baumwolle ist biologisch abbaubar, hat aber einen hohen Wasser- und Energiebedarf.

  • Lyocell (Tencel®), aus Holz hergestellt, benötigt bis zu 50 % weniger Energie und Wasser als Baumwolle und ist biologisch abbaubar.

  • Recycelte Synthetikfasern können eine sinnvolle Wahl sein, wenn auf die Vermeidung von Mikroplastik geachtet wird (z.B. durch Wäschesäcke oder Filtereinsätze).

Fazit

Tierische oder synthetische Fasern lassen sich nie vollständig ökologisch oder ethisch unbedenklich herstellen. Dennoch können bewusste Kaufentscheidungen, gängige Zertifizierungen, geringerer Konsum oder die Nutzung von Reparaturen den ökologischen Fußabdruck deutlich zu reduzieren.

Nachhaltigkeit beginnt nicht erst beim Kauf, sondern bei der Frage, was wir wirklich brauchen.

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