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Materialtests

Materialtest | Atomic Remedy 130

Ein Top-Freerideschuh – sitzt genau so, wie ein guter Skischuh sitzen muss

04.02.2026
Volker Lehmann
Atomic deckt das gesamte Spektrum an Skischuhen ab, das Skifahrer:innen heutzutage benötigen. Für PowderGuide-Leser:innen relevant sind im Tourenbereich die bewährte Backland-Serie sowie im Freeride-Segment die Hawx-Serie. Wenn man sich die ganzen Teamfahrer:innen anschaut, waren diese vorwiegend in den klassisch roten Redster Weltcupmodellen unterwegs. Diese wollten einen präzisen, stabilen und gut dämpfenden Freerideschuh, der auch bei Wettkämpfen eingesetzt werden kann. Auf Basis dieser Rückmeldungen und Wünsche der Profahrer:innen, wurde der Remedy 130 entwickelt. Dass Atomic dabei nicht nur die Farbe und den Namen geändert hat, sondern vielmehr eine Evolution der bisherigen Redster-Modelle geschaffen hat, könnt ihr hier zusammen mit dem Praxistest lesen.

Neuerungen Remedy 130 / Redster TX im Vergleich zu den alten Redstermodellen

Laut Atomic ist der Remedy 130 ein moderner Freerideschuh mit Rennsport-DNA. Er ist baugleich mit dem Redster TX 130, unterscheidet sich von diesem jedoch in folgenden Punkten:

  • durch ein weicheres Boot Board (Shockabsorber)

  • den gummiartigen Spoiler

  • sowie der Gripwalksohle.

Die Leistenbreite beträgt 96 mm. Verstärkungen im Mittelfußbereich sorgen für mehr Torsionssteifigkeit. Die neu gestaltete, anatomische Zehenbox bietet den Zehen im Vorderfußbereich mehr Platz. Der Fersenhalt, der bereits beim Redster CS hervorgehoben wurde, hat sich nicht verändert. Bei diesen Modellen kommt ein spezieller PU-Kunststoff namens „Formula Plastic“ zum Einsatz, der deutlich temperaturstabiler ist und somit einen konsistenteren Flex bieten soll.

Der Vorlagewinkel ist werkseitig auf 16° eingestellt, kann aber bis auf 18° erweitert werden. Hierzu muss allerdings die Bohrmaschine in die Hand genommen werden, um den Schuh aufzubohren und die zweite Schraube zu setzen. Standardmäßig wird der Schuh nur mit einer Schraube ausgeliefert, was für die meisten Fahrer:innen ausreichend sein sollte. Diese befindet sich in einem Langloch, wodurch sich der Schaft um einige Millimeter bewegen lässt. Dies soll zu einem progressiveren Flex des Schuhs beitragen. Wenn die zweite Schraube eingesetzt wird, soll der Schuh nicht härter, sondern direkter und reaktionsfreudiger werden.

Das Canting ist von Werk aus auf 0° voreingestellt und kann individuell angepasst werden. Für die Bootfitter wurde zudem ein 2 mm großes Raster in das Innere des Schuhs gespritzt, damit sie sich leichter orientieren können.

Der 55 mm Professional-Strap kann mithilfe eines statischen zweiten Straps nach persönlichen Präferenzen eingestellt werden. Der thermoverformbare Competition-Innenschuh besteht aus verschiedenen High-Tech-Materialien (Mikrofaser, Neopren, Memory Foam) und soll sich gut an Fuß und Schale anpassen. Die Schlaufen des Liners sind durch das „Ankle Retention System“ so angeordnet, dass die Ferse richtig positioniert und fixiert werden kann. Deshalb empfiehlt Atomic, den Liner zu schnüren.

Tester und Testbedingungen

Der Skischuh wurde seit Ende April 2025 unter unterschiedlichsten Schneebedingungen getestet – vom Frühlings-Powder und Sulzsurfen Anfang Mai bis hin zu frühwinterlichem Powder und eiskalten Weihnachtstagen auf harten Pisten. Meine Schuhgröße ist 41,5/42, und die Schale in Größe 26,5 fühlt sich passend an. Das Canting habe ich bei 0° belassen und aktuell fahre ich den Schuh mit Spoiler. Problemfüße habe ich nicht – viele Skischuhe passen mir Out-of-the-box.

Seit Jahren bin ich beim Freeriden nur in Cabriomodellen von Dalbello unterwegs. Die alten gelben Krypton-Modelle mit Intuition-Innenschuhen galten für mich hinsichtlich Dämpfung und Passform als Referenz. Beim Touren verwende ich den Tecnica Zero G Pro, der für mich ein sehr gutes Verhältnis von Gewicht und Abfahrtsperformance bietet.

Ski und Bindung, die ich mit dem Schuh gefahren bin:

  • Scott Scrapper 124 + Look Pivot

  • Dynastar M Free 108 + Look Pivot

  • Armada Declivity 82 TI + Armada Strive

Praxistest

„Das soll ein Skischuh mit einer Leistenbreite von 96 mm sein?” Das war mein erster Gedanke, als ich den Schuh zum ersten Mal anzog. Während die Ferse und der mittlere Fußbereich gut sitzen, hatte ich bei der Zehenbox eher das Gefühl, in einem Airbus A380 zu stehen, als in einem „Freerideschuh mit Race-DNA”.

Etwas skeptisch ging es mit dem neuen Schuh direkt an einen apriltypischen Powdertag nach Engelberg: morgens Powderstress, mittags noch zwei Runden übers „Messer” in die Nordflanke des Reissend Nollens und nachmittags Sulzsurfen auf der Talbabfahrt. Erst beim Bier auf dem Parkplatz bemerkte ich, dass ich ja einen neuen Schuh an den Füßen hatte.

Dieses Gefühl hat sich über den gesamten Testzeitraum nicht verändert. Der Schuh sitzt genau so, wie ein guter Skischuh sitzen muss. Die Ferse ist sauber fixiert und im Vorderfußbereich bleibt dank der anatomischen Zehenbox genügend Freiheit, um den Ski präzise zu steuern. Es fühlt sich an, als würde man mit den Füßen Klavier spielen: Jede noch so kleine Bewegung der Zehen wird direkt als Lenkimpuls an den Ski weitergegeben. Diese Feinfühligkeit war mir von meinen bisherigen Skischuhen nicht bekannt.

Der Flex des Schuhs verläuft progressiv und fühlt sich weder zu hart noch zu weich an. Entsprechend habe ich darauf verzichtet, die zweite Schraube am Schaft zu montieren, um ein noch direkteres und aggressiveres Fahren zu erreichen. Für mich ist der Schuh sportlich und direkt genug. Durch den harmonisch progressiven Flex, dem weichen Bootboard und dem hochwertigen Liner verfügt der Schuh über herausragende Dämpfungseigenschaften. Das ist besonders vorteilhaft, wenn das Gelände ruppiger wird oder die Pisten härter: Der Schuh bleibt ruhig und dämpft die Schläge effektiv weg, ohne dabei an Präzision einzubüßen. Im Vergleich zu meinem Dalbello Krypton Pro dämpft er minimal weniger, ist dafür aber deutlich präziser und direkter.

Ich habe den Schuh sowohl an warmen Frühlingstagen als auch bei zweistelligen Minusgraden getestet. Dies hatte so gut wie keinen Einfluss auf den Flex, was auf den weltcuperprobten und temperaturstabilen PU-Kunststoff zurückzuführen ist. Zusätzlich wirkt der sportlich dünne Innenschuh hochwertig, insbesondere die Schnürung trägt dazu bei, die Ferse nochmals besser zu fixieren.

Was sich so gut anhört, muss doch auch einen Haken haben? Einen gibt es: Man sollte nicht kälteempfindlich sein. Selbst an den Frühlingstagen waren meine Füße eher kühl und bei den zweistelligen Minusgraden der letzten Wochen waren sie grenzwertig. Die Verarbeitung des Schuhs macht insgesamt einen sehr guten Eindruck, es zeigen sich normale Gebrauchspuren. Die geschraubte und austauschbare Gripwalk-Sohle wirkt allerdings nicht, als wäre sie für die Ewigkeit gemacht.

Fazit

Der Atomic Remedy 130 überzeugt mit starkem Fersenhalt, ist präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und überzeugt mit einer sehr guten Dämpfung. Ein Skischuh, der jederzeit volle Kontrolle vermittelt und dabei extrem direkt und präzise reagiert. Schwächen zeigt er einzig bei der Wärmeisolierung.

Mit zusätzlichen (Toe-) Pin-Inserts für Hybridbindungen wie CAST und Co. wäre der Remedy 130 der Freerideschuh schlechthin. Aber vielleicht kommt Atomic diesem Wunsch vieler Freerider:innen ja noch nach.

Vorteile

  • Präzise und direkte Kraftübertragung

  • Hervorragender Fersenhalt

  • Platz im Vorderfussbereich wirkt sich positiv auf die Steuerung aus

  • Sehr gute Dämpfung

  • Temperaturstabiler Flex

  • Bootfitter freundlich

  • Hochwertiger und sportlicher Lace-up Liner

Nachteile

  • Der Schuh ist nichts für kälteempfindliche Skifahrer:innen

  • Haltbarkeit Gripwalk Sohle (ist austauschbar)

  • Keine (Toe-) Pin-Inserts!

Informationen 

Größen: 24-29.5

Gewicht: 2312 Gramm / Größe 26.5

Schuh- Bindungskompatibilität: Gripwalk, MN

UVP: 659 Euro

Hier geht es zur Website von Atomic mit weiteren Informationen.

Der Schuh wurde PowderGuide vom Hersteller kostenfrei zum Testen zur Verfügung gestellt. Wie wir testen erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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