Zum Inhalt springen

Cookies 🍪

Diese Website verwendet Cookies, die Ihre Zustimmung brauchen.

Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Zur Powderguide-Startseite Zur Powderguide-Startseite
Abenteuer & Reisen

WinterCamping | Vive la France - Teil I

Französische Steilwandträume mit dem Camper: von Chamonix bis La Grave

12.02.2026
Jan Nientiedt
Schon seit fast 15 Jahren unternehmen wir als alte Freunde jährlich einen Skiausflug. Die Destination wird dabei immer neu ausgelost – und am Ende des letzten Trips entschied das Los: Im Februar 2025 sollte es in die Pyrenäen gehen. Da Frau Holle dort leider kaum Hand angelegt hatte, disponierten wir kurzerhand auf die französischen Alpen um. Mit den zwei Campern unseres Partners Sunlight hatten wir die nötige Flexibilität. Wir, das sind Benni, Dan, Roman, Jörg, Steffen, Totti und Jan.

Chamonix

Wenn man an Skifahren in Frankreich denkt, dann denkt man (oder zumindest ich) an Chamonix. Und genau hier sollte auch unser erstes Ziel – und gleichzeitig der Austragungsort von Steffens kleinem, aber feinem Junggesellenabschied - liegen. Mit der zusätzlichen Freude über unser Wiedersehen starteten wir unseren Trip mit einem feuchtfröhlichen Abend. Nur so viel: Sunlight verkauft ein robustes Produkt, das auch für sechs Männer genug Platz zum Tanzen bietet. Am nächsten Morgen dauerte es dann ein wenig, bis beim gesamten Team die Transportfähigkeit wiederhergestellt war.

Dann verwandelten wir unseren Junggesellen Steffen in den Allstar aus Chamonix: Glen Plake! Um die notwendige Herausforderung für den Tag auf der Piste auch für „Glen“ zu erreichen, die ein oder andere Stelle war ein bisschen eisig, wurde er auf den Monoski gestellt. Optisch wurde die Tour durch „sein“ Skigebiet mit schicken 80er-Outfits untermalt. Nach dem Abseiltraining an der Dorfbrücke, kehrten wir in Argentière auf eine Pizza ein. Mit etlichen Monoskis und alten Powderboards als Deko, passte das Restaurant „Le Recard“ perfekt zu unseren Outfits. 

Für unsere erste Tour in Chamonix starteten wir am nächsten Morgen auf der Nordseite: Mithilfe der Unterstützung der Lifte von La Flégère stiegen wir kurz und steil in das Col des Aiguilles Crochue auf. Auf den letzten 100 hm, die als Bootpack bewältigt werden mussten, entspannte uns die dauer-bimmelnde Glocke an „Glens“ Klettergurt. Nach einem Vesper in der Sonne teilte sich die Gruppe: Ein Teil entschied sich für die Traverse und den Aufstieg ins Col de Bérard, während die zweite Gruppe abermals steil auf den Alphonse Favre aufstieg, um sich nach einem steilen Nordhang im Talbecken wiederzutreffen.

Am Favre sticht Benni und Totti der Hafer: Sie können sich den „schönen Ausblick“ nicht entgehen lassen. Also fahren Sie ein Stück ab und steigen noch einmal zum Aiguille du Belvédère auf. Die erste Abfahrt bietet Licht und Schatten: Mal windverpresst, hier und da ein paar Spuren unserer Vorgänger, aber auch ein paar schöne Schwünge im leicht eingeblasenen Triebschnee. Als der Nordhang flacher wird und sich in das Talbecken öffnet, wird der Schnee weicher und tiefer, der Hang aber auch deutlich verspurt.

Wieder vereint geht’s durch das Vallon de Bérard, das den ein oder anderen am Ende doch mit seinem ausgefahrenen Wald ein wenig fordert. Zur Erholung geht es ins Hotel Du Buet, ein klassischer Einkehrort der Freeride- und Skitourenbegeisterten. Da die Wirtin den echten Glen Plake einen guten Freund nennt, ist sie von unserer Version bestens amüsiert. Während sich ein Teil auf den Weg macht die Camper zu holen, mischt sich der Rest unter die touristische Tourenszene.

La Clusaz und La Grave

Weiter geht es nach La Clusaz. Doch leider gibt es zum Frühstück eine schlechte Nachricht: Tottis Familie ist krank und er muss sich auf den Heimweg machen. Also splitten sich die Gruppe in ein Shuttle nach Genf und einen Pistentag in La Clusaz, denn an diesem Tag haben wir wenig Glück mit dem Wetter: alles zugezogen, Schneeregen im Tal, leichter Schneefall am Berg, vor allem aber viel zu warm. Trotzdem bestaunen wir die Felsen aus „One of these days“ und messen uns mit der örtlichen Buckelpiste. Am Ende des Tages machen wir uns auf den Weg nach La Grave, wo wir später den Rest der Bande wieder treffen wollen.

Das Wiedersehen erfolgt im Gîte Le Rocher: Drei Gänge beste Hausmannskost gemeinsam mit den Hausgästen. Zum Abschluss serviert uns Sergio noch einen „kleinen“ Génépi, einen traditionellen alpinen Kräuterlikör, der vor allem in den französischen und italienischen Alpen hergestellt wird. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Sergio. Génépi kannten und liebten wir zwar schon vorher, doch gerade die Gegend um La Grave ist für diese Spezialität besonders bekannt. Den Abend lassen wir schließlich mit einem Liedchen auf der Gitarre in unserem Sunlight-Wohnzimmer ausklingen.

Am nächsten Morgen weckt uns eine junge Dame in extra robusten Outdoordress. Die Gondel von La Grave hätte einen Seilschaden, die Reparaturarbeiten laufen auf Hochtouren und die junge Dame wartet auf ihr Helikoptertaxi zum Liftmast. Wir Touristen parken zu nah am Landeplatz und müssen umparken, bevor der erste Heli kommt. Die Plattform ist direkt an einer Felskante, nebenan stehen ein paar Bäume und es ist beeindruckend zu sehen, wie präzise der Pilot seine Maschine trotz kräftigem Wind bei An- und Abflug steuert.

Serre Chevallier

Leider ist auch an diesem Tag das Wetter eher bescheiden. Wieder zu warm - Schneeregen. Daher entschließen wir uns für einen weiteren Pistentag, dieses Mal in Serre Chevalier. Wir arbeiten uns durch das Gebiet und machen am anderen Ende, in Briançon, unsere Mittagspause. Da das Wetter für den nächsten Tag besser angesagt ist, übernachten wir am Col du Lautare und essen im Hôtel Des Glaciers einen Burger zu Abend. Mit dem stärker werdenden Schneefall steigt auch unsere Vorfreude auf den nächsten Tag.

Unser Einschlafen wird allerdings durch einen aufheulenden Motor unterbunden. Ein Fahrer hat die Hinterräder seines Transporters ordentlich eingegraben. Gefühl im Gasfuß scheint ein Fremdwort zu sein. Nachdem unser erstes Angebot zu helfen keine Reaktion ausgelöst hat, raffen wir uns nach weiteren 10 Minuten Gejaule aus Eigeninteresse auf und tun etwas für die deutsch-französische Freundschaft: Mit unseren Lawinenschaufeln, einer kurzen Anleitung zum Fahren im Schnee und drei Schiebenden, ist der Transporter in kurzer Zeit befreit und der Fahrer sehr dankbar, nicht am Pass übernachten zu müssen.

Leider wachen wir am nächsten Morgen in starker Bewölkung auf und unsere Hoffnung auf eine große Tour schwindet bereits. Doch unser Stopp im Café de la Ferme bringt den entscheidenden Tipp: Während wir die hervorragenden Kaffeevariationen genießen, kommt der Barkeeper von seiner morgendlichen Tour zurück. Die Wolken hängen nur im Becken, ab 2.200 hm gibt es Sonne. Also ab auf die Bretter. Tatsächlich, genau wie beschrieben, empfängt uns auf dem ersten Plateau die Sonne. Vor dem Col der Laurichard halten wir uns leicht links und steigen steiler in den Sattel Villar-d'Arêne auf 2.857 hm.

Die Mühen werden belohnt. Besonders die ersten 350 hm bieten, trotz der ein oder anderen Spur unserer Vorgänger, wunderbaren Neuschnee. Allerdings treffe ich bei einem der ersten Schwünge einen Shark und verliere einen Ski. Entsprechend vorsichtiger gehen wir die weiteren Schwünge an. Mittlerweile haben sich die Wolken auch im Tal komplett verzogen und der Schnee wird mit abnehmender Höhe langsam schwerer. Benni und Steffen haben noch nicht genug und machen sich noch einmal auf Richtung Pyramide de Laurichard, während sich der Rest die Sonne mit einem kühlen Blonden gefallen lässt.

Die Stellplatzsuche auf Camper Trips ist ein tägliches Thema. Weil sich sowohl der Parkplatz als auch das Essen im Gite le Rocher bewährt haben, machen wir uns wieder auf den Weg nach La Grave. Die richtige Entscheidung, werden wir doch wieder mit drei Gängen französischer Hausmannskost verwöhnt. Danach gibts nochmal einen Génépi beiSergio. Im Gespräch erfahren wir von seinen ganzen Aktivitäten: seinem Piratenradio, den Turbodance Partys vor dem Haus mit Whirlpool im Cadillac, seiner Band und deren Auftritten. Zum Abschluss zeigt er uns noch seinen Proberaum/Studio/Radiostation im Keller und wir werden auf ein Bier, das ein Kumpel im Nachbarort braut, eingeladen.

Währenddessen spielt der Wettergott weiter Pingpong mit unseren Gefühlen. Es gibt wieder Nebel und leichten Schneefall, wenigstens ist es ein bisschen kälter geworden. Wir entscheiden uns noch einmal für Serre Chevallier. Doch heute wollen wir nicht gleich aufgeben und packen den Rucksack auf den Buckel und werden belohnt: Als wir am frühen Nachmittag aus dem Yret Lift steigen, ziehen die Wolken auf und die Sonne strahlt uns ins Gesicht. Vom Col du Vent traversieren wir den Pointe des Neyzets entlang Richtung Ost und steigen auf 2.600 hm durch ein Felstor rüber in den Nordhang. Wow, so fluffig hatte das keiner erwartet. Leider hat der Hang nur 400 hm bevor er wieder auf der Piste endet. Also schnell noch einen zweiten Run.

Als wir unsere Skier nach dem Felstor wieder anschnallen, hat sich eine Wolke angeschlichen, wir müssen kurz abwarten und sind froh, dass wir jetzt nicht in einem unbekannten Hang stehen. Manchmal ist es verrückt, wie schnell sich die Bedingungen verändern. Als die Sonne einen Moment später wieder rauskommt, ist der Hang immer noch schön zu fahren, aber leider schon nicht mehr so fluffig wie beim ersten Run. Danach sind die Wolken wieder da und wir lassen den Rest unserer Energie auf der Piste. Im Tal erwartet uns wieder die Sonne und der Skitag lässt uns mit einem Grinsen zurück.

In Teil 2 erfahrt ihr, wie unser Trip weitergeht. Wir berichten von einem verlassenen La Grave, davon, wie lang zehn Minuten sein können – und verraten, wohin es in diesem Jahr gehen wird.

Fotogalerie

Ähnliche Artikel

Kommentare