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Split/Snowboard

Splittie of the Week | Shapes

One for All or Quiver?

19.01.2026
Tobias Leistenschneider
rockercamberhybridcamberrockerhybridpowdercamberbananarockercruisecamber… Die Liste ist lang. Wer sich heute ein neues Splitboard zulegen möchte, wird zwangsweise mit einem dieser Begriffe konfrontiert, nämlich bei der Wahl des geeigneten oder gewünschten Shapes des neuen Schlittens. Die Liste ist hier sogar so lang, dass wir keinen allumgreifenden Überblick liefern können und möchten, jedoch einen kurzen Blick ins Feld geworfen haben, der euch dabei helfen soll, dass euer neues Splitboard auch einigermaßen zu euch und euren Touren passt.

Hast du schon mal geschaut, wie Jeremy Jones Snowboard fährt? Falls nicht, schau dir mal Peak Obsession an. Ab Minute 17 wird es ernst: Er steht gemeinsam mit Cody Townsend oben am Meteorite Peak, einer der ikonischsten Big Lines in den Chugach Mountains, im Rahmen des Fifty-Projekts, das jetzt vielleicht kein YouTube-Geheimtipp mehr ist. Unter seinen Füßen klebt allerdings kein langes, steifes Full-Camber-Big-Lines-Brett, sondern der Storm Chaser aus eigenem Hause. Eigentlich ist das ein „Deep Pow, Low Angle“-Shape: kurz, breit und mit Fish-Tail. Ein Board, das für verspielte Turns im Wald gebaut wurde und nicht für 50 Grad steile Alaska-Flanken.

Warum macht er das? Ganz einfach: Weil er’s kann. Jeremy Jones beherrscht sein Board so präzise, dass er die konzeptionellen Nachteile des Hobels durch schiere Fahrtechnik kompensiert. Für uns Normalsterbliche ist die Wahl des Shapes jedoch mindestens mit entscheidend dafür, ob die Tour zum Genuss oder zur Tortur wird. Schauen wir uns also an, welche Shapes der Markt aktuell so zu bieten hat.

Ein kleines Brainstorming.

Directional vs. Twin: Eine klare Richtung

Die überwältigende Mehrheit der Splitboards ist Directional. Das bedeutet: Eine längere Nose, ein kürzeres Tail und ein deutlicher Setback der Bindung nach hinten. Das Ziel ist maximaler Auftrieb und Stabilität in der Abfahrt. Häufig wird das noch mit einem sogenannten Taper garniert: Tail schmaler als Nose.

Echte Twins (symmetrisch von Nose bis Tail) sind im Backcountry selten, da sie im tiefen Schnee viel Kraft erfordern, um die Nose oben zu halten. Da „brennt“ der hintere Oberschenkel irgendwann mal durch. Wer jedoch auch auf Tour nicht auf stabile Switch-Landungen verzichten möchte, findet Nischenprodukte. Ein spannendes Beispiel kommt direkt aus Freiburg: Das Turnado vom PowderGuide Partner Valhalla zeigt, dass man auch mit einem Twin-Konzept im Backcountry kreativ werden kann.

Rocker-Camber Lines: Die Seele des Boards

Wie viel Vorspannung (Camber) oder Aufbiegung (Rocker) ein Board hat, entscheidet über den Grip im Aufstieg und die Sicherheit, aber vielleicht auch über den Spaß bei der Abfahrt.

1. Full Camber

Beispiele: Never Summer Proto, Borealis Alpine, Stranda Descender, Amplid Milligram.

Diese Boards verfügen über eine maximal effektive Kantenlänge. Das ist nicht nur in der Abfahrt, sondern vor allem im Aufstieg wichtig. In einer harten, vereisten Traverse sorgt nur ein Camber für den nötigen Druck auf die Kante, damit die Splitboardhälften nicht ausbrechen. Solch ein Board wäre eigentlich angebracht am Meteorite Peak, denn hiermit ist man beim Thema Kantenhalt auf der sicheren Seite, auch wenn`s mal härter wird. Camber-Boards sind also die erste Wahl für SplitboarderInnen, die gerne auch die letzten Meter gehen und im hochalpinen Gelände unterwegs sind.

Vorteile: starker Kantenhalt, viel Pop für dynamische Ollies, kraftvolle Kanten

Nachteile: weniger Auftrieb im Tiefschnee, benötigt mindestens fortgeschrittene Fahrtechnik, kaum Fehlerverzeihend.

2. Hybrid Camber, mit Betonung auf Camber

Beispiele: Lib-Tech Orca (Rocker Hybrid), Amplid Tour Operator (Cruise Camber), Jones Stratos und Hovercraft (S-Camber) sowie Never Summer Nokhu (Hybrid-Triple-Camber).

Der „Goldstandard“ für alpine Touren, ohne “hoch”. Man kombiniert die Vorspannung unter den Füßen (für Halt in der Traverse und bei harten Abschnitten in der Abfahrt) mit einem Rocker in der Nose und häufig auch im Tail.

Ergebnis: Ein Board, das im Aufstieg gut funktioniert und im Tiefschnee entspannter „floatet“ als ein reinrassiger Camber.

Solche Boards sind eine hervorragende Wahl für SplitboarderInnen, die eher leichte bis mittelschwere, sagen wir, sorgenfreie Touren unternehmen oder einfach im Sidecountry cruisen möchten. Sie performen eigentlich in jedem Gelände, außer vielleicht in den letzten hochalpinen Abschnitten. Dafür sollte man aber ohnehin viel mehr bergsteigerische Fähigkeiten mitbringen als reine Snowboard-Fähigkeiten.

Vorteile: guter Kantenhalt in allen Bereichen, schwimmen gut auf im Tiefschnee, vermitteln Sicherheit und Freude am Fahren.

Nachteile: Sie können in der Aufstiegsspur aber auch in der Abfahrt eher mal abrutschen und haben weniger Pop für Ollies.

3. Low Camber / Rocker

Beispiele: Jones Storm Chaser, Jones Mind Expander (Camber Hybrid), Rossignol Sushi (Camber Hybrid), Amplid Surf Shuttle (Cruise Camber).

Das sind die Boards der „Surf Series“. Extrem wendig, massiver Auftrieb, perfekt für „Deep Days“ im Wald oder flacheres Gelände. In den Alpen sind sie eher eine Ergänzung im Quiver – für klassische Hochtouren sind sie, außer man heißt Jeremy Jones, meist die zweite Wahl.

Ihre Vorteile: Durch ihre meist breite Ausführung mit kurzen Swallowtails haben sie einen starken Auftrieb an tiefen Tagen und gute Carvingeigenschaften auf der Piste.

Nachteile: Die kurze Kante bietet wenig Halt in kritischen Abschnitten der Abfahrt und große Radien sind mit solchen Brettern schwieriger ins Gelände zu schneiden.

New Schooler: Kompakte Shapes mit langer Kante

In den letzten zwei Jahren wurde eine neue Kategorie eingeführt: Kurze Boards, die sich wie lange Bretter fahren. Durch radikal gekürzte Tips und Tails (Nose/Tail-Länge) wird die Kante fast über die gesamte Boardlänge genutzt.

Jones Ultralight Butterfly: Trotz seiner kompakten Erscheinung mit gerade mal 150-158 cm hat es die effektive Kante eines Boards, das gut 10 cm länger ist. Gepaart mit einem True Camber Profil bietet es brutale Kantenkraft für hochalpine Missionen bei minimalem Gewicht. Schaut euch mal im aktuelleren Content von Jeremy Jones um, etwa hier in Arctic Lines mit Antti Autti, da gibt es das Butterfly im Einstatz zu sehen.


Amplid Metamorph: Mit einer Länge von 155 cm und dem gleichen Effekt wie beim Butterfly fährt es sich stabil wie ein deutlich längeres Board. Amplid nutzt strategisch positionierte Kontaktpunkte und ein minimales Tip-Tail-Design, um maximale Laufruhe und Aufstiegsleistung in ein kurzes, wendiges Paket zu schnüren. Das nennt sich dann Traction Camber. Beide Boards sind für hochalpine, anspruchsvolle Touren konzipiert und richten sich an sehr erfahrene SplitboarderInnen.

Die 260mm-Grenze: Mittelbreite und Traversenhebel

Die Mittelbreite (Waist-Width) entscheidet darüber, wie viel Kraft du beim Aufstieg benötigst. Für mich persönlich haben sich in Kombination mit einem Hardbootsetup 260 mm als Schmerzgrenze erwiesen. Ich möchte nicht breiter sein, da ich befürchte, dass sich der Hebel in Traversen dann deutlich stärker bemerkbar machen wird. Aber vielleicht täusche ich mich auch.

Das Stranda Biru Split hat eine Taille von 270 mm. Als Volume-Shifted-Board konzipiert, kompensiert es die Breite durch einen speziellen Sidecut, sodass es trotz der Breite im Aufstieg kontrollierbar bleibt.

Die 260-mm-Grenze ist schwer zu halten. Die meisten aktuellen Splitboards haben eine Breite von 260–265 mm. Für Schuhgrößen über EU 43 wird es auf dem Board dann schon eng. Auch wenn wir im Gelände selten steil aufgewinkelt carven, sollten sich Fersen und Zehen nicht jenseits der Kante befinden.

Fazit

Es gibt nicht den einen perfekten Shape. Wer ein Board für jeden Tag sucht, entscheidet sich meist für ein Hybrid Camber. Wer technische, steile Touren liebt, sollte sich die neuen „Long Edge“-Konzepte, wie das „Butterfly“ oder „Metamorph“, ansehen. Eine weitere Option ist ein klassisches Full-Camber-Shape. Und wer einfach nur im Schwarzwald surfen möchte, kann auch den bananigsten Rocker wählen.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er ist nur ein Auszug aus den Konzepten, die beim Splitboard-Shape eine Rolle spielen. To be continued.

Er ist aber eine Einladung an euch Nerds da draußen. Es gibt so viele Begriffe, besonders bei den Camber-Rocker-Profilen oder besonders funktionierenden Kanten. Irgendwann wurden sie von den Herstellern ausgedacht. Und zu jeder Kategorie gibt es so viele verschiedene Boards.

Aber vielleicht ist das ja auch alles Schall und Rauch und die Schlitten der 90er haben sowieso am besten gefetzt. Lasst uns in den Kommentaren doch mal euer All-Time-Fav Board inkl. Shape-Art da. Gerne gepaart mit nerdy Facts.

Wir freuen uns! Ahoi.

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