Zuckerhütl im Wandel
Der Name „Zuckerhütl” geht vermutlich auf die einst durchgehend schneeweiße Gipfelkuppe zurück, die markant am Ende des Stubaitals in den Himmel ragte. Heute ist davon allerdings nur noch bedingt etwas zu sehen. Mit 3.507 Metern ist das Zuckerhütl der höchste Gipfel der Stubaier Alpen – auch wenn das nicht immer so klar war. Lange Zeit hielt man den deutlich niedrigeren Habicht (3.277 Meter) wegen seiner exponierten Lage für den höchsten Berg der Gruppe. Ein Irrtum, der sich hartnäckig hielt – und bei manchen bis heute anhält.
Seit der Erstbesteigung des Zuckerhütls im Jahr 1863 durch Josef Anton Specht mit dem Bergführer Alois Tanzer hat sich allerdings einiges verändert. Wo früher eine anspruchsvolle Unternehmung mit langer Anreise wartete, erschließt heute ein ganzes Skigebiet den Berg. Der einst mühsame Gipfelsieg ist dadurch beinahe zur Halbtagestour geworden – zumindest logistisch. Alpin bleibt er dennoch. Auch optisch hat das Zuckerhütl an Glanz verloren: Das einst strahlend weiße „Zucker“-Kleid schmilzt mit den Gletschern dahin und gibt einen zunehmend steinigen Gipfelaufbau frei.
Was früher aus festem Eis bestand, ist heute vor allem im Sommer brüchig und unangenehm, wenn Steine von oben herabprasseln. Konsequenterweise haben die Bergführer im Stubaital den klassischen Gipfel seit Sommer 2020 aus dem Hochtourenprogramm gestrichen. Stattdessen führen sie ihre Gäste vom obersten Sulzenauferner auf die formschöne Pfaffenschneide (3.498 m) – weniger bröselig, aber kaum weniger eindrucksvoll. Als Trost wird sie auch oft Zuckerhütl-Westgipfel genannt.