Erster Eindruck
Als Tester erfreut mich, dass es sich bei den Schuhen ausschließlich um dreiteilige Konstruktionen handelt, die in der Szene von vielen Powderjunkies favorisiert werden. Das trifft aber mehr als nur einen Retro-Nerv. Denn der Ur-Dreiteiler Flexxon von Raichle wird nach über 40 Jahren immer noch in flashigen Farben von derselben Form bei der Konkurrenz ausgestoßen. Daneben hat sich das weiterentwickelte, massivere Cabriodesign von Dalbello auf dem Markt etabliert.
Die dreiteilige Konstruktion bringt Alleinstellungsmerkmale mit, die beim Freeride-Skifahren von Vorteil sind. Neben dem deutlich leichteren Ein- und Ausstieg sind sie in zentraler oder Vorlageposition sehr gutmütig fahrbar, wobei sich ein charakteristisch stark progressiver Flex zeigt. Bei der Abfahrt im Gelände kann somit sehr feinfühlig auf Unebenheiten und sich ändernde Schneebeschaffenheiten reagiert werden. Die Progressivität wirkt dabei wie eine Fahrwerksstufe, die in einem Cabrio-Schuh sehr flexibel an die jeweilige Situation angepasst werden kann. Die auf der oben offenen Schale aufliegende, bewegliche Zunge leitet den vom nach vorne rotierenden Schaft entstehenden Druck federnd in die Fußsohle und ist somit ideal für alle Vorlageansprüche des Skifahrens. Der Kompromiss bei den Cabrios war bisher immer der wenig progressive Seitenhalt, der die Schuhe für harte Renneinsätze auf hartem Kunstschnee oder Eis mit messerscharfen Carvingski ungeeignet macht, da ein klassischer zweiteiliger Schuh mehr Präzision beim Aufkanten ermöglicht.
Genau hier liegt der Anspruch für ein Alleinstellungsmerkmal, für das Armada drei Jahre Entwicklungszeit investiert hat. Zwar will die Freeskimarke beim Freeriden bleiben, allerdings hat die Entwicklungsmannschaft dem Schuh einen auffällig massiv konstruierten Schaft verpasst. Dieser soll die seitliche Stabilität verbessern und sich somit gegen die Konkurrenz durchsetzen. Armada nennt diese Konstruktion „Hybrid Cabrio”.
Die konzerninterne Entwicklungsmannschaft ist die des PowderGuide-Partners Atomic. In ihrem eigenen Line-up sehen sie den Absatz eines Nischenprodukts, einer dreiteiligen Konstruktion nur mit Frontpins, vermutlich als hinderlich im Vertrieb der bestehenden Produktprogramme Redster, Hawx und Remedy. Die Ursprünge bei Atomic machen sich an dem Schuh an vielen Stellen bemerkbar. Die Schale verfügt über ein Vier-Punkte-Canting und eine verstellbare Vorlageposition.
Letztere ist auf der Rückseite wie bei den oben genannten Modellen Redster und Remedy ausgeführt. Eine Klammer fixiert den Schaft mit zwei Schrauben in einem Mindestvorlagewinkel an der Schale. Ähnlich wie bei den höherwertigen Schuhen von Atomic sind es immer lösbare Verbindungelemente, also Schrauben, wobei erfreulicherweise mittlerweile auch Torx-Schrauben verwendet werden. Allerdings wird nur für die Innensechskantschrauben ein Werkzeug mitgeliefert. Hier bestünde Verbesserungspotenzial, wenn man alles auf Torx vereinheitlichen und das entsprechende Werkzeug mitliefern würde.
Fast alle Einzelteile, darunter Innenschuhe, Innenschuhzungen, Brandsohlen, Straps und Wechselsohlen aus dem riesigen Ersatzteilkatalog von Atomic den wir bereits testen durften, sind kompatibel. Besonders freut es den Tester, dass sich damit auch die Alpinwechselsohlen nach ISO 5355 verwenden lassen. Serienmäßig ist der Schuh mit Gripwalk-Sohlen, einem fixen Strap und einer weichen, schockabsorbierenden Brandsohle ausgestattet. All dies habe ich allerdings aus persönlichen Vorlieben mit den Teilen aus dem Baukasten sehr einfach ausgetauscht.