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TourenTipps

TourenTipp | Zuckerhütl

Ein Hochtourenklassiker, der landschaftlich begeistert, aber selten Ruhe bietet

05.02.2026
Teja Stüwe
An einem sonnigen Samstag früh in der Saison – zu einer Zeit, in der die Schneelage noch überschaubar war und viele Skitouren schlicht nicht machbar waren hatten wir dieselbe glänzende Idee wie Hunderte andere: Rauf aufs Zuckerhütl, den höchsten Gipfel der Stubaier Alpen, der im Volksmund auch „Hiatl“ genannt wird. Und so fanden wir uns wieder, mitten im Geschehen, hin- und hergerissen zwischen echtem Bergerlebnis, großartiger Landschaft – und einer Tour, die zeitweise mehr an eine Warteschlange als an alpine Einsamkeit erinnerte.

Zuckerhütl im Wandel

Der Name „Zuckerhütl” geht vermutlich auf die einst durchgehend schneeweiße Gipfelkuppe zurück, die markant am Ende des Stubaitals in den Himmel ragte. Heute ist davon allerdings nur noch bedingt etwas zu sehen. Mit 3.507 Metern ist das Zuckerhütl der höchste Gipfel der Stubaier Alpen – auch wenn das nicht immer so klar war. Lange Zeit hielt man den deutlich niedrigeren Habicht (3.277 Meter) wegen seiner exponierten Lage für den höchsten Berg der Gruppe. Ein Irrtum, der sich hartnäckig hielt – und bei manchen bis heute anhält.

Seit der Erstbesteigung des Zuckerhütls im Jahr 1863 durch Josef Anton Specht mit dem Bergführer Alois Tanzer hat sich allerdings einiges verändert. Wo früher eine anspruchsvolle Unternehmung mit langer Anreise wartete, erschließt heute ein ganzes Skigebiet den Berg. Der einst mühsame Gipfelsieg ist dadurch beinahe zur Halbtagestour geworden – zumindest logistisch. Alpin bleibt er dennoch. Auch optisch hat das Zuckerhütl an Glanz verloren: Das einst strahlend weiße „Zucker“-Kleid schmilzt mit den Gletschern dahin und gibt einen zunehmend steinigen Gipfelaufbau frei.

Was früher aus festem Eis bestand, ist heute vor allem im Sommer brüchig und unangenehm, wenn Steine von oben herabprasseln. Konsequenterweise haben die Bergführer im Stubaital den klassischen Gipfel seit Sommer 2020 aus dem Hochtourenprogramm gestrichen. Stattdessen führen sie ihre Gäste vom obersten Sulzenauferner auf die formschöne Pfaffenschneide (3.498 m) – weniger bröselig, aber kaum weniger eindrucksvoll. Als Trost wird sie auch oft Zuckerhütl-Westgipfel genannt.

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Die Tour

Dank der Stubaier Gletscherbahnen ist der Gipfel des Zuckerhütls vergleichsweise schnell erreichbar, was ihn besonders attraktiv macht. Für viele ist dies die erste Skihochtour ihres Lebens. Dabei legt man etwa 900 Höhenmeter inklusive Gegenanstieg zurück. Doch die Bequemlichkeit trügt, denn es müssen zwei Gletscher überquert werden und für den Gipfelanstieg sind Steigeisen und Pickel erforderlich. Wer denkt, die Höhe sei kein Problem, kommt spätestens hier ins Keuchen. Wer sich darauf einlässt, wird jedoch mit beeindruckenden Landschaften und einem unvergesslichen Gipfelerlebnis belohnt.

Wer das Zuckerhütl hingegen „by fair means” besteigen möchte, muss deutlich mehr Höhenmeter sammeln. Vom Mutterberg aus über das Skigebiet der Stubaier Gletscherbahnen sind es rund 2.300 Höhenmeter. Der Anstieg von der Grawa Alm über den Sulzenauferner ist kaum weniger fordernd und bringt etwa 2.000 Höhenmeter mit sich.

Zustieg

Die meisten entscheiden sich für den komfortablen Zustieg mit den Stubaier Gletscherbahnen. Hierfür stehen zwei gängige Varianten zur Verfügung. Entweder nimmt man den Fernaulift. Von dort aus lassen sich bei ausreichender Schneelage die Südhänge queren, wodurch sich einige Höhenmeter einsparen lassen und die Tour entspannter beginnt. Alternativ geht es mit der Schaufeljochbahn hinauf. Anschließend fährt man über den Gaiskarferner ab, vorbei am gleichnamigen Schlepplift, bis hinunter in eine Mulde. Dort beginnt der eigentliche Aufstieg. Spätestens hier endet der Pistenkomfort und die Hochtour beginnt.

Von dort aus geht es über den Pfaffenferner, von dem nur noch wenige Reste vorhanden sind, hinauf zum Pfaffenjoch. Fast immer müssen hier für ein paar Meter die Ski abgeschnallt werden. Über Felsblöcke wird gekraxelt, bis man wenig später am Sulzenauferner die Ski wieder anschnallen kann. Je nach Schneelage und Wetter, besonders früh in der Saison, ist es ratsam, sich hier für die bevorstehende Gletscherquerung anzuseilen. Zumindest Gurt und Gletscherausrüstung sollten getragen werden, für den Fall, dass ein Fehltritt unverhofft in einer Gletscherspalte endet.

Anschließend quert man den Gletscher flach an der Zuckerhütl-Nordwand vorbei, steigt noch einige Meter an und erreicht schließlich das Skidepot. Zeit zum Durchschnaufen – die Höhe macht sich hier bereits deutlich bemerkbar.

Gipfelsturm

Jetzt heißt es: Wechsel in den Hochtourenmodus! Steigeisen an, Pickel in die Hand, Helm auf – und ab in den steilen Gipfelanstieg! Es wird vor allem bei regem Betrieb gefährlich. Schneeriesel und im ungünstigsten Fall Steinschlag erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Hinzu kommt, dass viele hier erstmals mit steilem Hochgebirgsgelände konfrontiert sind, weshalb Umsicht und gegenseitige Rücksicht besonders wichtig sind. Am Ende des anspruchsvollen Anstiegs wird man mit einem spektakulären Rundblick auf die Dolomiten, Stubaier- und Ötztaler Alpen belohnt.

Abfahrt

Die Abfahrt vom Skidepot über den Sulzenauferner ist wenig spektakulär und eher als flache Querung zu verstehen. Hier heißt es: nicht kreativ werden. Es empfiehlt sich, mehr oder weniger den vorhandenen Spuren zu folgen, denn der Gletscher ist von einigen Spalten durchzogen. Deutlich genussvoller präsentiert sich anschließend der Pfaffenferner. Er ist weitläufig, offen und großzügig und bietet reichlich Platz – und damit oft die Chance auf ein paar noch unverspurte Schwünge. Im unteren Teil warten mehrere Rinnen und Varianten, die zurück zum tiefsten Punkt der Mulde führen.

Dort angekommen folgt allerdings der unvermeidliche Realitätscheck in Form des Blicks auf den Gegenanstieg. Spätestens jetzt wird klar, dass die Tour noch lange nicht zu Ende ist.

Gegenanstieg

Der eigentliche Entgegner dieser Tour ist der Gegenanstieg zurück ins Skigebiet. Auch hier hat man die Wahl zwischen zwei Varianten, die beide noch einmal Motivation verlangen.

Option eins führt zurück zum Fernaulift und kann idealerweise mit Unterstützung des Zweier-Sessellifts Pfaffengrat absolviert werden. "Idealerweise“ deshalb, weil er in dieser Saison (Stand: Dezember 2025) noch nicht in Betrieb war – was den Plan gelegentlich schneller scheitern lässt als gedacht.

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Die zweite Möglichkeit ist der Rückweg zum Schlepplift Gaiskarferner. In weiten Teilen der Saison bedeutet das allerdings, dass man bis zum oberen Lifthäuschen aufsteigen muss, obwohl der Schlepplift theoretisch bis nach unten fährt. An der geschlossenen Talstation einzusteigen, ist ausdrücklich nicht erwünscht. Aus eigener Erfahrung wird der Lift in solchen Fällen konsequent angehalten, bis man wieder ausgestiegen ist.

Alternativen abseits des Trubels

Wer sich dem Trubel zumindest teilweise entziehen möchte, findet einige lohnende Alternativen abseits der klassischen Route auf das Zuckerhütl.

Abfahrt über den Sulzenauferner

Bei ausreichender Schneelage wartet eine großartige, lange Abfahrt über den verspalteten Sulzenauferner hinunter zur Sulzenauhütte und weiter bis zur Grawa Alm.

Bei mäßiger Schneelage bietet sich eine verkürzte Variante an: Abfahrt bis zum Sulzenausee, anschließend Wiederaufstieg über das Peiljoch und abschließende Abfahrt zurück zur Eisgrat-Mittelstation der Stubaier Gletscherbahnen.

Zuckerhütl Nord

Direkt neben dem Normalweg zweigt die Route in die Zuckerhütl-Nordwand ab – eine ernstzunehmende kurze Nordwand. Im Sommer muss hier auf Gletscher Eis geklettert werden, im Winter wird zunächst gestapft, bevor es im oberen Teil in steileres Felsgelände übergeht. Diese Route ist etwas für Alpinisten, die gerne für kurze Zeit Einsamkeit genießen, bevor sie am Gipfel unweigerlich wieder auf den Rest der Gruppe treffen. Bei guten Schneeverhältnissen ist die Abfahrt über den unteren Teil besonders lohnend.

Übernachtung auf der Hildesheimer Hütte

Die wohl gemütlichste Art, dem Massenansturm zu entgehen, ist eine Übernachtung im Winterraum der Hildesheimer Hütte. Wer hier nächtigt, steht frühmorgens bereits auf den Skiern, noch bevor die Gondeln zum Leben erwachen – und erlebt das Zuckerhütl in seeliger Ruhe. Die Hütte ist vom Skigebiet aus relativ unkompliziert erreichbar und eignet sich ideal für eine gemütliche Nacht und einen entspannten Tourenstart.

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