Die aktuelle Schneesituation:
Am Wochenende vom 11.01.2026 gab es in den Alpen endlich wieder Schnee. Zwar liegen die Schneehöhen in den Zentralalpen weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt, in den Westalpen hat sich inzwischen jedoch verbreitet schon eine deutlich mächtigere Schneedecke aufgebaut (Abb. 1). Der Neuschnee vom Wochenende hat aber auch zu einer heiklen Lawinensituation geführt. Mit teilweise bis zu 80 cm Neuschnee, wurde für Sonntag, den 11.01.2026, über fast die gesamten französischen Alpen und entlang des Alpenhauptkamms bis ins Tirol eine Lawinenwarnstufe 4 ausgegeben.
Unsere Profile:
Direkt vor dem letzten Niederschlag, am 7. Januar 2026, waren wir auf Feldarbeit am Madrisahorn oberhalb von Klosters in Graubünden. Auf einer Höhe zwischen 2.500 und 2.700 m haben wir drei Schneeprofile in unterschiedlichen Expositionen gegraben, um zu untersuchen, wie die Schneedecke je nach Hangrichtung aufgebaut ist und auf welcher Unterlage der Neuschnee aufliegen wird. Die Profilstandorte sind auf der Karte in Abbildung 2 zu sehen.
Anhand dieser Profile lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie die Schneedeckenentwicklung je nach Exposition unterschiedlich abläuft und welche Prozesse dazu führen, dass die Schneedecke an nordseitigen Hängen häufiger instabil ist, als an anderen Hängen.
Zunächst eine kleine Einordnung: Die hier besprochenen Unterschiede sind generelle Wahrscheinlichkeiten und Tendenzen, keine absoluten Aussagen. Je nach lokalen Gegebenheiten und dem Wetter am spezifischen Ort, können auch andere Effekte, entgegen der allgemeinen Tendenz, dominieren. Außerdem gilt: alle sonnenabhängigen Phänomene beziehen sich auf die Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel treten diese Erscheinungen genau umgekehrt auf. Der Sonnenstand beeinflusst zudem, wie stark die Unterschiede zwischen Nord- und Südhängen ausfallen. In polaren Regionen oder im Hochwinter sind die Unterschiede also anders ausgeprägt als in Äquatornähe oder im Spätwinter.
Besonders windgetriebene Prozesse wie Schneeverfrachtung, die die Schneehöhe stark beeinflussen, hängen extrem von der lokalen Topografie ab. Dazu zählen die Hauptrichtung des Tals oder Passes, kleinräumige Veränderungen der Hangneigung oder Vegetation sowie viele andere Geländeeigenschaften. Allgemeine Aussagen können solche Feinheiten nie vollständig abbilden; eine lokale Beurteilung liefert hier immer genauere Informationen.