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Events

ContestGeschehen 6 | Finale Teil 1 FWT Yeti Alaska Haines Pro

Ein Event der besonderen Art.

14.03.2026
Timo Macvan
Der Traum vieler jungen Athlet:innen sollte in Erfüllung gehen. Ihre Spuren in die (noch) unberührte Natur Alaskas ziehen zu dürfen und sich in eine kleine Gruppe von Freeride World Tour Rider:innen einzureihen, die dieses Privileg bisher hatten. Nie enden wollende weiße Hänge, strahlender Sonnenschein bei eiskalten Temperaturen und die besten Freerider:innen der Welt. Das schreit nach Spaß, Action und Nervenkitzel sowie nach Crunshtime im ersten Teil der finalen Events der besonderen Art.

Es war der frühe Donnerstagmorgen (12.03) als in mein Powderguide E-Mail-Postfach die Ansetzung des ersten Freeride World Tour Events in Alaska seit neun Jahren flatterte. Zuerst verunsichert, ob ich meinen müden Augen trauen konnte, fand ich heraus, dass das Event bereits für den Freitagabend nach zentraleuropäischer Zeit geplant wird. Überraschung und Spannung machten sich sofort breit. Denn auf der einen Seite war das eine deutlich verfrühte Ansetzung und auf der anderen Seite hatte uns das Wetter sowie die Schneeverhältnisse bereits des öfteren in diesem Winter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich checkte das Wetter auf der PG-Wetterkarte und entdeckte wirklich ein angesagtes Sonnenstundenfenster von 5-7 Stunden mit gleichbleibenden Temperaturen um die -20°C. Vorfreude stieg in mir auf, sodass ich kurzerhand entschied eine HandvollFreeridebegeisterte zu einem Rudelgucken mit kalten Hopfenmalzgetränken und leckerer Pizza einzuladen. Ich meine, was gibt es besseres als das Wochenende so zu starten? Hufen scharrend wartete man auf den ersten Snowboarder, der um 19:45 Uhr in das gewaltigste FWT-Face droppen sollten, was ich bisher als Reporter der FWT sehen durfte.

Im Volksmund wird gesagt: Die Letzten werden die Ersten sein. Dies traf eindeutig, in einer etwas adaptierten inhaltlichen Interpretation, auf den gefahrenen Hang und dessen Rider:innen zu. Ganze 740 vertikale Meter, in einer Dimension und einem Facettenreichtum, die es so wirken ließen als wäre der letzte Starter, Victor Hale-Woods, der Erste gewesen. Denn selbst als letzter Athlet fand er noch eine komplett unberührte Line und navigierte sicher durch steile Spines und technische Abschnitte. Aber starten wir von Beginn an und in einer chronologischen Reihenfolge.

Snowboard Men

Als erste Kategorie starteten die sechs männlichen Snowboarder in den ersten Teil des Finals der 2026er FWT-Saison. Ihnen wurde, in doppelter Hinsicht, eine außergewöhnliche Rolle zuteil. Zuerst mussten sie damit umgehen am wenigsten Anhaltspunkte zu haben wie sich der Schnee im Face verhält. Danach ereilte sie das Glück nochmals zum Startpunkt geflogen zu werden, um im nachfolgenden Wettbewerb als “Ninja” zu fungieren und gestürzten Rider:innen beim Suchen von Equipment zu helfen.

Trotz einer erhöhten Verantwortung blieben sie uns mit ihren Performances nichts schuldig. Vor allem die beiden heißesten Anwärter auf dem Snowboard Freeride-Thron, Liam Rivera und Victor de le Rue, zeigten mit einer ungemeinen “Confidence” die ganze Palette ihrer Fähigkeiten.

Victor sicherte sich mit einem eindrucksvollen Run seinen zweiten Sieg im Kalenderjahr. Gleich zu Beginn setzte er mit einem perfekt ausgeführten Frontside-540 vom Cornice ein Ausrufezeichen und gab damit den Ton für seine gesamte Abfahrt vor. Mit hohem Tempo, viel Druck auf dem Board und voller Kontrolle attackierte er regelrecht das Gelände von oben bis unten. Dabei kombinierte er technische Lines mit Freestyle-Manövern. Er baute noch zwei weitere komplette Drehungen um die eigene longitudinale Achse ein (360°) und hielt gleichzeitig einen außergewöhnlich Flow aufrecht. Für diese dominante Performance erhielt er 91,67 Punkte und verteidigte damit seine Führung in der Gesamtwertung.

Der Schweizer Liam Rivera belegte den zweiten Platz mit einer sehr flüssigen und kontrollierten Abfahrt. Er verband seine starke Freeride-Technik mit Freestyle-Elementen und bewies ein gutes Gespür für die Linienwahl. Selbstbewusst bewegte er sich über das Face und setzte mehrere technische Airs sowie 360’s sauber um. Für seine präzise und selbstsichere Fahrt erhielt er starke 89,00 Punkte.

Liam Riveras Run in Lauerstellung für das Xtreme Verbier.

Sacha Balicco aus Frankreich komplettierte das Podium auf Rang drei. Seinen Run eröffnete er mit einem mustergültigen 360 hoch oben im Hang. Mit viel Tempo nutzte er das Gelände konsequent aus, setzte mehrere Airs und meisterte auch die steilen Passagen souverän. Seine kraftvolle und zugleich kontrollierte Fahrt wurde mit 78,67 Punkten belohnt.

Snowboard Women

Den Snowboarderinnen, welche mit vier Riderinnen die kleinste Gruppe ausmachten, sah man ihren Respekt gegenüber dem Gelände Alaskas in ihren Runs an. Drei von vier Athletinnen setzten auf sichere und kontrollierte Abfahrten mit dem Ziel Spaß, Genuss und sicheres Freeriden zu verbinden. Dies zeigte sich auch an den Bewertungen der Punktrichter:innen, die sich in einem Bereich zwischen 50 und 60 Punkten bewegten.
Mia Jones, der Star-Rookie aus den USA und die aktuell Führende in der Gesamtwertung hatte hier aber ihre ganz eigenen Ideen. Sie startete als erste in den teilweise 50° steilen Hang, löste eine der größeren Lockerschneelawinen aus, die neben ihr einmal den ganzen Hang abrutschte. Unbeeindruckt davon veränderte sie ihre Linienwahl und fuhr parallel dazu auf einer Erhöhung den ersten Teil ab, was kommentiert wurde mit: “steep, steep, steep, steep”. Auch im zweiten Teil der Venue ereignete sich eine ähnliche Situation, durch welche sie genauso souverän navigierte.

Mit 20 Jahren nicht nur diese snowboardtechnische Fähigkeiten zu haben, sondern auch die Ruhe zu bewahren, taktisch perfekt zu handeln und seine Linienwahl so zu verändern beschrieb das Kommentatorenduo weiterhin als “impressive” und “like a veteran”. 

Sie nutzte die natürlichen Geländeformen konsequent aus, hielt von oben bis unten ein beeindruckend hohes Tempo und zeigte ein Slough-Management der Extraklasse. Für ihre mutige und souveräne Fahrt erhielt sie 91,00 Punkte und setzte damit eine starke Bestmarke für das gesamte Teilnehmerinnnenfeld.

Die Französin Anna Martinez belegte den zweiten Platz mit einer kontrollierten und überlegten Abfahrt. In dem anspruchsvollen Gelände Alaskas wählte sie eine kluge Linie und zeigte solide Kontrolle. Die Schneebedingungen nutzte sie geschickt zu ihrem Vorteil, hielt im oberen Abschnitt einen guten Flow und setzte die vorhandenen Features im kontrollierten Tempo und mit Selbstvertrauen ein. Trotz eines kleinen Fehlers im unteren Teil des Faces wurde ihr kalkulierter Run mit 58,33 Punkten belohnt.

Noémie Equy aus Frankreich komplettierte das Podium im Snowboard-Wettbewerb der Frauen auf Rang drei. Sie setzte auf eine schnelle Abfahrt mit direkter Falllinien-Strategie. Mit viel Selbstvertrauen und Druck auf dem Board hielt sie im oberen Abschnitt ein hohes Tempo und behielt auch bei den festeren Schneebedingungen die Kontrolle. Für ihre Leistung erhielt sie 53,33 Punkte.

Ski Women

Bei den Ski-Damen wurde, im Vergleich zu ihren Kolleginnen auf einem Brett, eine deutlich andere Taktik gewählt. Deutlich mehr Risiko im oberen, exponierten Teil, höhere Geschwindigkeiten und mehr Freestyle-Elemente wollten die meisten Athletinnen zeigen. Leider wurde diese mutige Herangehensweise eher zum Verhängnis, zumindest in Bezug auf die Platzierungen. Die Hälfte der sechs Starterinnen bekamen keinen Score, weil ihnen die wilde Natur Alaskas die Ski unter dem Boden wegzog.

Sybille Blanjean bewies mit ihrer kontrollierten Taktik den besten Ansatz. Die Riderin aus Verbier zeigte, dass sie die wilden und steilen Hänge eindeutig im Repertoire hat und setze einen grundsoliden Run vom Startpunkt bis ins Ziel auf welchem sie wenig riskierte und Kontrolle in den Fokus setzte. Hiermit wurde sie nicht mit guten 75,67 Punkten belohnt und Siegerin der Ski-Damen in Alaska, sondern übernahm auch die Führung im Gesamt-Klassement. Sie verdrängte damit sowohl die Durchstarterin des Jahres Agostina Vietti aus Argentinien sowie die Dominatorin der letzten Jahre Justine Dufour-Lapointe, die nach ihrer Fahrt und Sturz auch noch die Rolle der Kommentatorin übernahm.

Sybille mit Kontrolle zum Sieg und Gesamtführung.

Die französische Rookie-Fahrerin Lou Barin erreichte erneut das Podium und belegte den zweiten Platz. Sie eröffnete ihren Run mit einem starken Air vom Cornice und griff anschließend mehrere Features im oberen Abschnitt des Geländes an. Ein Sturz kurz vor Schluss beeinflusste zwar ihre Wertung, dennoch wurde ihre beeindruckende Fahrt mit 72,67 Punkten belohnt. Hier zahlte sich Mut wenigstens einmal aus.

Rookie Zoé Delzoppo (FRA) komplettierte das Podium auf Rang drei. Sie entschied sich für eine clevere Linienwahl, setzte mehrere beachtliche Airs und kontrollierte ihr Tempo sorgfältig im steilen Gelände. Trotz eines Sturzes im unteren Teil der Face erhielt sie 58,67 Punkte.

Ski Men

Oh wow - Was ein Spektakel! Häufig wird gesagt, das beste kommt zum Schluss und dieses Mal war das definitiv der Fall. Es schien beinahe so als hätten alle Männer auf zwei Brettern einen Schulterschluss geschlossen nachdem Motto: Lasst uns Taktiererei vergessen und einfach mit offenen Visier losheizen. Dies führte leider zu einigen Stürzen, auch die Mitfavoriten Max Hitzig und Marcus Goguen, die durchaus noch die Möglichkeit hatten sich in eine gute Ausgangssituation für Verbier zu bringen mit einem guten Ergebnis, kamen zu Sturz. Max entschied sich aber dafür alles auf eine Karte zu setzen, setzte zwei fette Drops in den steilen Hang bevor er zu einem Layout-Backflip ansetzte, diesen jedoch unterrotierte und stürzte. Das gleiche Schicksal ereilte Marcus Goguen, der einen unglaublichen Ritt bot, der mich nicht auf meinem Stuhl hielt. Gestartet mit zwei riesigen Airtimes, gefolgt von einem Cork 720 und zwei weiteren enormen Rückwärtsrotierungen, die leider allesamt etwas unsauber und unkontrolliert waren und ihm an Ende einen Score kosteten. Es war ein riesiges Spektakel aber zum kompetitiven Freeriden gehört eben auch Kontrolle.

Und das waren erst die Runs ohne Score!!

Auch die Läufe der restlichen Männer waren spektakulär, technisch anspruchsvoll und trotzdem spielerisch. Besonders sticht hier Ben Richards heraus, der einfach in jedem Gelände, auch bei solchen exponierten Linien, ausschaut als würde er Frühlingsskifahren gehen. Durchgehend locker auf dem Ski, Beine immer parallel (beinahe als würde er wedelnd herunterkommen wollen), einfach in einem ganz eigenen Style, der seines Gleichen sucht. Auch seine Freestyle Elemente wie den Hand-Drag 360 wirken so stylisch und machen seine Art des Skifahrens einzigartig.

Eine weitere Geschichte neben dem Hauptgeschehen schreibt Tiemo Rolshoven, den wir auch hier im Interview hatten. Auf dem Weg nach Alaska ist sein komplettes Equipment verlorenen gegangen. Er fuhr somit auf einen sehr guten fünften Rang mit komplett geliehenem Set-Up. Ski, Helm, Brille und Stöcke waren von der Community der FWT zusammen geliehen. Nur seine eigenen Skischuhe haben es bis zum Starttor geschafft.

Ergebnisse

Toby Rafford (USA) hat seit seinem Einstieg in die Freeride World Tour in der vergangenen Saison immer wieder mit starken Leistungen überzeugt, verpasste den obersten Podestplatz jedoch bislang knapp. Beim Tourstopp in seinem Heimatland nutzte Rafford nun seine Chance. Das weitläufige Gelände in Alaska kam seinem Fahrstil perfekt entgegen. Er sagte nach seinem Run: “I was so hyped to be in Alaska with all the other American riders, and taking the win makes it even more special. It’s a crazy feeling. I just chose the line I liked the most and went for it without thinking about the result.” Und genauso sah auch sein Run aus!

Mit einem sauberen 360 über das obere Cliffband eröffnete er seinen Run, bevor er mit außergewöhnlichem Tempo und viel Kontrolle durch das komplexe Terrain hinunter navigierte. Zeitweise sah seine Fahrt aus wie eine alpine Skiabfahrtsperformance, wobei Steine ihm wie Stangen als Wegweiser dienten. Für seine kraftvolle Abfahrt erhielt er 90,67 Punkte, feierte damit seinen ersten Sieg auf der Freeride World Tour und übernahm zugleich erstmals die Führung in der Gesamtwertung inklusive des Golden Bib.

Tobys massiver Run zu Gold.

Der französische Rookie Ugo Troubat baute mit einer weiteren beeindruckenden Leistung weiter Selbstvertrauen auf. Nach einem starken Run bei den Weltmeisterschaften nahm er viel Momentum mit nach Alaska. Auf dem gesamten Face verband er mehrere Features miteinander und setzte im unteren Abschnitt einen großen Air. Dafür erhielt er 89,67 Punkte.

Ein weiterer Lokalmatador Ross Tester zeigte auf heimischem Schnee eine starke Leistung. Er eröffnete seinen Run mit einem perfekt ausgeführten 360 in einer der steilsten Passagen der Face und behielt während der gesamten Abfahrt die Kontrolle. Mit 89,00 Punkten belegte er den dritten Platz und rückte damit auch in der Gesamtwertung auf Rang drei vor.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem spektakulären ersten Teil der FWT Finals auf den legendären Spines Alaskas richtet sich der Fokus der Riderinnen und Rider nun auf das große Saisonfinale: den YETI Xtreme Verbier. Die letzte Etappe der Freeride World Tour findet traditionell am Bec des Rosses statt. Ein Face, welches wegen seiner extremen Steilheit, der engen Couloirs und des komplexen Felslabyrinths als einer der anspruchsvollsten Hänge im gesamten Freeride gilt. Hier werden die Freeride World Tour Champions 2026 gekürt.

Die Ausgangslage vor dem Finale könnte kaum spannender sein. In mehreren Kategorien ist der Kampf um den Gesamtsieg noch völlig offen. Im Snowboard Men führt derzeit der Franzose Victor De Le Rue nach seinem starken Auftritt in Alaska die Gesamtwertung an und reist mit dem Golden Bib nach Verbier. Dicht auf den Fersen befindet sich der Schweizer Liam Rivera, der 25000 Punkte hinter Victor de le Rue sich in Lauerstellung befindet.

Auch bei den Snowboard Women bleibt der Titelkampf spannend: Die US-Amerikanerin Mia Jones hat sich mit ihrem Sieg in Alaska an die Spitze gesetzt und geht als Favoritin ins Finale. Sowohl Noémi Equy als auch Anna Martinez aus Frankreich sind dennoch in Reichweite und möchten im Wallis noch in den Titelkampf eingreifen.

Auch bei den Ski Women ist noch alles möglich. Sybille hat sich hier ein kleines Polster verschafft und hofft natürlich auf den Heimvorteil in Verbier. Nichtsdestotrotz sind die Riderinnen von Platz zwei bis fünf in Schlagdistanz, sodass die Entscheidung erst am Bec des Rosses fallen wird.

In der Kategorie Ski Men übergibt der Neuseeländer Benjamin James Richards seine Führung erstmalig in der Saison an Toby Rafford, der mit 800 Punkten denkbar knapp vor Ben steht. Hier stellt sich die Frage, ob es die beiden den Titel in einem Zweikampf ausmachen oder ob es noch zu Überraschungen in Verbier kommen kann.

Mit dem Titel in Reichweite und der ikonischen Face von Verbier als Bühne werden die besten Freeriderinnen und Freerider der Welt ein letztes Mal in dieser Saison an ihre Grenzen gehen. Bereit, alles zu riskieren, um sich den prestigeträchtigen Titel der Freeride World Tour Champions 2026 zu sichern.

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