Tester und Testbedingungen
Der Skischuh wurde seit Ende April 2025 unter unterschiedlichsten Schneebedingungen getestet – vom Frühlings-Powder und Sulzsurfen Anfang Mai bis hin zu frühwinterlichem Powder und eiskalten Weihnachtstagen auf harten Pisten. Meine Schuhgröße ist 41,5/42, und die Schale in Größe 26,5 fühlt sich passend an. Das Canting habe ich bei 0° belassen und aktuell fahre ich den Schuh mit Spoiler. Problemfüße habe ich nicht – viele Skischuhe passen mir Out-of-the-box.
Seit Jahren bin ich beim Freeriden nur in Cabriomodellen von Dalbello unterwegs. Die alten gelben Krypton-Modelle mit Intuition-Innenschuhen galten für mich hinsichtlich Dämpfung und Passform als Referenz. Beim Touren verwende ich den Tecnica Zero G Pro, der für mich ein sehr gutes Verhältnis von Gewicht und Abfahrtsperformance bietet.
Ski und Bindung, die ich mit dem Schuh gefahren bin:
Scott Scrapper 124 + Look Pivot
Dynastar M Free 108 + Look Pivot
Armada Declivity 82 TI + Armada Strive
Praxistest
„Das soll ein Skischuh mit einer Leistenbreite von 96 mm sein?” Das war mein erster Gedanke, als ich den Schuh zum ersten Mal anzog. Während die Ferse und der mittlere Fußbereich gut sitzen, hatte ich bei der Zehenbox eher das Gefühl, in einem Airbus A380 zu stehen, als in einem „Freerideschuh mit Race-DNA”.
Etwas skeptisch ging es mit dem neuen Schuh direkt an einen apriltypischen Powdertag nach Engelberg: morgens Powderstress, mittags noch zwei Runden übers „Messer” in die Nordflanke des Reissend Nollens und nachmittags Sulzsurfen auf der Talbabfahrt. Erst beim Bier auf dem Parkplatz bemerkte ich, dass ich ja einen neuen Schuh an den Füßen hatte.
Dieses Gefühl hat sich über den gesamten Testzeitraum nicht verändert. Der Schuh sitzt genau so, wie ein guter Skischuh sitzen muss. Die Ferse ist sauber fixiert und im Vorderfußbereich bleibt dank der anatomischen Zehenbox genügend Freiheit, um den Ski präzise zu steuern. Es fühlt sich an, als würde man mit den Füßen Klavier spielen: Jede noch so kleine Bewegung der Zehen wird direkt als Lenkimpuls an den Ski weitergegeben. Diese Feinfühligkeit war mir von meinen bisherigen Skischuhen nicht bekannt.
Der Flex des Schuhs verläuft progressiv und fühlt sich weder zu hart noch zu weich an. Entsprechend habe ich darauf verzichtet, die zweite Schraube am Schaft zu montieren, um ein noch direkteres und aggressiveres Fahren zu erreichen. Für mich ist der Schuh sportlich und direkt genug. Durch den harmonisch progressiven Flex, dem weichen Bootboard und dem hochwertigen Liner verfügt der Schuh über herausragende Dämpfungseigenschaften. Das ist besonders vorteilhaft, wenn das Gelände ruppiger wird oder die Pisten härter: Der Schuh bleibt ruhig und dämpft die Schläge effektiv weg, ohne dabei an Präzision einzubüßen. Im Vergleich zu meinem Dalbello Krypton Pro dämpft er minimal weniger, ist dafür aber deutlich präziser und direkter.
Ich habe den Schuh sowohl an warmen Frühlingstagen als auch bei zweistelligen Minusgraden getestet. Dies hatte so gut wie keinen Einfluss auf den Flex, was auf den weltcuperprobten und temperaturstabilen PU-Kunststoff zurückzuführen ist. Zusätzlich wirkt der sportlich dünne Innenschuh hochwertig, insbesondere die Schnürung trägt dazu bei, die Ferse nochmals besser zu fixieren.
Was sich so gut anhört, muss doch auch einen Haken haben? Einen gibt es: Man sollte nicht kälteempfindlich sein. Selbst an den Frühlingstagen waren meine Füße eher kühl und bei den zweistelligen Minusgraden der letzten Wochen waren sie grenzwertig. Die Verarbeitung des Schuhs macht insgesamt einen sehr guten Eindruck, es zeigen sich normale Gebrauchspuren. Die geschraubte und austauschbare Gripwalk-Sohle wirkt allerdings nicht, als wäre sie für die Ewigkeit gemacht.