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Materialtests

Materialtest | STRANDA Biru Splitboard

Kleines Teufelchen - großes Grinsen

07.11.2026
Tobias Leistenschneider
Kurz, breit, direktional: Das Stranda Biru ist ein Volume Shifter durch und durch. Ein Konzept, dem ich bisher eher skeptisch gegenüberstand. Lang und schmal war die Devise. Ob mich das kleine Teufelchen nach einem Winter im Schwarzwald und in den Alpen umstimmen konnte, lest ihr hier.

Erster Eindruck

Das Biru kam direkt von Stranda zu mir, allerdings nicht nagelneu, sondern als kurz genutzter Prototyp aus dem Vorjahr. Das Serienmodell kann daher im Detail abweichen, dazu weiter unten mehr. Biru heißt übrigens Teufel, auf Samisch. Kleiner Teufel also. Das passende Logo auf dem Deck gefällt mir gut.

Der erste Eindruck: solide, leicht und angenehm in der Hand. Die Verarbeitung wirkt vom ersten Moment an hochwertig. Hier wurde nicht am falschen Ende gespart und das bestätigt sich auch in punkto Haltbarkeit. Sehr schön.

Das Shape hält, was es verspricht: Vorne eine große Schaufel, hinten ein kompakter Fishtail, dazwischen 270 mm Taillenbreite beim 154er. Das Tail läuft außerhalb der effektiven Kante schmal zu, was sich in der Abfahrt bemerkbar macht. Beim Profil setzt Stranda auf einen satten Camber mit leichtem Early Rise in der Nose und einem steilen Kick im Tail. Der Flex ist mittelfest und in der Mitte des Sidecuts am steifsten, der Radius von 6,7 m wird zum Tail hin enger. An den Inserts sitzen sogenannte Power Bumps, kleine Ausbuchtungen der Kante für mehr Grip auf hartem Schnee. Stranda empfiehlt, das Biru 4 bis 6 cm kürzer zu wählen als ein klassisches Freerideboard.

Für die aktuelle Saison hat Stranda dem Biru einen neuen Aufbau verpasst, mein Testboard ist diesem bereits sehr ähnlich. Der Kern besteht aus Bambus, Paulownia und Pappel. In der Nose sitzt leichte Paulownia, um das Schwunggewicht zu reduzieren, unter den Inserts Bambus für mehr Haltbarkeit. Darüber liegt Triax-Glasfaser mit Carbon-Stringern, die für mehr Torsionssteifigkeit und Dämpfung sorgen sollen. Dazu kommen ein Durasurf-4001-Sinterbelag, Phantom-Herkules-Clips, ein mattes TPU-Topsheet, Seitenwangen aus Polyurethan sowie Aluminium-Protektoren an Nose und Tail. Die Stahlkanten sind ab Werk leicht entschärft, die Kantenwinkel liegen bei -1° (Base) und 88° (Side).

Tester und Testbedingungen

Ich bin 1,79 m groß, wiege 75 kg und liege mit dem 154er damit mitten in der Gewichtsempfehlung von 65 bis 90 kg. Zum Vergleich: Das Konvoi Nevado, das ich nun jahrelang gefahren bin, misst 169 cm. Fünfzehn Zentimeter Unterschied, das ist eine Ansage. Pure Volume Shifting.

Montiert war eine Plum SOK ohne Tech Toes, also im normalen Plum Interface, dazu Hardboots von Fischer, der Travers TS, ein Voilé-Strap statt Schnalle als einzige Modifikation.

Getestet habe ich das Biru einen Winter lang im Schwarzwald und in den Alpen. Im Schwarzwald gab es sowohl schönen Pulverschnee als auch klebrigen Nassschnee, in den Alpen größtenteils harten, windgepressten Schnee und nur wenige Turns in weichem Pulver. Richtig tiefen Powder hat mir der Winter mit dem Biru leider nicht gegönnt.

Testbericht

Aufstieg

Kurz und knapp: hervorragend, und zwar in allen Bedingungen. Besonders überrascht hat mich der harte, windgepresste Schnee in den Alpen. Breite Boardhälften und harte Traversen sind normalerweise keine Liebesbeziehung, die Hebelwirkung ist groß und die Kante rutscht schnell weg. Denkt man. Nicht so beim Biru. Der Kantenhalt im harten bis sehr harten Schnee war allemal nicht schlechter als mit einem schmaleren Board. Das liegt am gelungenen Zusammenspiel aus Camber und Flex: Die Hälften liegen stabil und satt in der Spur.

Auch beim Spuren im weichen Schnee hat sich das Biru hervorragend geschlagen. Die Kombination aus Breite und kürzerer Länge sorgt für ein extrem angenehmes Aufschwimmverhalten. Bei Spitzkehren ist das kurze Board im Vergleich zu längeren Splitboards ohnehin eine Wohltat, sehr wendig und sehr handlich. Auch die Position der vorderen Inserts ist gut gelungen, das Board bleibt dabei schön in der Waage liegen und kippt nicht.

Ein Hinweis noch zum Aufstieg: Mit 270 mm Taillenbreite braucht ihr beim Plum die größere Harscheisen-Variante (260–290 mm). Welches Eisen zu welcher Bindung passt, steht in unserem Harscheisen-Überblick.

Abfahrt

Yes, das fetzt! Die erste Abfahrt mit dem Biru führte mich durch eine wohlbekannte, aber enge Waldschneise mit wenig Schnee. Technisch eher anspruchsvoll und nicht unbedingt der Ort, an dem man ein neues Board zum ersten Mal ausführt. Trotzdem habe ich mich von der ersten Kurve an ganz arg wohlgefühlt und bin lächelnd und lachend aus dem Wald gepurzelt. Das Biru dreht willig und verzeiht viel, wenn es eng wird.

Im Schwarzwaldpulver spielt das Board seine Stärken aus. Die Nose schwimmt auf, das Brett ist wendig und verspielt, genau dafür ist so ein Shape gemacht. Es hat mir tatsächlich neue Möglichkeiten in Lines gezeigt, die ich schon sehr sehr oft gefahren bin. Eine Wohltat.

Auf hartem Schnee wird es gewöhnungsbedürftiger. Um sauber auf der Kante zu bleiben, braucht es Technik. Mir hat eine deutliche Gewichtsverlagerung auf den vorderen Fuß geholfen, dann greift das Biru und zieht seine Kurve. Wer einfach mittig drüberbügeln will, wird eher Überraschungen erleben und vielleicht mal aushebeln.

Die zweite Eigenheit zeigte sich im recht flachen Gelände bei etwa 10 bis 15 cm weichem Schnee: Bei hoher Geschwindigkeit bricht das Heck leicht aus. Am Anfang überraschend, dann irgendwie witzig, fast wie Twin Fin Surfen im Wasser. Der schmal zulaufende Tail und der hinten engere Sidecut sind genau darauf ausgelegt, das Board locker und verspielt zu machen. Man muss es nur wissen.

Wie sich das Biru im richtig tiefen Pulver auf größeren Lines schlägt, kann ich nach diesem Winter nicht beurteilen. Wenn es schon in den herausfordernden Bedingungen so positiv überrascht, bin ich aber zuversichtlich, dass das Grinsen dort nicht abreißen wird.

Fazit

Das Stranda Biru ist kein Brett, das man einfach mittig fährt und das dann schon macht. Auf hartem Schnee will es geführt werden, im Flachen tanzt bei Speed das Heck. Genau das macht aber seinen Charakter aus: ein verspieltes, wendiges Board, das im Aufstieg überraschend gut hält und in der Abfahrt vor allem in engem Gelände und weichem Schnee viel Spaß macht. Nach einer Saison zeigt es zudem kaum Verschleiß, Belag, Kanten und Topsheet sind von sehr guter Qualität.

Und meine Vorbehalte gegenüber Volume Shift? Vollständig ausgeräumt.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Leicht und sehr solide verarbeitet
  • Hervorragender Aufstieg, auch auf hartem Schnee trotz breiter Hälften
  • Kurz und wendig, ideal bei Spitzkehren und in engem Gelände
  • Kaum Verschleiß nach einer Saison

Nachteile

  • Harter Schnee erfordert in der Abfahrt Technik
  • Heck bricht im flachen, weichen Gelände bei hoher Geschwindigkeit aus (Nachteil ?)
  • Nur zwei Größen

Informationen

UVP: € 995,-

Verfügbare Längen: 154 cm | 157 cm

Fahrergewicht: 65–90 kg | 75–100 kg

Gewicht: 3190 g | 3300 g

Effektive Kante: 1192 mm | 1220 mm

Sidecut: 321-270-309 mm | 328-275-315 mm

Radius: 6,7 m | 7,1 m

Setback: 20 mm

Full Camber mit Early Rise in der Nose

Kern aus Bambus, Paulownia und Pappel (Modell 2027)

Triax-Glas mit Carbon-Stringern

Durasurf 4001 Sinterbelag

Phantom Herkules Clips

Hier geht es zur Website von Stranda mit weiteren Informationen.

Das Splitboard wurde PowderGuide vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wie wir testen, erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

Fotogalerie

Die Menschen hinter dem Artikel

  • Geschrieben von

    Tobias Leistenschneider

    Ich lebe im Osten Freiburgs, am Fuß des schönen Schwarzwalds. Als begeisterter und zuweilen etwas nerdiger Splitboardenthusiast versuche ich jeden fahrbaren Zentimeter Schnee vor der Haustüre zu nutzen und kann mich an vielen Schneearten erfreuen. In den Alpen bin ich meist in der Schweiz unterwegs, wo ich mir lieber eine verlassene Scharte als den krassen Gipfel suche. Für PowderGuide bin ich als ConditionsReporter unterwegs und schreibe regelmäßig Artikel über und aus meinem Leben als Splitboarder. Außerdem betreue ich die französische Übersetzung der Webseite.

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