Strom und Batteriemanagement
DAS Thema schlechthin, nach dem ich immer wieder gefragt werde. “Wie hast du es geschafft, 40 Tage lang ohne eine Steckdose auszukommen?“ ist eine häufige Frage. Was habe ich also gemacht?
Viele Monate vor der Expedition habe ich angefangen zu experimentieren, wobei mir einige Punkte bei der Stromversorgung wichtig waren:
Solarstrom war die einzige praktikable Lösung
möglichst leicht sollte es sein
ich brauchte mehrere Tage Autonomie, also die Möglichkeit, meine Geräte zu laden auch bei anhaltend schlechtem Wetter
Meine Akkus mussten die Bestimmungen der Airlines erfüllen
Da ich einige Jahre zuvor mit dem Fliegen und Bauen von FPV-Drohnen angefangen hatte, kannte ich mich mittlerweile sehr gut mit DIY-Lösungen aus. Ich habe mich recht früh dazu entschlossen, mir meine Powerbank einfach selbst zu bauen.
Ich erkläre im Folgenden vereinfacht, was ich da genau gemacht habe, muss aber auch anmerken, dass ich für die nächste Expedition wohl wieder zu einer bereits bestehenden, herkömmlichen Lösung tendieren würde. Gründe und Lösungen dafür gibt’s in den Tipps am Ende des Artikels.
Mein selbstgebauter Akkukoffer war im Prinzip ein Pelicase mit insgesamt 81 Batteriezellen, die ich zu 9 Einzelakkus (12 Volt) mit je 99 Wh und 6 Zellenzusammengelötet habe. So konnte ich also sichergehen, diese Akkus auch im Flugzeug mitnehmen zu dürfen und sie vor der Expedition mit selbstgebauten Adapterkabeln zu einer großen Powerbank zusammenzuschließen. Ein kleiner Workaround, der sehr gut funktioniert hat.
Zusätzlich kamen in das Pelicase ein Solarstromregler und ein Temperaturmessgerät. Lithium-Ionen-Akkus funktionieren zwar in der Kälte, aber sobald man sie lädt, wenn sie eine Kerntemperatur von unter 5–6 °C haben, zerstört man sie relativ schnell. Deshalb habe ich zwei Heizpads (auf dem Foto in rot) in das Case gelegt, um die Batterien vor dem Laden aufwärmen zu können.
So hatte ich eine “Haupt-Powerbank”, die ich direkt an meine zwei großen, je 130-Watt-Solarpaneele hängen konnte und die all unsere technischen Geräte mit Strom versorgt hat: Kameras, Tongeräte, Handys, Powerbanks der anderen Teammitglieder, GPS-Geräte, etc. Dank der hohen Kapazität von knapp 1 kWh (entspricht umgerechnet circa 270.000 mAh, wenn man es mit normalen Powerbanks vergleichen möchte) gab mir das gute 7-8 Tage Strom am Stück, ohne die Powerbank an die Solarpaneele anschließen zu müssen. Das hat mir gerade zu Beginn unserer Expedition extrem geholfen, da sich die Sonne erst nach gut einer Woche zum ersten Mal richtig gezeigt hat.
Um den Strom aus diesem selbstgebauten Akkukoffer nun in all unsere technischen Geräte zu bekommen, brauchte ich ein Ladegerät. In meinem Fall habe ich ein Ladegerät aus dem FPV-Drohnen-Hobby umfunktioniert und mir zusätzlich einige notwendige Ladekabel selbst gelötet. So konnte ich beispielsweise alle sieben Tonaufnahmegeräte gleichzeitig an nur einem Anschluss laden.
Solltest du mir bis hierher gefolgt sein, kannst du dir jetzt vielleicht denken, warum ich das nächste Mal lieber eine fertige Powerbank mit direkt eingebauten USB-C-Steckern zulegen würde. Mein Setup hat für mich und diese Expedition ausgezeichnet funktioniert, man braucht allerdings sehr tiefgehende Kenntnisse in Elektrotechnik, um sicherzugehen, dass das Zelt nicht in die Luft fliegt – das kann bei Experimenten mit Batterien durchaus vorkommen.