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Materialtests

Materialtest | Tyrolia Attack Hybrid Freeski Bindung

Für rasante Aufstiege und kompromisslose Abfahrten

02.03.2026
Fritz Crone
Präzise Kraftübertragung, solide Auslösewerte und flexibel einsetzbar – die Attack Hybrid von Tyrolia ermöglicht Abenteuer abseits der Skilifte und verwandelt jeden Freeride Ski in ein Set-up, das auch zum Touren genutzt werden kann.

Freeriding verbindet viele Disziplinen des Skifahrens miteinander, ob steile Hänge, enge Couloirs oder Kicker im Backcountry. Nicht zuletzt entscheidet auch das Material, was möglich ist und was nicht. Dank neuer Entwicklungen wird so das breite Spielfeld immer zugänglicher.

Als eine der letzten großen Neuerungen kann die Etablierung von Hybrid-Bindungen gelten. Die Idee dahinter ist die Kombination eines Pin-Vorderbackens zum Tourengehen, mit einem alpinen Vorderbacken für die Abfahrt. Im Gegensatz zu Rahmenbindungen haben Hybrid-Bindungen einen angenehmeren und natürlicheren Drehwinkel beim Touren, weniger bewegtes Gewicht am Schuh (was sehr kraftsparend ist) und sind häufig auch noch leichter.

Passend zum Pin-Vorderbacken benötigt man nun allerdings einen Skischuh mit Pin-Inserts. Im Gegensatz zu reinen Pin-Bindungen sind Hybrid-Bindungen in der Regel schwerer, robuster und bieten, dank der typischen alpinen Vorder- und Hinterbacken, mehr Sicherheit und ein besseres Fahrgefühl. Hybrid-Bindungen eröffnen im Vergleich zu Pin- und Rahmenbindungen jetzt keine ganz neue Welt, aber sie scheinen wesentlich besser anzukommen als ihre gerahmten Vorgänger. Zeit, ein aktuelles Modell gründlich zu testen.

Erster Eindruck - Eine echte Freeride-Bindung

Die Tyrolia Attack Hybrid 11 MN/PT war erstmals in der Saison 25/26 erhältlich. Von der Bindung werden zwei Varianten angeboten: die Attack Hybrid 11, deren Z-Wert von 3 - 11 reicht und die Attack Hybrid 14, für größere/schwerere/stärkere Fahrer:innen, deren Z-Wert von 4 - 14 verstellt werden kann. Die Bindungen sind abgesehen von der Federstärke nahezu identisch, sie unterscheiden sich leicht farblich und der Hinterbacken ist bei der Attack Hybrid 14 etwas klobiger. Der Hersteller gibt die 14er Bindung mit 865g für den Aufstiegs- und 1115g in der Abfahrtsmodus an. Die 11er-Bindung wird in beiden Aspekten mit 60g weniger angegeben. Beide Bindungen sind Multinorm Kompatibel, was bedeutet, dass sowohl Tourenschuhe als auch Alpin- und GripWalk Skischuhe in die Bindung passen. Lediglich für den Pin-Vorderbacken – also zum Touren gehen – sind Schuhe mit Pin-Inserts erforderlich.

Typisch für eine Hybrid-Bindung muss die Attack Hybrid zwischen Aufstiegs- und Abfahrtsmodus umgebaut werden. Tyrolia hat dies mit einer Platte am Vorderbacken gelöst, auf die die beiden verschiedenen Vorderbacken für den Geh- beziehungsweise Skimodus aufgeschoben und arretiert werden. Dafür muss der graue Hebel (beim Pin-Vorderbacken vorne, beim Alpin-Vorderbacken hinten) umgelegt werden und die Bindung muss von vorne auf die Schiene geschoben werden.

Auf der Platte sind drei Stellungen markiert: Ski, Hike und Emergency. Während Hike und Ski selbsterklärend sind, funktioniert die Emergency-Stellung nur mit dem Pin-Vorderbacken und ermöglicht, sollte man den Vorderbacken verloren oder vergessen haben, eine Abfahrt mit diesem. Aber Achtung, das ist wirklich nur für den Notfall bestimmt, denn der Pin-Vorderbacken verhindert ein seitliches Auslösen, solange der Schuh im Hinterbacken ist, und dort kann er nur vertikal auslösen.

Die Montage

Die Montage der Bindung war schwieriger als gedacht, da zumindest in Innsbruck kein Shop die entsprechende Bohrschablone zur Hand hatte. Schließlich haben wir die Bindung mit einer Papierschablone montiert, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Das funktioniert zwar ganz gut, setzt aber etwas handwerkliches Geschick und Geduld voraus. Die Problematik mit der Bohrschablone dürfte sich allerdings mit der zunehmenden Etablierung der Bindung am Markt schnell erübrigen. Die passende Papierschablone sollte sich bald im PowderGuide-Google-Drive-Ordner befinden!

Tester und Testbedingungen:

Ich bin 181 cm groß und wiege etwa 72 kg. Die Bindung habe ich auf meinem 186 cm langen Spurart Ski montiert, der 105 mm unter der Bindung breit ist. Der Ski ist eher mittig montiert und sehr weich, weil ich gerne verspielte Ski mag. Dank einem Holzkern aus Esche wiegt der Ski ohne Bindung etwa 2 kg und fährt sich auch bei hohem Tempo und schlechten Bedingungen sehr gut.

Vor der Tyrolia Attack Hybrid hatte ich ein Cast System mit Look Pivots montiert, Hybridbindungen sind mir also nicht unbekannt. Meine Interessen an Bindungen sind vielfältig und ich habe schon mehrere Pinbindungen und Hybridbindungen auf verschiedenen Ski gefahren. Passend zu den abfahrtsorientierten Bindungen fahre ich einen abfahrtsorientierten Skischuh - einen Dalbello Cabrio LV Free 130. Ich habe die Bindung Tyrolia Attack Hybrid 11 MN/PT getestet, für meine Größe, Gewicht und Fahrstil war der Z-Wert gerade so ausreichend.

Am liebsten gehe ich längere Touren, bei denen mir die Abfahrt wichtig ist. Über die Saison verteilt, verbringe ich allerdings mehr Skitage im Skigebiet, vor allem wenn sie so schleppend anläuft und gefährlich ist, wie aktuell der Fall.

Bisher ist leider noch nicht allzu viel Schnee in den Alpen gefallen, von den Bedingungen her war allerdings schon alles dabei. Neben harten und eisigen Pisten, hartem Gelände, tiefem Nasschnee und Dust on Crust, gab es jüngerer Vergangenheit auch schon einige sehr deepe Tage. Diese waren leider seeehr gefährlich, trotzdem konnte ich die Bindung in allen möglichen Bedingungen testen.

Testbericht

Die Tyrolia Attack Hybrid ist im Vergleich zur „normalen“ Tyrolia Attack etwas höher gebaut, das ist auf die Schiene und den Mechanismus zurückzuführen, der ermöglicht, dass die Vorderbacken getauscht werden können. Die Standhöhe von 32 mm (gemessen am Hinterbacken) fällt aber nicht negativ auf, hat sogar in meinem Fall das Problem gelöst, dass die Skischuhschnalle beim Carven nicht mehr im Schnee hängen bleibt. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass einer geringeren Standhöhe nachgesagt wird, mehr Kontrolle zu vermitteln. Persönlich finde ich das aber kaum spürbar. Beim Einsteigen in die Bindung schnappt der Hinterbacken kräftig zu und gibt einem gleich das gute Gefühl, anständig fixiert zu sein.

Im Gegensatz zu Bindungen, die den Skischuh mithilfe von Pins befestigen, muss sich das Vertrauen in die Bindung nicht erarbeitet werden. Die Bindung vermittelt sofort Vertrauen, auch in sehr unebenen und eisigen Bedingungen. Die Elastizität der Vorder- und Hinterbacken (30 mm seitlich vorne, 16 mm vertikal hinten) dämpft bei rauen Bedingungen Schläge angenehm weg und sorgt außerdem für ein sehr zuverlässiges Auslöseverhalten.

Die Sprengung, also der Unterschied der Standhöhe beim Vorderbacken zum Hinterbacken, beträgt 4 mm und sorgt für einen angenehmen und natürlichen, nicht zu aggressiven Stance über dem Ski. Im Fahrgefühl unterscheidet sie sich nicht von einer klassischen Freeski Bindung und das ist ein tolles Gefühl, wenn man nach einer Tour in die Bindung einsteigt. Mit der Bindung kann man besten Gewissens Vollgas geben – ganz egal, was für Gelände, ob Freeride, Backcountry Kicker-Sessions oder Park – die Bindung vermittelt volles Vertrauen.

Beim Touren:

Der Switch auf den Hikemodus, geht leicht von der Hand. Der kleine silberne Hebel muss aufgeklappt werden und der alpine Vorderbacken nach vorne von der Schiene geschoben werden. Aus der schicken Attack Hybrid-Box – die in steilem oder rutschigem Gelände nicht unbedacht abgelegt werden sollte – nimmt man die Pinvorderbacken heraus und schiebt, während man ebenfalls den silbernen Hebel aufklappt, diesen von vorne auf die Schiene in die „Hike“-Position. Hebel umklappen und schauen, dass die Bindung arretiert. Die Halterung für die Harscheisen zeigt dabei genau die richtige Position an.

Die Schiene und auch der Vorderbacken selbst, sammeln gerne etwas Schnee, daher lohnt es sich, beides etwas abzuklopfen, damit der Pinvorderbacken ohne großen Widerstand draufgeschoben werden kann. Nach dem Auffellen kann dann die Skibremse arretiert werden. Dafür muss der silberne Hebel, der sich direkt hinter der Skibremse befindet, umgeklappt werden, mit etwas Druck die Skibremse herunterdrücken und schon bleibt die Bremse oben.

Dieser Mechanismus ist im Vergleich zu anderen Hybridbindungen übrigens außerordentlich gut gelungen, denn der Feststellmechanismus funktioniert erstaunlich einfach und dazu noch sehr zuverlässig. Sollte es mal steiler werden, lässt sich die Steighilfe aufklappen. Beim Einsteigen in die Pin-Vorderbacken ist wie immer etwas Präzision gefragt, allerdings ist auf dem Vorderbacken ein Strich aufgezeichnet, der genau die Position des Skischuhs anzeigt und so den Einstieg erleichtert. Die Bedienung ist gleich wie bei einer normalen Pinbindung, so lässt sie sich durch Anziehen des Hebels verriegeln.

Die Steighilfe erhöht den Winkel von 0° auf 9° (die Steighilfe ist 60mm hoch) und trifft einen angenehmen Winkel, der weder sehr flach noch sehr hoch ist. Sich auf eine Steighilfe limitieren zu müssen, mag für manche ein Nachteil sein, ich empfinde ein simples System, bei dem man sich nur zwischen zwei Optionen entscheiden kann, generell als Vorteil. Besonders leicht lässt sich die Steighilfe nicht aufstellen, aber mit etwas Geschick, bekommt man es gut mit dem Skistock hin.

Weil der Bügel der Steighilfe wie ein W geformt ist, lässt er sich sehr gut in den flachen Modus zurückbringen – sehr durchdacht! Beim Touren fällt der schwere Hinterbacken auf, denn er zieht bei Spitzkehren den hinteren Teil des Skis runter und drückt die Skispitze hoch. Für technisch weniger starke Tourengeher erleichtert das die Spitzkehre enorm, denn es braucht keinen „Kick“, um die Ski gescheit herumzubekommen. Technisch starke Tourengeher werden den Kickturn vielleicht etwas vermissen, aber die Einfachheit der Spitzkehre überzeugt dann doch.

Für den Umbau zurück in den Gehmodus muss vor dem Abfellen die Skibremse gelöst werden, ein leichter Schlag mit dem Stock oder ein vorsichtiger Tritt gegen die silbernen Hebel genügt, und die Bremse löst sich. Nur noch den Vorderbacken tauschen und schon ist man Bereit für die Abfahrt!

Besonderheiten

Als einzige Hybridbindung auf dem Markt, kann die Attack Hybrid auch mit Pinvorderbacken gefahren werden. Dafür muss dieser in die Position „Emergency“ geschoben und arretiert werden. Der Emergency-Modus ist wirklich nur den Notfällen vorbehalten, denn die Bindung kann quasi nicht auslösen, was selbst bei kleinen Stürzen schnell schmerzhafte Konsequenzen fordert.

Der Hinterbacken kann ähnlich wie der Vorderbacken von der Schiene geschoben werden, für den Aufstieg kann man dann wertvolle 585 g pro Hinterbacken am Ski sparen. Das katapultiert die Bindung in einen außerordentlich leichten Gewichtsbereich, der Rucksack wird dafür natürlich umso schwerer. Wenn man gut ohne Steighilfen auskommt, kann man bei langen Touren so sehr viel Kraft sparen. Allerdings steht man mit dem Schuh dann im negativen Winkel, was gewöhnungsbedürftig ist. Schiebt man den Hinterbacken zurück auf den Ski, sollte man den Anpressdruck kontrollieren, der dann wieder neu eingestellt werden muss (was zum Glück sehr einfach funktioniert).

Weil sowohl Vorder- als auch Hinterbacken auf einer Schiene fixiert werden, lassen sich mit den passenden Schienen mehrere Paar Ski ausrüsten, die dann mit nur einer Attack Hybrid funktionieren. Das ist wirklich cool, weil die sowieso schon günstige Bindung ermöglicht, dass man einen zweiten Ski für noch weniger Geld (diese Platten gibt es für etwa 80€, scheinen aber momentan schwierig zu kaufen zu sein) fahrfertig machen kann.

Die schicke Tyrolia Attack Hybrid-Box, in der die Vorder- und Hinterbacken gelagert werden können, muss man natürlich nicht mitnehmen, wenn man Platz und Gewicht sparen will. Allerdings sind die Federn zum Fixieren der Bindung sehr fettig, da ist die Box sehr praktisch, damit man sich nichts vollsaut.

Der Verstellweg beträgt etwa 20mm insgesamt, also +10/–10 mm der Mitte. Das ist nicht besonders viel, aber eben auch nicht wenig und reicht bei gleicher Schuhgröße meist für einen Touren- und einen Freerideskischuh aus.

Fazit

Die Bindung macht richtig Spaß und überzeugt sowohl im Hike- als auch im Skimodus. Durchdachte Features erleichtern die Handhabung und gestalten den Umbau vom Skimodus in den Gehmodus und wieder zurück unkompliziert.

Die Bindung ist sowohl wegen des Gewichts als auch wegen des robusten Aufbaus vor allem für abfahrtsorientiertes Tourengehen ideal. Im Vergleich zur herkömmlichen Tyrolia Attack wurde bewusst etwas leichteres Material verbaut, um zusätzliche Gramm zu sparen, der bewährte Aufbau bleibt allerdings der Gleiche. Daher ist die Bindung sehr stabil und haltbar, wovon Freerider:innen profitieren, die meistens im Skigebiet unterwegs sind und sich die Option, eine Tour zu gehen, offenhalten möchten. Im Vergleich zu herkömmlichen Freeskibindungen eröffnet die Tyrolia Attack vollkommen neue Möglichkeiten, ohne dafür Kompromisse eingehen zu müssen. Auf einem Freeride-Ski rundet sie das perfekte Set-up ab, mit dem jedes Gelände in Aufstieg und Abfahrt zugänglich wird.

Vorteile:

  • Sehr gute Abfahrtperformance

  • ISO- und TÜV-zertifiziert

  • Zuverlässige Auslösung

  • Multinorm Kompatibel

  • Bindungsplatten separat erhältlich, um Bindung auf mehreren Ski nutzen zu können

  • Emergency-Modus

  • Preisgünstig

  • Harscheisenkompatibel mit Dynafitsystem

  • Verstellweg von etwa +10 / -10mm

 

Nachteile:

  • Gewicht (ist im Vergleich zu anderen Hybrid-Bindungen allerdings im Mittelfeld)

  • Zeitintensiver Umbau (typisch für Hybridbindungen)

  • Vorderbacken können vergessen werden oder verloren gehen

  • Schuhe mit Pin-Inserts für den Aufstieg nötig

Informationen:

UVP € 475,-

  • Tyrolia Attack Hybrid 11 MN/PT: Z-Wert 3 – 11, 805g im Aufstieg und 1055g in der Abfahrt

  • Tyrolia Attack Hybrid 14 MN/PT: Z-Wert 4 – 14, 865g im Aufstieg und 1115g in der Abfahrt

  • Stopperbreiten: 95mm, 110mm, 130mm

Hier geht es zur Website von Tyrolia mit weiteren Informationen zur Attack Hybrid.

Die Bindung wurden PowderGuide vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wie wir testen, erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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