Zum Inhalt springen

Cookies 🍪

Diese Website verwendet Cookies, die Ihre Zustimmung brauchen.

Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Diese Seite ist auch verfügbar auf English.

Zur Powderguide-Startseite Zur Powderguide-Startseite
Materialtests

Materialtest | Nidecker Escape Plus

Ein Board für hohe Geschwindigkeiten

29.01.2026
Till Mangesius
Der große Bruder des Escape kommt 2026 mit einem auf den ersten Blick schlichten Design. Es gibt viel Schwarz mit farbigen Akzenten. Das Plus bedeutet, wie bei einigen anderen Herstellern auch, dass mehr Carbon verbaut ist. Das macht das Board steifer und sorgt für mehr Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten. Die Größen reichen von 156 bis 165 W, wodurch sich das Board eher an größer gewachsene Boarder:innen richtet. Wie es sich am Berg geschlagen hat, erfahrt ihr hier!

Erster Eindruck

Schick und schlicht, aber nicht langweilig. Beim Auspacken fällt direkt auf, dass sich das Board verglichen mit dem sonstigen Nidecker Portfolio eher weniger auffällig präsentiert. Trotzdem ist es nicht nur schwarz, das Topsheet besteht bei genauerem Hinsehen aus einem schwarz-grauen Muster, ergänzt durch den bunten Streifen zwischen den Inserts, der gut zur Base passt.

Dann hat man das Board auch schon in der Hand und ich denke nach: Carbon-Board... Sollte das nicht leicht sein? Aber Moment, ich habe hier ja kein Splitboard, sondern ein Solidboard fürs Skigebiet in der Hand. Also doch alles in Ordnung.

Der Flex des Boards wird als mittelhart beschrieben. Wo auch immer man da die Grenze ziehen mag, für mich ist es eines der härteren Boards, die ich bisher gefahren bin.

Beim Montieren der Bindung fällt direkt auf: Camber ist vorhanden. Ich freue mich auf die ersten Pistentage am Anfang der Saison.

Tester und Testbedingungen

Ich habe das Board in der Größe 162W getestet. Bei meinen 190 cm und 85 kg hätte auch eine größere Größe gepasst. In meinen 15 Jahren (mit Unterbrechungen) auf dem Snowboard habe ich schon verschiedene Modelle für verschiedene Fahrstile ausprobiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich vielleicht kein typischer Snowboarder bin. Am wohlsten fühle ich mich, wenn mein Board den Schnee berührt und mein Körper sich nicht überlegen muss, wie er sich in der Luft zu verhalten hat. Auch diese ganzen Tricks auf der Piste sind eher nichts für mich, denn ich fahre einfach zu gerne schnell.

Dementsprechend habe ich auf dem Board eine relativ steife Bindung (Ride A-9) montiert. Sie ist schon eine Saison alt, aber so wenig gefahren, dass sie quasi noch neuwertig ist. Mit Schuhgröße 46 ist die breite Ausführung des „Escape Plus” definitiv notwendig; die noch breitere Variante „XW”, die es beim normalen „Escape” gibt, vermisse ich aber nicht. Wie man schon vermuten kann, habe ich die Bindung auf ca. +20°/0° montiert.

Dank des außergewöhnlichen Winters habe ich das Board leider viel zu selten von der Piste wegbewegt und auch wirklich tiefen Powder habe ich bei diesen Manövern nicht gefunden. Da aber auch für Touren vor Weihnachten (für meinen Geschmack) zu wenig Schnee gefallen ist, war ich froh das Escape Plus an vielen Tagen fahren zu können.

Testbericht 

Bereits bei der ersten Abfahrt habe ich gemerkt, welchen Einfluss das eingebaute Carbon auf das Fahrverhalten hat. Das Board ist ziemlich steif, was es gerade bei langsamer Fahrt gewöhnungsbedürftig macht – perfekt für den ersten Tag der Saison. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase habe ich die Geschwindigkeit erhöht, denn dafür ist das Escape Plus schließlich gemacht. Hier war ich dann auch direkt dankbar für den ordentlichen Camber. Bei normalen Pistenverhältnissen ist Wegrutschen quasi nur bei groben Fahrfehlern möglich oder vielleicht, wenn am Ende der Saison die Kanten weniger scharf sind.

Leider waren die Pistenverhältnisse hier in Tirol nicht normal gut, sondern traurigerweise mittlerweile normal schlecht. Trotzdem war das alles kein Problem, denn das Escape Plus hat einen Kantenhalt, wie ich ihn bisher noch nicht erlebt habe. Während ich früher auf Eisplatten Todesängste durchleiden musste, ist jetzt nur eine kleine Anpassung der Fahrweise nötig, und ich habe zu keiner Zeit das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten fühlt sich das Board nicht flattrig an, sodass ich das Tempo Tag für Tag erhöhen kann.

Eine Änderung, die ich schon nach dem ersten Tag auf dem Board vorgenommen habe, ist eine Änderung des Stance. Zunächst habe ich die Bindung natürlich auf den empfohlenen Abstand montiert. Für meinen Geschmack ist so aber der hintere Fuß nicht an der richtigen Position, sowohl was den Abstand als auch den Druck auf die Kante angeht. Deshalb habe ich die hintere Bindung ein Loch nach vorne gesetzt, was für mich einen großen Unterschied ausgemacht hat.

Switch fahren ist aufgrund meiner Bindungseinstellung sowieso gewöhnungsbedürftig, funktioniert mit dem Escape Plus aber genau so gut wie mit anderen direktionalen Boards.

Abseits der Piste tut der direktionale Shape was er soll. Auftrieb hat man aufgrund der breiten Schaufel auch genug. Bei überwiegend zerfahrenem Gelände und festerem Schnee habe ich mich auf dem Board noch nie zu hundert Prozent wohlgefühlt. Durch den härteren Flex habe ich aber auch hier das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Für wirklich viel Neuschnee wäre ein Board mit mehr Rocker an der Nose aber wahrscheinlich die bessere Wahl.

Nach einigen Tagen der Benutzung zeigen sich natürlich auch schon die ersten Abnutzungserscheinungen. Die meisten davon stammen aus der Liftschlange, wenn das Board mit anderem Material in Kontakt kommt. Das Topsheet ist aber sehr robust und die Kratzer fallen aufgrund des Designs gar nicht so schlimm auf. Die Base meldet, dass sie auch schon wieder etwas Wachs vertragen könnte; das ist sicherlich dem vielen Kunstschnee zu verdanken.

Fazit

Das Board hält was es verspricht. Es ist gemacht für hohe Geschwindigkeiten und große Kurven. Und da macht es auch richtig viel Spaß! Die große Frage: Ist es das Board für ein „one-board quiver“?

Nicht für mich, da ich mir da schon ein etwas wendigeres, vielleicht sogar auch verspieltes Board vorstelle. Aber es ist eine großartige Ergänzung für Leute die ein Board suchen, mit dem man auf und neben der Piste schnell fahren kann. Damit ist es auch eher für fortgeschrittene Fahrer:innen geeignet. Eine kurze Anmerkung möchte ich hier noch machen: Warum das Board auf der Nidecker Homepage nur bei den Snowboards für Männer gelistet ist erschließt sich mir nicht ganz. Es gibt genug Frauen, für die dieses Board aufgrund ihrer Körper- und Schuhgröße infrage kommt.

Vor- & Nachteile

+ sehr guter Kantenhalt

+ sehr gute Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten

+ sehr gut Verarbeitet

- Spaßfaktor bei langsamer Fahrt eher gering

Technische Daten

Verfügbare Größen: 156, 159, 159W, 162W, 165W

Mittelbreite: 255-270mm

Shape: Directional, Camber, Mittelharter Flex

Gewicht:

Preis: 519,95€

Hier gehts zur Website von Nidecker für weitere Informationen.

Das Board wurde PowderGuide vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wie wir testen erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

Fotogalerie

Ähnliche Artikel

Kommentare