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Interviews

Visualize Your Line mit Tonje Kvivik

Ein Tag voller Female Power auf der Arc‘teryx Academy

18.02.2026
Klara Stang
Unverspurte Lines, jede Menge Lachen und geballte Frauenpower – so lässt sich die Arc’teryx Academy mit Tonje ganz gut beschreiben. Wir haben nicht nur die „Female Skier of the Year“ kennengelernt, sondern auch als Mädels-Gruppe gemeinsam und voneinander lernen dürfen. Von Technik-Tipps über Lifehacks bis hin zu Powder-Runs: Ein Skitag, der inspiriert und unvergesslich bleibt.

Mein erster Academy-Tag zeigte sich von seiner rauen Seite: diffuse Sicht, einsetzender Schneefall und dieses typische nasskalte Gefühl, das selbst durch mehrere Layers dringt. Im Freitag-Kurs Freeride Techniques for Women stand Technik im Fokus. Dort lernte ich auch die Bergführerin Yvon schon kennen, die mit Tonje und damit auch mit mir am nächsten Tag gemeinsam unterwegs sein würde. Die Aussicht, mit der „Female Skier of the Year“ und einer lokalen Bergführerin einen Skitag am Arlberg zu verbringen, bereitete mir schon jetzt große Vorfreude – und der frische Schneefall tat sein Übriges.

Der nächste Morgen glänzt, wie erhofft, mit strahlend blauem Himmel und einem frischen, glitzerndem Kleid aus Neuschnee. Die Mengen sind zwar überschaubar, aber mit etwas Glück sollte man an diesem Samstag am Arlberg fündig werden. Wir, das sind mit mir drei weitere Mädels, die am Kurs teilnehmen, haben uns gerade kennengelernt und unsere Vorfreude für den Tag geteilt, als Tonje auch schon um die Ecke kommt. Sie strahlt eine lockere Atmosphäre aus, bei der man sich direkt willkommen fühlt, und meine anfängliche Aufregung ist nach kurzer Zeit verfolgen.

Die erste Überraschung wartet noch vor der ersten Abfahrt auf uns. Tonjes neuer Sponsor Giro stattet uns für den Tag mit Helmen und Brillen zum Testen aus.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zur Gondel, tauschen uns über unsere Lieblingsskigebiete und bisherigen Skitrips aus. Der Lift nach oben bietet schon die erste Gelegenheit, einen Überblick über St. Anton und die umliegenden Berge zu gewinnen. Auch Tonje ist sichtlich beeindruckt und findet direkt eine Line, die sie gerne fahren würde (wäre da doch nur ein bisschen mehr Schnee …). Auch der Schneefall über Nacht kann den schneearmen Winter nicht ausgleichen.

Oben angekommen geht es direkt los. Leere Pisten, strahlender Sonnenschein und unterwegs mit einer reinen Mädels-Gang – die Freude steht uns allen ins Gesicht geschrieben. Wir drehen ein paar Laps, gewöhnen uns aneinander, beobachten Linien, Tempo und Schneeverhältnisse. Zwischendurch erzählt Tonje, wie die Idee zu diesem Kurs entstanden ist. Sie selbst hatte auf ihrem Weg immer wieder starke Mentor:innen an ihrer Seite, die sie geprägt und weitergebracht haben. Mit der Clinic möchte sie genau das weitergeben – Erfahrung teilen, Sicherheit vermitteln und andere Frauen im Freeriden stärken. Bewusst ist der Kurs als reiner Female Course konzipiert.

Tonje möchte Frauen ermutigen, sich anzumelden, sich auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen. Für sie selbst war es so inspirierend, viele starke Frauen um sich zu haben. “Denn der Freeride-Sport ist nach wie vor stark male-dominated – oft geht es ums Ballern, ums Performen, ums Höher, Schneller, Weiter. In einer Mädels-Crew verschiebt sich der Fokus. Es geht mehr um das eigene Gespür, darum, auszusprechen, was sich gut anfühlt – und was eben nicht. Darum, der eigenen Intuition Raum zu geben. Genau das ist auch Tonjes Ansatz: sich von der eigenen Wahrnehmung leiten zu lassen und zu fühlen, was man will.”

Und jetzt kommen auch wir in den Genuss unsere Lines zu fühlen. Yvon, die das Gebiet wie ihre Westentasche kennt, führt uns zu einem unverspurten Nordhang, der überraschend viel Spaß macht.

Nach unserem Run stoppen wir an einem Spot mit perfektem „Barbe-angle“ – dem Platz, an dem die Fotograf:innen stundenlang in der Sonne braten, bis die Athlet:innen ihre Rinne erklommen haben und es Zeit ist, den perfekten Shot zu schießen. Wir stehen also da und betrachten ein Face voller Möglichkeiten. Gemeinsam mit Tonje beginnen wir mögliche Lines zu planen. Sie ermutigt uns einfach mal zu träumen. Uns mehr Schnee vorzustellen, einen perfekten Tag mit sicheren Bedingungen – und die Skills mal außen vorlassen. Es geht um Fantasie: Welche Line sieht nach Spaß aus? Wo würden wir unsere Turns setzen? Welchen Drop würden wir springen? Tonje ermutigt uns auf eine Art und Weise, dass es Spaß macht die Lines zu planen und man das Gefühl bekommt, so unmöglich ist das doch alles gar nicht.

Wenn man ihr beim Fahren zuschaut, merkt man: Die Frau ist in ihrem Element. Es schaut so leicht und verspielt aus. Auf die Frage, wie sie das anstellt ist ihre Antwort ganz klar: „You feel it“. Sie erzählt uns, dass sie früher beim Contestfahren immer die größten Jumps gesucht hat, die riskanteste und aufregendste Line - und dabei nicht selten gestürzt ist oder sich einfach nicht wohlgefühlt hat. Immer wieder gewannen die anderen, deren Line irgendwie „flowiger“ war, irgendwie besser zu ihnen gepasst hat und das, ohne das größte Risiko einzugehen.

Heute weiß Tonje, was das bedeutet. Sie visualisiert sich ihre Line, jeden Drop und jedes Element im Gelände und fragt sich: “Erfüllt es mich mit Freude, das zu fahren? Habe ich Angst oder fühlt es sich gut an? Wie wäre es dort einen Schwung reinzusetzen?”. Wenn das Gefühl stimmt, weiß sie, dass es die richtige Line ist. Ihr Motto: Don’t be afraid of your line! – unnötige Risiken minimieren, besonders jene, die ein Zuschauer sowieso nicht sehen würde. Landungen müssen sicher sein.”

Sie gibt uns einige Lifehacks mit auf den Weg.

1. Mach immer ein Foto von dem, was du fahren willst (das kannte ich schon).

2. Male dir deine Line auf (soweit, so gut).

3. Wenn du am Einstieg bist, dreh das Bild auf den Kopf, dann wirst du dir direkt viel leichter tun. Es ist ein simpler, aber grandioser Tipp!

Ein weiterer Tipp, den sie uns unter einem Augenzwinkern mitgibt, ist: „Stell dir immer vor, der Drop sei viel größer, als er tatsächlich ist. Wenn du dich dann entscheidest, ihn zu fahren freust du dich, dass er am Ende ja doch viel kleiner ist, als du dachtest.“

Nach ein wenig Lawinenkunde mit Yvon setzen wir uns wieder in Bewegung. Da die Bedingungen eher bescheiden sind und wir unsere imaginierte Line lieber im Kopf lassen wollen, fahren wir den Arlberg-Klassiker Hintere Rendl. Hier legen wir noch eine kleine Bootpack-Session ein, bei der Yvon zeigt, wie man seine Ski schnell und unkompliziert tragen kann, ohne sie am Rucksack anzuschnallen – ein Trick, den ich so schnell nicht vergessen werde und der auch für Tonje eine Neuheit ist.

Auf unserer Abfahrt entdecken wir eine kleinere, unverspurte Rinne. Das Foto, das wir zuvor vom Face gemacht haben, zahlt sich sofort aus: Wir finden alle noch ein paar tiefe, perfekte Turns.

Der Tag mit der Mädelsgruppe macht uns allen sichtlich Spaß. Wir feuern uns gegenseitig an, lachen viel und stellen alle Fragen, die uns in den Sinn kommen. Wir freuen uns gleichermaßen über unsere eigenen Turns wie über die der anderen und versuchen, das Gelände durch Tonjes Augen zu sehen. Jeder Hang wird zu ihrem persönlichen Spielplatz, während sie immer auf der Suche nach der nächsten Schaukel oder Rutsche ist. Ob im Kleinen oder im Großen, sie ist in ihrem Element und teilt diese Freude gerne mit anderen. Sie motiviert, unterstützt, lacht viel und nimmt sich selbst nie zu ernst – sie ist ein unglaubliches Vorbild. Dass sie trotz eines doppelten Kreuzbandrisses wieder so souverän auf den Skiern steht, ist zusätzlich beeindruckend und macht den Tag noch inspirierender. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie uns Rückschläge wachsen lassen können.

Zum Abschluss legen wir noch eine Slush-Runde auf der Sonnenseite des Skigebiets ein und üben den Spray auf der Piste. Denn zum Freeriden gehört auch, zu wissen, wo es gerade am meisten Spaß macht. Und manchmal ist die letzte Abfahrt auf einer Slushy-Piste eben witziger, als sich durch vereistes Gelände und Gestrüpp zu schlagen.

Am Ende des Tages sind wir alle erfüllt von guten Erinnerungen, einer Spur Sonnenbrand auf der Nase und einem breiten Lächeln im Gesicht. Danke Tonje für den tollen Tag!

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