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Schnee von morgen

Schnee von Morgen | Auf Skitour – plötzlich ohne Auto

Erfahrungen, Tipps und Tricks für Touren mit den Öffis

22.02.2026
Florian Kreß (ÖAV)
Was passiert, wenn das eigene Auto von einem auf den anderen Tag wegfällt und man daraus ein Spontanexperiment macht: Eine Reflexion über den inneren Konflikt zwischen Freiheit, Zeiteffizienz, Bequemlichkeit und Umweltschutz sowie das Entdecken neuer Wege.

Skitouren ganz ohne eigenes Auto?

Gerne, wenn sich das gewünschte Ziel öffentlich erreichen und am besten in eine interessante Überschreitung verpacken lässt. Aber was, wenn es auch mal ein abgelegener Ausgangspunkt für die einsame Skitour sein soll, das Zeitbudget klein ausfällt oder einfach mal wieder die Bequemlichkeit siegt und eine halbe Stunde länger Schlafen zum gewichtigen Argument wird?
Ich schätze, bei vielen wird die Vorstellung eines Bergsportlebens ohne eigenes Auto ähnliches Unbehagen hervorrufen. Das Bedürfnis nach Freiheit und Komfort überwiegt dann doch irgendwie das ökologische Bewusstsein.

Als mein Auto im vergangenen Herbst in die Werkstatt musste, zeichnete sich ab, dass die Instandsetzung unverhältnismäßig teuer ausfallen würde. Vom einen auf den anderen Tag stehe ich ohne Auto da und vor der Frage: Was nun? Möglichst schnell ersetzen? Die finanziellen Mittel für den möglichen Ersatz waren bereits in den „Notgroschen“ eingepreist. Letztlich überwiegt die Neugierde nach der Frage: Wie wäre es, (wieder) ohne Auto zu leben?
Ich empfinde sowieso jegliche Wartungsarbeiten und Werkstattbesuche am Auto als lästig. Als Stadtbewohner brauche ich das Auto nur für Freizeitaktivitäten und daher eigentlich eh viel zu selten, um einen eigenen Pkw rational rechtfertigen zu können. Ein wahrer Luxus, den ich mir gönne, um uneingeschränkt jede auch noch so ausgefallene Tour erreichen zu können (siehe Kostenrechnung unten). Dessen bin ich mir bewusst.
Ich nehme also die Herausforderung an, zumindest die nächsten Monate ohne eigenes Auto auf Tour zu gehen. Gleichzeitig bin ich gespannt auf die Erfahrungen, die mit der Entscheidung einhergehen.

In Österreich verfügen nur etwas weniger als ein Viertel der Haushalte über keinen Pkw, wobei sich die Hälfte der autofreien Haushalte auf Wien konzentriert. In den übrigen Bundesländern liegt der Anteil der autofreien Haushalte bei etwa 20 %, in Nieder- und Oberösterreich nur bei 13 % [1]. In den größeren Städten wie Innsbruck, Salzburg, Linz und Graz sind etwa ein Drittel der Haushalte autofrei [2]. Im Bundesschnitt gelten für Deutschland und die Schweiz ähnliche Größen [3].

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Gelungener Auftakt ins Experiment

Der Selbstversuch startet bereits im Herbst. Das Timing für den Ausfall meines Autos kommt – wie so oft – ungelegen: genau drei Tage vor meinem geplanten Geburtstags-Trip nach Südtirol. Der Ausgangspunkt der lange geplanten Kletterroute an der Sarner Scharte lässt sich nur mit dem Auto sinnvoll erreichen und mein Tourenpartner hat auch kein Auto zur Verfügung. Eine Alternative muss her! Zum Glück wartet die Idee, den talnahen Mehrseillängen im Vinschgau am Naturnser Sonnenberg einen Besuch abzustatten, schon seit Jahren auf ihre Umsetzung; nur haben die Rahmenbedingungen bis dahin noch nie wirklich gepasst. Schnell wird die öffentliche Anreise recherchiert und eine Ferienwohnung für eine Nacht organisiert. Die Vorfreude war so beinahe noch größer, wenn völlig unerwartet ein (anderes) persönliches Ziel zur Umsetzung kommt. Als besonderes Zuckerl sind die öffentlichen Verkehrsmittel bei einer Übernachtung in Südtirol bereits bei der Anreise umsonst (siehe Tipps unten). Der gelungene Trip sorgt gleich zu Beginn des Experiments dafür, dass ich das Fehlen des Autos nicht als Einschränkung, sondern in diesem Fall sogar als bereichernd empfinde: nicht nur finanziell, sondern auch die frei verfügbare Zeit, in der ich auf der Rückfahrt in Ruhe an der Routenbeschreibung der unveröffentlichten Klettertour feilen kann.

Ein Zwischenfazit und ein ungewisser Blick auf die Frühjahrssaison

Und wie sieht die Sache beim Skitourengehen in der kalten Jahreszeit aus, wo man meist mit schwerer Ausrüstung unterwegs ist und die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs womöglich eingeschränkter bestehen etc.?
Nach drei Monaten Skitourensaison und knapp 30 Tourentagen kann ich auf jeden Fall festhalten, dass ich dadurch nicht seltener als vorher auf Skitour komme, wobei ich bereits vorher – wenn möglich – versucht habe, mit Öffis unterwegs zu sein. Ansonsten konnte ich bei anderen mitfahren. Zudem habe ich mir bis jetzt einmal ein Auto bei einem Freund ausgeliehen und zweimal Carsharing ausprobiert. Meist habe ich eine Möglichkeit gefunden, an den gewünschten Ort zu gelangen, oder es ließ sich eine an die Rahmenbedingungen angepasste Ausweichtour planen.

Das heißt nicht, dass immer alles einfach ging oder glatt lief. Generell verlangt die Mobilität mehr Planung und Aufmerksamkeit, als wenn das eigene Auto fahrbereit in der Garage stünde. Mühsame Situationen gibt es natürlich so einige, in denen ich auch mal daran zweifele, auf Dauer ohne Auto zu leben: Wenn man wieder mal unnötig früh aufstehen muss, um die einzige sinnvolle Busverbindung am Vormittag zum Ausgangspunkt zu erwischen; wenn man bei Minusgraden an der schattig kalten Haltestelle im Nirgendwo auf den nächsten Bus warten muss anstatt gleich ins Auto steigen und die Sitzheizung betätigen zu können; wenn man sich ausrechnet, wie schnell man mit eigenem Auto daheim wäre, anstatt mehrmals umsteigen zu müssen; wenn man nach der Tour gerade in ein „Loch“ im Busfahrplan gerät, nur Trampen eine Option ist, man mitleidige Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer:innen erntet und in der Ungewissheit bleibt, wie lange man dort wohl stehen muss; mit dem Auto eines Freundes zu fahren und aufgrund der ungewohnten Ausmaße Sorge haben, irgendwo anzustoßen und ihm Scherereien zu machen; dass gerade bei dem Mal, bei dem ich mit dem Auto des Freundes unterwegs bin, scheinbar die Schließanlage kaputt geht und ich das Auto offen am Parkplatz stehen lassen muss (hat sich im Nachhinein nur als Anwendungsfehler herausgestellt); wenn man sich erst zu spät festlegt und alle Autos beim Carsharing belegt sind und von der anvisierten Tour ablassen muss; wenn das Carsharing-Auto keinen Eiskratzer hat.

Diesen Momentaufnahmen stehen auch grundlegende, positive Empfindungen gegenüber: sich nicht mehr um das Auto kümmern zu müssen (tanken, Reifen wechseln, Frostschutzmittel nachfüllen, reinigen etc.); keine Sorgen zu haben, dass etwas am Auto kaputtgeht, ungeplante Reparaturen anstehen und man selbst dafür verantwortlich ist; oder Geld zu sparen (siehe Tipps unten). Häufig entstehen Touren ohne Auto mit besonders hohem Gesamterlebnis. Und es ist ein gutes Gefühl, nach den eigenen Überzeugungen zu leben und einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Derzeit halte ich an der Entscheidung „autofrei“ fest. Denn ich finde den Prozess spannend, wenn man die Rahmenbedingung „kein eigenes Auto“ als gesetzt ansieht und sich ausgehend davon mit Mobilitätsoptionen auseinandersetzt, die man vorher nicht in Betracht gezogen oder noch gar nicht gekannt hat. Der Weg entsteht quasi im Gehen, indem man Neues kennenlernt und ausprobiert, und nebenbei gewinnt man neue (Lebens-)Erfahrungen.
Ein gut ausgebautes, preiswertes Carsharing-Angebot, sodass man in angemessener Gehdistanz am nächsten Auto ist, wäre für mich eine entscheidende Entwicklung. Zugegebenermaßen sehe ich der Frühjahrskitourensaison nämlich ohne eigenes Auto skeptisch entgegen. Dann sind viele Skibuslinien bereits eingestellt und generell höher gelegene Parkplätze attraktiv, die nicht vom öffentlichen Verkehr erschlossen sind, man kann mit Öffis nicht ausreichend früh am Ausgangspunkt sein und ein Carsharing-Auto am Morgen abholen ist mit noch früherem Aufstehen verbunden als eh schon nötig (man will ja nicht für die Nacht zahlen!). Der Selbstversuch geht also weiter – mit offenem Ausgang.

Tipps

Auch wenn ich noch kein Profi bin und über keine langjährigen Erfahrungen verfüge, gebe ich gerne ein paar Tipps aus meinem Prozess weiter für alle, die vielleicht auch darüber nachdenken, ohne eigenes Auto zu leben, oder die einfach nur versuchen, klimafreundlicher unterwegs zu sein.

1.        Ein Budget für Mobilität

Ein Öffi-Ticket für eine Stunde Fahrtzeit um 16 €? Ein Auto für einen Tag um 60 € ausleihen? 100 km Fahrtstrecke mit dem von Freunden geliehenen Auto um 40 €?

Egal ob man öffentliche Verkehrsmittel nutzt, sich eines „offiziellen“ Carsharings bedient oder ein Auto von Freunden ausleiht (wenn du sie fair bezahlst: 0,30–0,50 €/km), die Kosten für die einzelne Fahrtstrecke sind deutlicher sichtbarer, als wenn man mit dem eigenen Auto unterwegs ist und unmittelbar nur die Spritkosten anfallen. Die anderen, weitaus höheren Kosten des Pkw-Unterhalts schlagen irgendwann im Laufe des Jahres, quasi ohne Bezug zur zurückgelegten Strecke zu Buche. Das sorgt dafür, dass wir diese geistig nicht der Autofahrt zurechnen oder man schlicht und ergreifend den Überblick über die jährlichen Gesamtkosten verliert. Kennt ihr eure?

Bei meinem VW Golf lag der alleinige Unterhalt (Wartung und Reparaturen, Versicherung, Kfz-Steuer) ohne Sprit und Mautkosten in den letzten Jahren bei um die 2.500 € pro Jahr. Damit lag ich – wohl dem altersbedingten Reparaturaufwand geschuldet – etwas über dem Mittel.

Üblicherweise geht man bei einem Kompaktklasse-Wagen von ca. 1.800 € für den jährlichen Unterhalt aus [1.1; 1.2]. Damit hat man sein Auto allerdings noch keinen Meter bewegt. Im Durchschnitt zahlen wir 1.000–1.500 € Treibstoffkosten im Jahr. Damit wären wir bei 3.000 € jährlich. Unberücksichtigt dabei sind die Anschaffungskosten beziehungsweise der Wertverlust, für den streng genommen weitere 1.500 € oder mehr im Jahr zu berücksichtigen wären.

Macht man sich die tatsächlichen Kosten für das eigene Auto bewusst, fällt es leichter, scheinbar viel Geld für einzelne Fahrten auszugeben. Mir hilft der Gedanke, eine Summe (z. B. 2.000 €) als mein Mobilitätbudget einzuplanen und dabei letztlich immer noch einiges an Geld zu sparen.

Eine Jahreskarte für den öffentlichen Verkehrsmittel ist für mich – abhängig natürlich vom Angebot am Wohnort – ein „No-Brainer“. Zwischen 400 und 700 € kostet das Klimaticket für das eigene Bundesland, mit dem man quasi eine Mobilitäts-Flatrate erhält. Bei welchem Transportmittel gibt es das sonst?

2.        Überschreitungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Bereits vergangene Wintersaison habe ich versucht, das Auto öfter stehen zu lassen und die eigene Bequemlichkeit vor allem mit Überschreitungen zu überlisten, die sich einfach am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchführen lassen (siehe hier). Ohne eigenes Auto ist diese Art des Unterwegsseins ebenso erstrebenswert, um gar nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, auf etwas verzichten zu müssen.
Zur Inspiration sei die Sammlung an Überschreitungen auf dem Tourenportal der Alpenvereine empfohlen sowie auf www.zuugle.at. Dort kann man gezielt nach Überschreitungstouren filtern.

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3.       Carsharing als Ergänzung

Wenn der Ausgangspunkt der Wunschtour mal gar nicht öffentlich erreichbar sein sollte und kein Tourenpartner mit Auto zur Verfügung steht, ist Carsharing für mich eine gute Möglichkeit (auf die ich bis dato ehrlicherweise noch kaum zurückgreifen musste). Im Gegensatz zum privaten Ausleihen bei Freunden ist alles klar geregelt, was ein gutes Gefühl gibt: sei es im Schadensfall, hinsichtlich der Kosten oder die Verfügbarkeitsinfo des Fahrzeugs. Das Carsharing-Angebot in Österreich stellt sich derzeit regional recht unterschiedlich dar. An meinem Wohnort in Innsbruck zum Beispiel gibt es nur wenige Standorte, während teils Umlandgemeinden überraschend gut versorgt sind. So habe ich bisher immer nur E-Pkws für die letzte Meile von Standorten verwendet, die nahe am Ausgangspunkt liegen und zu denen ich öffentlich angereist bin. Wer sich nach Angeboten in der eigenen Umgebung informieren will, kann sich unter www.mobil-am-land.at/content/Carsharing einen guten Überblick verschaffen. Es existieren bereits über 100 aktive Angebote in Österreich.
Auch die Tarife sind – vermutlich dank Förderungen von Bund oder Land – häufig sehr fair: z.B. 4 €/Stunde und 0,20 €/Kilometer. Für die regelmäßige Nutzung bestehen in der Regel noch günstigere Abo-Modelle und teils weitere Ermäßigungen in Kombination mit Jahreskarten des öffentlichen Verkehrs. Besonders preiswert ist das Angebot von ÖBB Rail & Drive (www.railanddrive.at) an Wochenenden mit Standorten an vielen Bahnhöfen.

Gemäß Verkehrsclub Österreich kann ein (stationsbasiertes) Carsharing 7–20 Pkw ersetzen. Ein Auto steht in der Regel 23 Stunden am Tag und belegt dabei 10–12 m² Platz. Durch Carsharing ließen sich somit Auslastung und Effizienz der Fahrzeuge erheblich steigern sowie folglich Ressourcenverbrauch, Treibhausgase für die Herstellung (10–17 Tonnen pro Pkw) und Bodenverbrauch reduzieren [2].

4.        Mehrtagestouren planen

Wie wäre es, anstatt mehrerer Tagestouren öfter mal eine Mehrtagestour zu unternehmen? Sich mehr Zeit nehmen, unbekannte Gebiete zu erkunden, und leichter in Austausch mit den Menschen vor Ort zu kommen. So sind auch Ziele mit längerer Anreise lohnend und man kann ab dem zweiten Tag gleich auf Tour starten.
Ja, Übernachten ist nicht preiswert und nichts, was man jedes Wochenende macht. Dafür verschafft es ein besonders intensives Gesamterlebnis. Auch spart man sich mehrere Fahrtstrecken. Sehr attraktiv ist in dieser Hinsicht, dass in Kombination mit einer Nächtigung der öffentliche Verkehr in vielen Tourismusregionen kostenlos genutzt werden kann, häufig bereits bei der Anreise. In Salzburg, Südtirol und Trentino gilt dies gar für das ganze Land. So können die öffentlichen Verkehrsmittel sogar finanziell im Vorteil gegenüber einer Pkw-Anreise liegen.

Viele weitere Anregungen und Tipps, um klimafreundlich – mit und ohne Auto – auf Touren zu gehen, gibt der neue Cardfolder Mobilität des Österreichischen Alpenvereins hier. Wenn du ihn lieber gedruckt in Händen halten möchtest, erkundige dich bei deiner nächsten Alpenvereinssektion.

Vor-/Nachwort

Der Autor ist sich bewusst, dass die Herausforderungen, die ohne eigenes Auto entstehen, von vielen Faktoren wie dem eigenen Wohnort, dem Angebot des öffentlichen Verkehrs, den Mobilitätsbedürfnissen usw. abhängen. Bei dem Artikel handelt es sich daher um eine sehr individuelle, persönliche Reflexion, wobei der Leser bzw. die Leserin sehr wahrscheinlich zu abweichenden Schlüssen kommt. Im besten Fall regt der Artikel zum Nachdenken an und gibt Inspiration für das eigene Mobilitätsverhalten.

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