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Abenteuer & Reisen

Expedition Spitzbergen | Herausforderungen eines Grenzgangs - Teil III

Die technische Planung und Umsetzung eines Expeditionsfilms

23.02.2026
Moritz Krause
In TEIL I und TEIL II dieser Beitragsreihe ging es um die mentalen Herausforderungen einer 40-tägigen Arktis-Expedition, also: Was geht jemandem durch den Kopf, der das erste Mal für so lange Zeit “off the grid” unterwegs ist, abgeschottet von allem Vertrauten und mittendrin in 1,5 Monaten Extremsituation? Um während einer solchen Expedition zusätzlich einen kompletten Dokumentarfilm zu erstellen, gibt es allerdings eine viel konkretere Frage – eine, die mich vor der Reise schlaflose Nächte gekostet hat: Wie filmt man überhaupt in der ewigen Kälte?

Ganz ehrlich: Vor unserer Expedition 2023 nach Spitzbergen hätte ich selbst gerne die Informationen dieses Beitrags gehabt. Vielleicht hätte mir dieses Wissen geholfen, mich noch besser auf das Filmprojekt vorzubereiten und einiges an Kopfzerbrechen zu vermeiden. Während und vor allem nach der Expedition habe ich allerdings auch festgestellt, dass es nicht “den einen Weg” gibt; es gibt 1.000 verschiedene Wege, so einen Film herzustellen, und jeder wird es ein bisschen anders machen.

Heute würde ich so einiges anders machen. Das Projekt “End to End Svalbard” hat für mich den Grundstein für mein Wissen über Expeditionsfilme gelegt. All diese Tipps und Learnings gibt’s am Ende des Artikels nochmal zusammengefasst. Jetzt geht es darum, wie ich “End to End Svalbard” gefilmt und technisch umgesetzt habe.

Vorweg noch ein kleiner Disclaimer: Das hier soll keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Filmen in der Arktis oder in vergleichbar kalten Extremsituationen sein. Vielmehr ist es eine Art Erlebnisbericht – von jemandem, der ein solches Projekt erfolgreich abgeschlossen hat.

Bild und Ton

Das sind auf der einfachsten Ebene die beiden Komponenten eines Films. Meiner Meinung nach ist die Aufteilung ungleich: Der Ton ist deutlich wichtiger und macht mindestens 51% des fertigen Films aus. Für mich war von Anfang an klar: Jeder der sieben Teilnehmer braucht ein eigenes Mikrofon, das unabhängig von der Kamera durchgehend aufnimmt und jeweils windgeschützt und nah am Mund angebracht ist.

Hier habe ich mich für das Tentacle Track E-System entschieden. Das sind kleine Tonrecorder mit einem Lavaliermikrofon, die über Timecode mit der Kamera synchronisiert sind und das Signal intern aufzeichnen. Diese Geräte waren per Bluetooth mit dem Handy steuerbar; Die Akkus dieser Geräte halten selbst in der Kälte mehr als einen ganzen Tag.

Da ich allein für den Film verantwortlich war, konnte ich so, ohne eine weitere Tonperson, wichtige Audioschnipsel einfangen, die mit dem Kameramikrofon oft überhaupt nicht hörbar gewesen wären. Auch an windigen Tagen konnte ich mit guter Platzierung und kleinen Windschutzen über den Mikrofonen gut verständliche Dialoge einfangen – tolle Beispiele aus dem Film sind hierfür Tag 9 sowie der letzte Tag der Expedition. Ich habe die Mikrofone jedes einzelnen so angebracht, dass der Stoff der Jacke in unserer Laufrichtung zwischen Wind und Mikrofonen lag und so die Mikrofone vor dem Windeinfluss geschützt hat.

Als Kamera hatte ich meine Sony Alpha 7S3 dabei. Zusätzlich ist sie super kompakt und leicht und liefert trotzdem ein fantastisches Bild. Während der Expedition hatte ich sie durchgehend am Oberkörper getragen. So konnte ich in spontanen Situationen extrem schnell reagieren, und die Kamera war in maximal vierSekunden eingeschaltet und bereit zum Filmen.

Als Objektive habe ich mich diesmal für alte Vintage-Primes entschieden, also Festbrennweiten. Da ich die Nikon FM2 besitze (eine alte analoge Fotokamera) und den Look sehr mag, habe ich deren Objektive auf meine Sony adaptiert. Dabei hatte ich 24 mm, 35 mm, 50 mm und 85 mm sowie ein Zoomobjektiv von 28–200 mm.

Zusätzlich hatte ich noch eine kleine Drohne dabei, die DJI Mini 3 Pro, mit der Fernbedienung mit eingebautem Display. Die herkömmlichen Fernbedienungen, an die man sein Smartphone als Bildschirm anschließt, würde ich für solche kalten Gebiete auf gar keinen Fall empfehlen!

Gerade bei meiner Tonlösung habe ich vieles instinktiv richtig gemacht, einiges aber auch falsch. Was ich bei Bild- und Tonaufnahmen das nächste Mal anders machen würde, habe ich am Ende des Artikels noch einmal zusammengefasst.

Strom und Batteriemanagement

DAS Thema schlechthin, nach dem ich immer wieder gefragt werde. “Wie hast du es geschafft, 40 Tage lang ohne eine Steckdose auszukommen?“ ist eine häufige Frage. Was habe ich also gemacht?

Viele Monate vor der Expedition habe ich angefangen zu experimentieren, wobei mir einige Punkte bei der Stromversorgung wichtig waren:

  • Solarstrom war die einzige praktikable Lösung

  • möglichst leicht sollte es sein

  • ich brauchte mehrere Tage Autonomie, also die Möglichkeit, meine Geräte zu laden auch bei anhaltend schlechtem Wetter

  • Meine Akkus mussten die Bestimmungen der Airlines erfüllen

Da ich einige Jahre zuvor mit dem Fliegen und Bauen von FPV-Drohnen angefangen hatte, kannte ich mich mittlerweile sehr gut mit DIY-Lösungen aus. Ich habe mich recht früh dazu entschlossen, mir meine Powerbank einfach selbst zu bauen.

Ich erkläre im Folgenden vereinfacht, was ich da genau gemacht habe, muss aber auch anmerken, dass ich für die nächste Expedition wohl wieder zu einer bereits bestehenden, herkömmlichen Lösung tendieren würde. Gründe und Lösungen dafür gibt’s in den Tipps am Ende des Artikels.

Mein selbstgebauter Akkukoffer war im Prinzip ein Pelicase mit insgesamt 81 Batteriezellen, die ich zu 9 Einzelakkus (12 Volt) mit je 99 Wh und 6 Zellenzusammengelötet habe. So konnte ich also sichergehen, diese Akkus auch im Flugzeug mitnehmen zu dürfen und sie vor der Expedition mit selbstgebauten Adapterkabeln zu einer großen Powerbank zusammenzuschließen. Ein kleiner Workaround, der sehr gut funktioniert hat.

Zusätzlich kamen in das Pelicase ein Solarstromregler und ein Temperaturmessgerät. Lithium-Ionen-Akkus funktionieren zwar in der Kälte, aber sobald man sie lädt, wenn sie eine Kerntemperatur von unter 5–6 °C haben, zerstört man sie relativ schnell. Deshalb habe ich zwei Heizpads (auf dem Foto in rot) in das Case gelegt, um die Batterien vor dem Laden aufwärmen zu können.

So hatte ich eine “Haupt-Powerbank”, die ich direkt an meine zwei großen, je 130-Watt-Solarpaneele hängen konnte und die all unsere technischen Geräte mit Strom versorgt hat: Kameras, Tongeräte, Handys, Powerbanks der anderen Teammitglieder, GPS-Geräte, etc. Dank der hohen Kapazität von knapp 1 kWh (entspricht umgerechnet circa 270.000 mAh, wenn man es mit normalen Powerbanks vergleichen möchte) gab mir das gute 7-8 Tage Strom am Stück, ohne die Powerbank an die Solarpaneele anschließen zu müssen. Das hat mir gerade zu Beginn unserer Expedition extrem geholfen, da sich die Sonne erst nach gut einer Woche zum ersten Mal richtig gezeigt hat.

Um den Strom aus diesem selbstgebauten Akkukoffer nun in all unsere technischen Geräte zu bekommen, brauchte ich ein Ladegerät. In meinem Fall habe ich ein Ladegerät aus dem FPV-Drohnen-Hobby umfunktioniert und mir zusätzlich einige notwendige Ladekabel selbst gelötet. So konnte ich beispielsweise alle sieben Tonaufnahmegeräte gleichzeitig an nur einem Anschluss laden.

Solltest du mir bis hierher gefolgt sein, kannst du dir jetzt vielleicht denken, warum ich das nächste Mal lieber eine fertige Powerbank mit direkt eingebauten USB-C-Steckern zulegen würde. Mein Setup hat für mich und diese Expedition ausgezeichnet funktioniert, man braucht allerdings sehr tiefgehende Kenntnisse in Elektrotechnik, um sicherzugehen, dass das Zelt nicht in die Luft fliegt – das kann bei Experimenten mit Batterien durchaus vorkommen.

Akkus und die Kälte

Um direkt an den vorangegangenen Teil anzuschließen, kommen hier Tipps dazu, wie man mit Akkus in der Kälte umgehen kann und sollte. Meiner Erfahrung nach funktionieren neue Akkus fabelhaft bei kalten Temperaturen. Gerade die Akkus meiner Sony-Kamera haben selbst über Nacht draußen in der Kälte nicht mehr als 1 % verloren. Um böse Überraschungen zu vermeiden, lohnt es sich trotzdem, ein paar Punkte zu beachten:

  • Gerade kleine Akkus und batteriebetriebene Geräte (also Kameraakkus, Handys, GPS-Geräte, Powerbanks) sollte man nah am Körper tragen. Manche Base-Layer haben kleine Taschen dafür.

  • DJI-Drohnenakkus sind besonders kälteempfindlich. Die Drohne wird bei einem vollen, aber kalten Akku nicht starten. Um das Problem zu lösen habe ich die Akkus in meine isolierten (Daunen-) Campschuhe gesteckt, zusammen mit einer mit heißem Wasser gefüllten Nalgene-Flasche.

  • Vor dem Laden sollte man Akkus zumindest ein bisschen aufwärmen. Praktisch alle modernen Akkus haben Mechanismen zum Schutz eingebaut. Sind sie zu kalt, wird einfach kein Strom angenommen. Ich habe sie dafür immer mit einer mit heißem Wasser gefüllten Nalgene-Flasche in meinen Schlafsack gelegt, bevor ich sie an den Strom gesteckt habe

Technik und die Kälte

Zu meiner großen Überraschung während der Expedition passiert mit der Technik unter extrem kalten Bedingungen: Nichts. Eine eiskalte Kamera (mit einem warmen Akku) funktioniert tadellos – zumindest habe ich das so erlebt.

Kälte an sich macht der Technik also nichts aus. Sobald sich das Wetter und die Temperaturen verändern, ist Vorsicht geboten. Wird es beispielsweise nach Schneefall bei um die 0 °C schlagartig sehr kalt, kann es vorkommen, dass die gesammelte Feuchtigkeit an der Kamera einfriert.

Ich hatte das Problem einmal, ziemlich zu Beginn der Expedition: Meine Kamera wurde durch (warmen) Niederschlag nass, auch ein wenig im Inneren. Als es kälter wurde, gefror die Feuchtigkeit im Inneren der Kamera. In meinem Fall öffnete sich der Shutter-Vorhang nicht mehr; der Sensor war also dauerhaft blockiert.

Meine Lösung: Ich habe die Kamera gute 20 Minuten über den laufenden Benzinkocher gehalten, um sie aufzuwärmen und die Feuchtigkeit im Inneren loszuwerden. Ein etwas unorthodoxer Lösungsansatz, das gebe ich zu.

Ein anderes Mal war ich unvorsichtig und habe den Schnee am Gimbal meiner DJI-Drohne nicht bemerkt. Nachdem der sich dann zu Wasser verwandelt hat und es kälter wurde, ist er eingefroren – genau an dem Tag, an dem wir das gefrorene Meereis vor einer epischen Gletscherfront betreten haben. Ein eingefrorener Gimbal an Drohnen heißt: sehr wackelige Aufnahmen.

In diesem Fall hatte ich keinen schnellen Fix, sondern wusste mir nur so zu helfen, auf den Gimbal zu hauchen, um ihn ein wenig aufzuwärmen, und mir so ein Zeitfenster von gut 3–4 Minuten zu schaffen, bevor er in der Luft wieder zugefroren ist.

Auch Kondensation ist ein wichtiges Thema: Wenn du von der Kälte in die Wärme kommst, bildet sich Kondenswasser. Brillenträger kennen das Problem, wenn sie im Winter ein Restaurant oder eine Bar betreten. Diese Kondensation tritt sogar auf, wenn man von der Kälte der Arktis ins Zelt geht dort ist es nicht selten 10–20 °C wärmer als draußen.

Ein Problem ist, dass das Objektiv (und manchmal sogar der Sensor) beschlägt und man für gute 20 Minuten nicht filmen kann. Ein zweites, größeres Problem ist, dass sich Feuchtigkeit an und in der Kamera sammelt und sie dadurch unter Umständen kaputt gehen kann. In meinem Fall ist Letzteres nicht passiert.

Für das Problem der Feuchtigkeit an der Kamera gibt es einen schnellen Fix: Die Kamera noch in der Kälte in eine luftdicht verschließbare Plastiktüte (Zip-Beutel oder Ähnliches) legen und dann die Tüte mit der Kamera in die Wärme nehmen. Man muss zwar immer noch die Zeit abwarten, aber die Kondensation findet nun an der Tüte statt und nicht an der Kamera.

In meinem persönlichen Blog bin ich beim Thema “Filmen in der Kälte” sehr ins Detail gegangen; den Artikel kannst du hier lesen (englisch):

Datensicherung während mehrwöchigen Expeditionen

Wenn mich heute jemand fragt, wie ich während solcher Trips meine Daten sichere, ist meine Antwort immer: Ganz klar, mit meinem Laptop und externen Festplatten.

Vor dieser Expedition 2023 kam mir das abwegig vor. Meinen Laptop mitnehmen? Das wäre ja so, als würde ich meinen Laptop zum Klettern mitnehmen oder zum Skifahren hinten im Rucksack. Das ist Quatsch!

Fakt ist: Bei dieser Expedition habe ich mich aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen gegen einen Laptop entschieden. Heute nehme ich auf jedes Filmprojekt, bei dem eine Datensicherung notwendig ist, meinen Laptop und externe Festplatten mit.

Auf Spitzbergen habe ich das so gelöst: Von Lacie, dem Festplattenhersteller, und DJI in Kooperation hatte ich das BOSS-System: Backup -on-set -solution. Das ist wie eine Festplatte mit einem Mini-Computer und einem Kartenlesegerät. Dort habe ich meine Kamera angeschlossen, die Daten auf diese Festplatte geladen und anschließend davon ein Backup auf meine beiden externen Festplatten erstellt.

Im Prinzip hat es funktioniert, aber es war weder zu 100 % zuverlässig noch professionell.

Also: Es ist möglich, regelmäßige Datensicherungen ohne Computer durchzuführen. Sinn macht es aus meiner heutigen Sicht aber keinen.

Was auch manche Produktionen machen, wenn ein Laptop wirklich keine Option ist: ausreichend Speicherkarten für die Kamera kaufen (also wirklich viele!) und die gesammelten Speicherkarten nach dem Trip zu Hause überspielen. Auf jeden Fall auf zwei Speicherkarten gleichzeitig aufnehmen, wenn man diese Option wählt! Man sollte auf jeden Fall vermeiden, wichtige Dateien zu einem Zeitpunkt auf nur einem einzigen Speichermedium zu haben!

Kamera-backups und Überlegungen für technisches Versagen

Der Worst Case bei jedem Filmprojekt ist, wenn die Kamera nicht mehr funktioniert und keine weiteren Aufnahmen möglich sind—dann gibt es schlicht keinen Film.

Meine Kamera hat zu einem Zeitpunkt einmal nicht mehr funktioniert. Ich saß eines Morgens im Zelt und wollte das Objektiv wechseln. In exakt dem Augenblick, in dem der Kamerasensor offenlag und nach oben zur Zeltdecke zeigte, fiel ein Wassertropfen genau in die Öffnung und auf den Sensor. Mir ist in genau dem Augenblick eingefallen, dass ich keine Sensorreiniger mitgenommen hatte (hier der Tipp: immer, immer, IMMER Sensorreiniger dabei haben, egal wo und wie lange man unterwegs ist!).

Ich konnte also meinen Sensor nicht trocknen, Wasser war in der Kamera, und ich verschob das Problem auf den Abend, da wir zügig das Camp abbauen und los wollten. Wie es der Zufall wollte, war das der Tag, an dem uns ein schwerer Sturm einholen sollte und wir für gute sechs Stunden eine riesige Schneehöhle als Unterschlupf bauten. Das musste ich filmen.

Ich finde, im fertigen Film fällt es nicht wirklich auf, aber alle Aufnahmen vom Bau der Schneehöhle wurden mit meiner GoPro aufgenommen. Das war die einzige Kamera, die zum einen noch funktionierte und zum anderen diesen extremen Sturm mit horizontalen Schneeverwehungen ohne Weiteres aushielt.

Den Look von GoPros mag ich normalerweise überhaupt nicht, aber unter anderem für solche Situationen sind diese Kameras Gold wert: Sie halten (fast) alles aus und sind obendrein komplett wasserdicht.

Für den Fall, dass meine Kamera komplett ausfällt und für den restlichen Trip nicht mehr benutzbar wäre, hatte Jonas seine eigene Sony A7R fürs Fotografieren dabei. Dann hätte er mir seine Kamera zum Filmen überlassen; die Fotos wären dann mit dem Handy entstanden. Diese Situation haben wir im Vorhinein natürlich besprochen.

Hätte Jonas seine Kamera nicht gehabt, wäre die Lösung ein zweiter, der Hauptkamera ähnlicher Kamerabody für Backups. Ersatzgeräte in der Arktis sind schwer zu beschaffen!

Generell lohnt es sich also, für Situationen, in denen man definitiv keinen Ersatz für technische Geräte bekommt, ein bis zwei Backuppläne zurechtzulegen. Was mache ich, wenn meine Hauptkamera ausfällt? Was passiert, wenn eine Speicherkarte nicht mehr läuft? Kleiner Tipp: Sehr kritische Geräte in dreifacher Ausführung gehen zwar ins Geld, bewahren aber vor viel Kopfzerbrechen im Zweifelsfall.

Meine Herangehensweise fürs Filmen

Das hier ist der Fun-Part; etwas, das ich mich selbst immer wieder als Filmemacher frage: Wie haben andere Filmemacher gefilmt? Wie war deren Herangehensweise?

Jeden Morgen hat jeder der sechs anderen Expeditionsteilnehmer sein Mikrofon bekommen. Meine Kamera hatte ich umgehängt, bereit zum Filmen.

Oft habe ich einen der anderen gefragt, was wir heute machen, wo wir heute hinlaufen, etc. Um Bilder während des Skifahrens zu bekommen, bin ich oft einige hundert Meter “vorgerannt“ (mit einem 65-Kilogramm-Pulka geht das normalerweise nur im flachen oder leicht abfallenden Gelände) und habe so die Gruppe von vorne gefilmt. Zusätzlich habe ich die Drohne oft während des Laufens selbst gestartet, geflogen und wieder gelandet. Generell habe ich versucht, den Rhythmus unserer Gruppe möglichst wenig durchs Filmen zu stören. An manchen Tagen ging es einfach durchgehend leicht bergauf; da musste ich die Gruppe schon mal nötigen, auf mich zu warten, bis ich ein paar Meter Vorsprung gemacht hatte.

Oft habe ich mich abends, während sich die anderen im Zelt aufgewärmt haben, raus in die Kälte gestellt und Sonnenuntergänge sowie das Camp selbst gefilmt.

Bei wichtigen Gesprächen innerhalb der Gruppe habe ich meist kurz die Mikrofone gecheckt und je nach Perspektive und Bildkomposition die sechs anderen etwas umpositioniert, ansonsten habe ich da recht wenig “regiemäßig“ eingegriffen. Hier und da musste ich allerdings entscheidende Sätze, die ich verpasst hatte, neu und “gestellt“ in die Kamera sprechen lassen.

Dazu kamen die für Dokumentationsfilme typischen Interviews – das erste haben wir zwei Tage vor dem Start der Expedition aufgenommen, das zweite einen Tag vor dem Erreichen des Nordzipfels.

Wie schon in den vorherigen Teilen dieser Beitragsreihe erwähnt, hatte ich nicht wirklich einen Plan, was die Geschichte des Films anging. Ich hab bei diesem Projekt versucht, möglichst viel während der 40 Tage zu filmen und den Film später im Schnitt zusammenzubauen. In diesem Fall hat das geklappt, jedoch ist das ein großer Punkt, den ich beim nächsten Mal anders machen würde. Für den nächsten Film dieser Art werde ich mir definitiv im Voraus eine detaillierte Story ausdenken, die ich dann während des Drehens anpassen kann.

Schnelle Tipps für das Filmen in der Arktis oder ähnlich kalten Extremsituationen

  • “Wo bekomme ich meinen Strom her?” ist die wichtigste und erste Frage, die du und dein Team beantworten solltet

  • Nutze Körperwärme, um Batterien den Tag über warm zu halten. Gerade DJI Drohnenakkus sind sehr zickig.

  • Technik in der Kälte ist per se kein Problem. Sobald sich die Temperatur und das Wetter verändert muss man vorsichtig sein: wenn bei 0 °C Schnee fällt und es anschließend deutlich kälter wird, droht die Feuchtigkeit an der Technik einzufrieren.

  • Datensicherung und Backups sind auch in der Arktis nicht optional sondern Pflicht. Backups meines Filmmaterials haben mich regelmäßig meine freien Abende gekostet.

  • Sei bereit für kreative Lösungsansätze. Erinnerst du dich an das “Backen” meiner eingefroren Kamera über dem Benzinkocher? Klingt absurd, in der Arktis war das aber die einzige Lösung.

Was ich im Nachhinein anders gemacht hätte

Wie oben schon angekündigt, gibt es einige Punkte, die ich mit meinem gesammelten Wissen aus der Expedition und den letzten drei Jahren im Outdoor-Film-Business anders angegangen hätte.

Wenn ich diese Expedition noch einmal machen würde, würde ich:

  • eine größere Hauptkamera wählen, idealerweise etwas schwerer, mit großem Monitor, größerem Akku (V-Mounts) und einem professionellen Richtmikrofon. Meine Sony A7S3 hätte ich dann als Backup und zweite Kamera eingepackt.

  • meine Stromlösung überdenken. Obwohl mein selbstgebauter Akku relativ problemlos funktioniert hat, war die Bedienung nicht ganz intuitiv. Kommerzielle Lösungen gibt es genug, die für ein solches Projekt in Frage kämen.

  • isolierte Boxen/Thermobehälter und Silica-Gel für Technik mitnehmen. Auch wenn meine Technik nicht unbedingt durch die andauernde Feuchtigkeit gelitten hat, lohnt es sich trotzdem, etwas sorgsamer damit umzugehen als ich es getan habe. Pelicases eignen sich gut dafür, Technik zu verstauen. Zur Not gehen auch wasserdichte Seesäcke mit Silica-Gel – je nach Budget und Gewichtseinschränkungen

  • noch mehr Fokus auf guten Ton legen. Eine Tonangel für die Interviews hätte enorm geholfen. Ein großer Aufwand in der Postproduktion war teilweise notwendig, um die dumpfen Stimmen aus den Lavaliermikrofonen wieder einigermaßen klar wirken zu lassen.

  • nach Möglichkeit eine zweite kreative und technische Person dazuholen. Damit meine ich jemanden, der direkt am Filmen selbst beteiligt ist. Ganz egal, wie gut man alle Bereiche der Filmproduktion beherrscht, gerade bei so einem Projekt leidet das Endergebnis, wenn man alles alleine macht.

  • der klassischen Herangehensweise für Dokumentarfilme folgen und mir die Story im Vorhinein überlegen. Das klingt etwas absurd: Ist ein Dokumentarfilm nicht eine Dokumentation von Ereignissen, die erst noch passieren werden? Ja, im Prinzip ist das richtig. Trotzdem muss man sich überlegen, in welche Richtung man mit dem Film geht, sich eine Story und einen roten Faden überlegen und diesen im Zweifelsfall vor Ort dem Verlauf der Reise anpassen.

Während dieser Expedition und des Filmdrehs habe ich sehr viele “erste Male“ erlebt. Einiges habe ich instinktiv richtig gemacht, einiges hat mit etwas Glück einfach gut funktioniert und viele Sachen sind nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich hoffe, mit diesem Artikel konnte ich dir ein bisschen Inspiration für deinen nächsten Filmdreh geben – sei es eine eintägige Skitour oder eine Expedition zum Südpol.

Im nächsten und letzten Teil dieser Serie spreche ich über zehn Learnings aus meiner Zeit auf Spitzbergen. Es geht nicht nur ums Filmemachen, sondern vor allem um das eigene Wohlbefinden und um kleine Tipps, wie man so eine lange Zeit auf Expedition möglichst angenehm gestaltet.

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