Den ganzen Winter über hatten wir überlegt, wohin wir einen Monat lang wegfahren könnten. Wir wollten irgendwohin, wo es sich weit und ungewohnt anfühlt, und am besten, ohne in ein Flugzeug zu steigen. Wir wollten etwas tun, das ein wenig außerhalb unserer Routine liegt. Lydia hatte bereits ein paar Wochen auf der Lyngen-Halbinsel verbracht und wollte unbedingt wieder dorthin. Diesmal hatte sie einen neuen Plan: Sie wollte eine Ausrüstung für die Überquerung der Fjorde mitbringen, damit wir Faces erreichen konnten, für die wir normalerweise viel Zeit zu Fuß benötigen würden. Das bedeutete, das Wasser zu überqueren und in das Abenteuer einzutauchen, ohne nass zu werden, was die Deutschen "Abenteuer" nennen.
Einen Monat in Norwegen zu verbringen, besonders so weit im Norden, kann teuer werden. Um mobil zu bleiben und die Kosten niedrig zu halten, war der Van schnell die erste Wahl. Natürlich muss man bereit sein, mehr als dreitausend Kilometer zu stricken, Geschichten auszutauschen oder Hörbücher zu hören. Aber das ist es wert. Wir hatten nicht viel Heizungskapazität, eigentlich so gut wie gar keine. Manchmal haben wir sie wirklich vermisst. In Lyngen wurde der April in diesem Jahr nie sehr kalt, aber es war trotzdem frisch. Im Inneren des Wagens herrschte meist eine Temperatur zwischen null und fünf Grad, manchmal auch weniger. Somit war es nicht leicht, sich nach einem ganzen Skitourentag aufzuwärmen.
Die Planung der Verpflegung war ein weiteres Problem. Die Geschäfte sind rar, und die Preise ändern schnell die Ess-Gewohnheiten. Ebenso wichtig ist die Logistik für die Skiausrüstung, insbesondere das Trocknen von Schuhen und Kleidung. Wenn es um das Thema Sicherheit geht, ist eine Lawinenausrüstung nicht verhandelbar. LVS, Schaufel und Sonde sind obligatorisch, und auch ein Rucksack mit Airbag ist ein unverzichtbares Sicherheitsgerät, auf das wir nicht verzichten möchten. Auch ein Eispickel, Steigeisen, Ski-Steigeisen und immer eine zusätzliche warme Schicht sind sehr zu empfehlen. In Lyngen schlägt das Wetter schnell um und es kann in kürzester Zeit von schön zu eiskalt wechseln.
Geografie und Meteorologie
Norwegen ist ein gebirgiges Land, das sich von 59° bis 71°N erstreckt. Es zeichnet sich durch lange Winter, steile Fjorde, die in den Atlantik münden, und ein komplexes Wetter- und Schneesystem aus. Alpines Gelände und kalte, vielschichtige Wetterlagen begünstigen eine bedeutende und komplexe Lawinensituation (Engeset 2013; Jensen 2018). Die Schneedecke hält je nach Breitengrad und Höhenlage zwischen drei und acht Monaten an (Larsen et al. 2020). Die Wintersaison reicht ungefähr von Ende Dezember bis Ende Mai (Jensen 2018).
In Nordnorwegen ist es im Winter im Durchschnitt etwa zehnmal wärmer als an anderen Orten auf demselben Breitengrad. Dies ist hauptsächlich auf den Atlantik zurückzuführen, der warme Wasserströmungen aus dem Südwesten und Tiefdruckgebiete mit warmer Luft in die Region transportiert (Hanssen-Bauer 2015).
Nordatlantische Wirbelstürme folgen sogenannten "Bahnen":
Nordwestliche Bahnen ziehen über die Norwegische See und bringen Niederschläge nach Nordwesteuropa und mildes Wetter in die umliegenden Regionen.
Südlichere Bahnen bringen Niederschläge nach Südeuropa und Kälteperioden nach Nordeuropa (Van Loon & Rogers 1978).